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Er trommelt schon seit „Waterloo“

Serie Kieler Originale Er trommelt schon seit „Waterloo“

Im Raum stehen zwei Schlagzeuge, Trommeln in unterschiedlicher Größe liegen auf einem Tisch, daneben an der Wand hängen unzählige Becken in verschiedenen Größen und Formen. Jeder, der diesen Raum betritt, erkennt sofort: Hier wird Schlagzeug gespielt.

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Der Kieler Markus Zell spielt und unterrichtet Schlagzeug. Er hat auch ein eigenes Studio, in dem diese Aufnahme entstand.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Markus Zell steht von seinem Sessel in der Ecke auf, nimmt sich zwei Drumsticks, setzt sich an ein Schlagzeug und legt los. Seit sieben Jahren hat er den Raum im Keller des Musikgeschäfts In-Sound an der Gablenzbrücke gemietet. Hier gibt er Schlagzeugunterricht, nimmt CDs auf und veranstaltet die Konzertreihe „Im Souterrain“. „Schlagzeug ist ein sehr ehrliches und sehr direktes Instrument. Die ganze Energie, die man reinsteckt, kommt ungefiltert wieder heraus“, sagt Markus Zell über seine Musik.

Seit mehr als 40 Jahren spielt der gebürtige Hesse schon Schlagzeug. Er trommelt, wie er sagt. „Angefangen hat alles mit Abba und ihrem Auftritt beim Grand Prix“, erzählt er. Völlig fasziniert sei er als damals 12-Jähriger davon gewesen und danach tagelang mit Stöcken durchs Haus gelaufen, habe „Waterloo“ gesungen und dazu getrommelt. „Auch aus heutiger Sicht war das genial, was der Schlagzeuger da getrommelt hat“, erzählt Zell begeistert.

Ab da habe er gewusst, dass er Schlagzeug spielen will. Erste Versuche nach Fernsehvorbildern scheiterten jedoch. „Ich bin Linkshänder, weil die im Fernsehen alle Rechtshänder waren, habe ich mir immer beim Spielen die Arme verknotet“, erzählt der Kieler lachend. Dieses Problem legte sich dann mit dem Schlagzeugunterricht an der Jugendmusikschule in Neumünster. Der Einfluss seines ersten Schlagzeuglehrers Wim Wehrmeijer ist bis heute prägend für Markus Zell. „Er kommt jeden Tag auf irgendeine Art und Weise hier im Unterricht vor.“

Dass er selbst einmal Schlagzeug unterrichten würde, stand für Markus Zell früh fest. „Ich sehe mich in erster Linie als Musikpädagoge.“ Der 53-Jährige hat in Kiel Musikwissenschaft, Volkskunde und Kunstgeschichte studiert. Aber schon während des Studiums hat er gewusst, dass er Lehrer sein will. „Ich glaube, ich habe ein Talent dafür, Dinge so zu erklären, dass jeder sie versteht“, sagt Zell. Wenn Markus Zell vom Unterrichten spricht, gerät er ins Schwärmen. Er erzählt von ersten Erfolgen seiner Schüler, er berichtet von Improvisations-Sessions und spricht davon, dass das Schlagzeug ein Teaminstrument sei. Die Persönlichkeit erkenne man im Spiel.

Seit 25 Jahren unterrichtet Markus Zell. Jedes Jahr haben seitdem etwa zwei seiner Schüler an der Musikhochschule ihr Studium begonnen. Er bereitet sie auf die Aufnahmeprüfung vor und bleibt auch danach noch oft mit ihnen in Kontakt. „Das ist schon ein schönes Gefühl, wenn jemand dann vor einem großen Auftritt anruft und sagt ,Ohne dich hätte ich das nie geschafft’“, erzählt er. Aber der Schlagzeugunterricht ist nur eines seiner beruflichen Standbeine. Markus Zell coacht auch Bands und Chöre vor Auftritten, spielt selbst in verschiedenen Formationen und nimmt für verschiedene Musikprojekte sein Schlagzeugspiel in seinem Studio auf.

Seit dem vergangenen Jahr veranstaltet er außerdem alle sechs Wochen Konzerte „Im Souterrain“, zu denen er unterschiedliche Musiker einlädt. Die spielen dann in Markus Zells Keller zum ersten Mal zusammen, improvisiert, ohne lang zu proben. „Für mich ist Schlagzeugspielen etwas ganz persönliches, das mir vor allem Spaß machen soll“, sagt Markus Zell. Auch bei dieser Konzertreihe werde ihm das immer wieder klar.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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