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Der King mit der schnellen Schere

Serie: Kieler Originale Der King mit der schnellen Schere

Rock’n’Roll und Retro: Jan Boecker bietet in seinem Friseursalon ein spezielles Lebensgefühl. In der Serie "Kieler Originale" stellen wir Ihnen heute King Barber vor.

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Barber King Jan Boecker: Mit seiner pomadeglänzenden Tolle und seinen XXL-Koteletten macht er diesem Titel schon äußerlich alle Ehre.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Ein Kaffee für den King? Die Verkäuferin beim Bäcker muss nicht lange nachdenken. King Barber trinkt seinen Cappuccino gerne mit etwas Kakao auf dem Milchschaumhäubchen. Bitte sehr und schönen Gruß auch. Von wem? „Er weiß schon Bescheid!"

Ja, man kenne sich auf der Ecke, bestätigt Jan Boecker wenig später, während er in seinem Friseursalon in der Wilhelminenstraße sitzt. Friseursalon ist eigentlich das falsche Wort. Nicht von ungefähr prangt der Schriftzug „King’s Barbershop“ auf der Fensterscheibe. Retro-Assoziationen aller Art sind erwünscht und werden durch das Vintage-Mobiliar ebenso gefördert wie durch die Gitarren und Porträts von Rock’n’Roll-Legenden an den Wänden. Natürlich ist auch der echte King dabei, dessen Stimme zudem regelmäßig aus dem Lautsprecher tönt. Und wenn Jan Boecker erzählen würde, dass Elvis in Wirklichkeit noch lebt und zu seinen Stammkunden zählt – für einen klitzekleinen Moment würde man ihm das glauben.

Tatsächlich aber ist er der King hier. Als er sich 2003 mit seinem ersten Laden in der Metzstraße selbstständig machte, setzte er sich regelmäßig mit der Gitarre ins Schaufenster und coverte lauthals Elvis-Songs. Irgendwann nannten ihn seine Kunden dann King Barber. Mit seiner pomadeglänzenden Tolle und seinen XXL-Koteletten macht er diesem Titel schon äußerlich alle Ehre. Und natürlich lässt sich jeder Rock’n’Roller in Kiel beim King die Haare machen, der seinen Kumpels schon zu Jugendzeiten die Locken frisierte, als er selbst seine Liebe für Jailhouse Rock und Co. entdeckte.

Man könnte meinen, von hierher bis zu Jan Boeckers Barbershop, den er seit vier Jahren in der Wihelminenstraße betreibt, führe eine Linie. Das tut sie auch, aber sie verläuft etwas krumm. Nach dem Realschulabschluss absolvierte der 42-Jährige zunächst eine Kaufmannslehre bei Karstadt in der Spielwarenabteilung, arbeitete dann als Versicherungsfachmann bei der Allianz und spielte kurz mit dem Gedanken, von der Musik zu leben, bevor er mit Mitte zwanzig seine Friseurlehre bei Klinck durchlief. Dort hatte er das Glück, einen Altgesellen kennenzulernen, der auf das Männerfach spezialisiert war und ihn unter seine Fittiche nahm. „Er hat mich jeden Tag am Türpfosten üben lassen, wie man die Schere führt“, erinnert sich Boecker, dem nach der Lehre rasch klar war, dass er seinen eigenen Laden eröffnen wollte.

Obwohl dieser heute unübersehbar Stil hat und seine Spezialisierung auf die Frisurenmode der Fünfziger- und Sechzigerjahre ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, fragt man sich doch, ob eigentlich genug Rock’n’Roller in der Stadt leben, um ein solches Geschäft am Laufen zu halten. „In Kiel und Umgebung gibt es vielleicht drei, vier Handvoll Jungs, denen es wirklich ernst ist“, konstatiert der King und betont selbstbewusst, dass seine Anhänger aus ganz Deutschland und sogar Europa zu ihm reisen würden. Aber natürlich zählt auch der Hipster von nebenan zu seinen Kunden, für den der Besuch des Barbershops nicht zuletzt ein Stück Lifestyle bedeutet.

Die reine Schneidezeit ist dabei knapp bemessen, denn Jan Boecker ist nicht nur der einzige, sondern auch der schnellste Rock’n’Roll-Friseur der Stadt. „Die Qualität steht bei mir an erster Stelle, aber ich schneide wirklich in einem hohen Tempo. Ein guter und sauberer Herrenhaarschnitt dauert bei mir fünf bis sieben Minuten“, sagt er und ergänzt bedeutungsvoll: „Die Zeit nehme ich mir für meine Kunden.“ Das Gros lässt ihm dabei freie Hand.
 

Von Oliver Stenzel

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