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Der Mann mit den lustigen Augen

Serie: Kieler Originale Der Mann mit den lustigen Augen

Wer auch nur ein wenig italophil angehaucht ist, kommt in Kiel an dem kleinen Mann mit den lustigen Augen nicht vorbei: Sebastiano Caso – 80 Jahre jung und immer noch Kopf der Deutsch-Italienischen Gesellschaft, der Società Dante Alighieri.

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„Die Dante Alighieri ist wie ein Kind“: Seit 1978 ist Sebastiano Caso Vorsitzender der Deutsch-Italienischen Gesellschaft.

Quelle: Petra Krause

Kiel. Unzählige Kieler haben bei ihm ihre ersten Brocken Italienisch gelernt, zahlreiche Studenten von seinen organisierten Stipendien profitiert. Und noch immer hat der umtriebige Salernitaner nicht genug davon, den Deutschen „la cultura italiana“ in all ihren Facetten näher zu bringen.

Dabei führten den Süditaliener zahlreiche Umwege in den hohen Norden. 1935, am 22. April, erblickte Sebastiano Caso als zweites von neun Kindern im sonnigen Kampanien die Welt, die er fortan sehr forschend entdeckte. Sein Vater war Jurist in der Verwaltung, die Mutter Hausfrau, so wuchs er in sogenannten guten Verhältnissen auf. „Wir hatten eine über 200 Quadratmeter große Wohnung am Dom von Salerno“, erinnert er sich. Die Kriegswirren überstand die Familie im Landhaus in Salvitelle, einem kleinen Dorf im Landesinneren der Provinz Palermo, wo sein Großvater Bürgermeister war. Noch bevor er als Zehnjähriger ins Internat zu den Benediktinern in die Badia di Cava kam, wo er 1953 Abitur machte, hatte er im Krieg seine erste deutsche Begegnung. „Eines Tages kam ein deutscher Soldat vorbei, ein Deserteur, der Hilfe suchte“, erzählt Caso. „Mein Vater hat dafür gesorgt, dass er in einer der Grotten versteckt wurde.“

 Nach dem Abitur führte ihn sein Weg nach Neapel zum Studium der Philologie (Latein, Griechisch, Französisch), italienischer Literatur und Geschichte. Fünf Jahre pendelte er die 50 Kilometer zwischen Salerno und Neapel hin und her. Bei „la mamma“ ist es eben doch am besten. Zudem kannte er den Bahnhofsvorsteher. „Wenn ich mal nicht pünktlich um 7 Uhr da war, ließ er den Zug nicht abfahren“, sagt Caso und setzt sein breitestes Grinsen auf, als wolle er sagen: „So etwas ist nur in Italien möglich.“

 Nach der Promotion bekam er ein zweijähriges Forschungsstipendium in Rom an der Vatikanischen Schule für Paläografie und Diplomatik. Seine freie Zeit verbrachte er in Wien, um in Sprachkursen Deutsch zu lernen – mit Erfolg. Ein deutscher Priester an der Vatikanischen Schule riet ihm, sich für ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung zu bewerben. Die zweijährige Forschung „Bayern zwischen Papsttum und Frankenreich“ verschlug ihn nach München, wo 1964 sein „deutsches Schicksal“ besiegelt werden sollte. Im Schlepptau eines Freundes ging es zum Oktoberfest. Kaum angekommen, konnte er seine Augen nicht mehr von einem blonden Mädchen abwenden. „Sie hat mir mit dem Glas zugeprostet.“ Aber er verstand die Geste nicht. „Du musst jetzt zu ihr gehen, das macht man hier so“, erklärte ihm sein Freund. Etwa ein halbes Jahr später war er mit Paula, der Buchhändlerin, verheiratet und ist es noch heute. Drei erwachsene Töchter (46, 48, 50) haben die beiden. Zwei leben in Perugia, eine in Köln.

 Mit der Hochzeit im Juli 1965 endete aber auch sein Stipendium. „Was machen wir jetzt,“ hieß die Frage. Ein Angebot aus dem französischen Teil Kanadas lehnte er ab. „Ich fliege einfach nicht gerne.“ Sein Credo: „Nur Vögel haben Flügel.“ Zum Glück interessierte sich auch die Kulturabteilung der italienischen Botschaft in Bad Godesberg für ihn. Nach etwa zwei Jahren war auch dort Schluss. „Fast jeden Tag Empfänge, das war nicht mein Leben. Ich wollte forschen, lehren, lernen.“ Aber seine Verbindungen waren schon damals gut und so wurde er von Hugo Steger, Professor für Germanistik in Kiel, auf eine freie Stelle am Lektorat im romanischen Seminar aufmerksam gemacht. 1968 fing er an, im Jahr 2000 verließ er als Ehrenprofessor die Kieler Uni. Dazwischen liegen 32 Jahre Einsatz für italienische Sprache und Literatur. So mancher Student verdankt ihm ein Sprachstipendium und vielleicht auch einen italienischen Ehemann.

 Gleichzeitig hat er sich immer in der Dante Alighieri Gesellschaft engagiert, die er bis heute leitet. Als er damals Ende der 1960er-Jahre als einfaches Mitglied anfing, zählte sie etwa 70 Mitglieder. Er gab Italienischkurse umsonst, knüpfte Kontakte zur Stadt und sorgte für einen kulturellen Austausch mit Italien. 1978 wurde er Vorsitzender, die Zahl der Mitglieder wuchs schnell über 1000 – auch dank der Studienreisen, Ausstellungen und Konzerte, die er organisierte. Die Mitgliederzahl ist geblieben, Caso auch.

 Noch heute gibt er Kurse für Fortgeschrittene. Zeitlebens ist er zwischen Italien und Kiel hin und her gependelt. Seine Frau würde lieber ganz nach Perugia zu den Kindern und Enkeln. Er selbst aber kann noch nicht loslassen. Er möchte noch aktiv sein und außerdem: „Die Dante Alighieri ist auch wie ein Kind.“

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