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In der fünften Generation auf dem Markt

Serie: Kieler Originale In der fünften Generation auf dem Markt

Erika Puchert hat den Markt im Blut. Ihre Oma und Mutter hatten bereits als Marktbeschickerinnen gearbeitet, ehe die heute 77-Jährige in ihre Fußstapfen trat. Vor wenigen Tagen feierte Puchert ihr 55-jähriges Marktjubiläum.

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„Ich würde es immer wieder so machen“, sagt Marktbeschickerin Erika Puchert (77).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ihr Erfolgsrezept: „Man muss ehrlich mit den Leuten sein und ihnen gute Ware anbieten“, sagt sie. Viele Stammkunden danken es ihr mit langjähriger Treue.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehört Puchert auf verschiedenen Wochenmärkten zur Stammbesetzung und trotzt Wind und Wetter. „Früher hatten wir ja noch keinen Wagen, nur eine Plane. Wenn da die Hände kalt waren, hat mein Mann Löcher in einen Zinkeimer gemacht, und dann kam da Koks rein und der wurde angezündet. So haben wir uns die Finger gewärmt“, erklärt sie.

 Heute verkauft sie das Obst und Gemüse ohne ihren Mann. Er verstarb vor zwölf Jahren. Vier Jahre hatte sie ihn zuvor gepflegt. Wenn sie heute mittwochs auf dem Exerzierplatz, donnerstags in Kronshagen oder freitags in Altenholz steht, hilft meistens ihr Sohn. „Ich hoffe, dass er die Arbeit später übernimmt. Das wäre dann die sechste Generation auf dem Markt“, sagt Puchert.

 Bereits in ihrer Kindheit half sie ihrer Mutter auf dem Wochenmarkt. Übernehmen wollte sie deren Stand zunächst nicht. „Als ich meinen Mann mit 17 kennen gelernt habe, hatte ich keine Lust auf Markt“, erklärt sie. Zunächst arbeitete sie zwei Jahre im Hotel „Zum Fritz Reuter“ und dann ein Jahr in einer Glühbirnen-Fabrik am Eichhof. Doch die Mutter ließ nicht locker. „Sie sagte, ich solle doch zurückkommen. Das habe ich dann schließlich auch getan und mich später selbstständig gemacht“, erzählt Puchert.

 Zunächst kaufte die damals 22-Jährige für den Transport der Ware einen kleinen Fiat, später einen VW-Bus. „Ich bin dann um 1 Uhr nachts nach Hamburg losgefahren und habe dort beim Bauern eingekauft“, erzählt sie. Mit der Ware ging es danach Richtung Markt. In den frühen Morgenstunden baute Puchert ihren Stand auf. Zeit für das Frühstück blieb meist erst nach dem Aufbau. Ihr Mann arbeitete parallel in der Holstenbrauerei. „Die Kinder habe ich nachts bei ihrer Oma geparkt“, verrät sie. Später wurde für die Wohnung der Schwiegereltern ein Kinderbett gekauft, damit der Nachwuchs nicht immer aus dem Schlaf gerissen wurde. „Meine Schwiegereltern haben uns immer sehr unterstützt“, sagt Puchert und ist noch heute dankbar dafür. „Denn auf dem Markt ist es schon nicht so leicht“, erzählt die Marktbeschickerin. Im Sommer sei man bis zu 15 Stunden auf den Beinen. Ein Grund, warum die Wochenmärkte in den vergangenen Jahren geschrumpft sind. „Einige Kollegen haben aus Altersgründen aufgehört und keinen Nachfolger gehabt. Da wollen die Kinder nicht 15 oder 16 Stunden am Tag arbeiten“, erklärt Puchert. Zudem sei die Konkurrenz durch die Supermärkte im Verlauf der Jahrzehnte stark gewachsen, ergänzt sie.

 „Ich würde es aber immer wieder so machen“, erzählt die 77-Jährige beim Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte. Mit den Kunden zu reden oder Tipps zum Kochen weiter zu geben, gefällt Puchert. „In letzter Zeit fragen viele junge Leute, wie bestimmte Sachen gekocht werden. Da gebe ich dann meine Erfahrung weiter“, sagt sie. Besonders gut gelingen ihr Rouladen und Rotkohl. Am liebsten noch mit Schokopudding. Übung macht den Meister. Denn diese Kombination schmeckt nicht nur ihr besonders, sondern auch ihrem Sohn und ihrer Tochter. Deshalb kocht Puchert das Gericht demnächst wieder, wenn sie ihre Kinder zum Essen einlädt, um auf ihr 55-jähriges Marktjubiläum anzustoßen.

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Ein Artikel von
Florian Sötje
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