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Michael Kmoch bietet Träumen eine Bühne

Serie Kieler Originale Michael Kmoch bietet Träumen eine Bühne

Michael Kmoch entführt Menschen in die 1950er/60er-Jahre – und genießt mit Wohnmobilfans beste Aussichten. Wir stellen Ihnen das Kieler Original vor.

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Michael Kmoch in dem alten Kaufmannsladen aus den 1960er-Jahren, der Teil der Ausstellung ist. Kmoch hat es sich zum Lebensmotto gemacht, Menschen Dinge nahe zu bringen, von denen er begeistert ist.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Zeitreisen in die eigene Kindheit sind für jeden Erwachsenen eine emotionale Erinnerungstour. Michael Kmoch (63) hat zusammen mit seinem Team im Kieler Stadtteil Wik 1600 Quadratmeter in einer Halle den Jahren von 1948 bis 1963 so liebevoll gewidmet, um auch andere auf die Reise mitzunehmen. Dabei ist Kmoch von zu Hause aus kein gelernter Ausstellungsleiter, sondern einer, der als Produzent so manche Kinderoper auf die Beine gestellt hat, aber auch an der Kanal-Schleuse einen Campingmobil-Platz direkt neben der Ausstellungshalle betreibt.

Gespendete oder geliehene Exponate

Wer in die hohen Räume eintritt, fühlt sich sofort in die Vergangenheit versetzt: Von einer Zeitschrift im Ständer lächelt eine noch sehr junge britische Prinzessin Margarethe, ein Kaufmannsladen hält Produkte wie Vim, Waschmittel wie Persil, Sunil und Rotbart-Rasierklingen, ein recht teurer Männertraum im Jahr 1958, bereit. Und ein Blechwerbe-Schild verkündet den schnellen „Weg zum Hausfrauenglück“, während Tafeln an der Wand über den schwierigen Weg zu mehr Frauenrechten informieren. Nicht weit davon steht neben einer Zapfsäule ein blassblaues Goggomobil T 250, auf dessen Dach alte Skier und ein Schlitten festgezurrt sind. Als Kulisse für die meist gespendeten oder geliehenen Exponate dienen in 15 Szenen Fotos des bekannten Chronisten und Photographen der Bonner Republik Josef Heinrich Darchinger im Großbildformat

Dem hoch gewachsenen Mann geht sichtlich das Herz auf, wenn er vorbei an Tonbandgeräten, Plattenspieler und Schmalfilmkameras geht oder fast zärtlich über eine Schallplattenbar streicht, einen Frisörsalon mit Trockenhauben und ein Wohnzimmer mit Nierentischen, bunten Tütenlampen und Cocktailsesseln zeigt. Was fasziniert den gebürtigen Bonner an der auch von Nippes geprägten Alltagskultur der 50er Jahre in Deutschland, zumal er als Sohn eines Agrarforschers Teile der eigenen Kindheit und Jugend in Burkina Faso, damals Obervolta, und in den USA verbrachte? „Ohne die Tatkraft dieser Aufbaugeneration würden wir nicht da stehen, wo wir heute sind.“ Diese Jahre seien eine spannende Zeit gewesen, geprägt von den existenziellen Problemen der Nachkriegszeit und gekennzeichnet durch die Aufbruchstimmung“, beschreibt Kmoch, wobei er sprichwörtlich den Hut vor der Gründergeneration zieht. „Die Menschen wussten nicht mehr weiter, hatten gravierende Probleme und haben dennoch die Ärmel hochgekrempelt.“

"Gelingt nicht immer, aber sehr häufig"

Kreativität, Improvisationstalent und Optimismus sind Eigenschaften, über die auch Kmoch verfügen muss. Denn er hat es sich zum Lebensmotto gemacht, Menschen Dinge nahe zu bringen, von denen er begeistert ist, auch wenn diese anfangs selbst nicht so viel davon halten. Das gelinge zwar nicht immer, meint er lächelnd, aber sehr häufig. Zum Beispiel Kultur.

Durch Zufall kam Kmoch über einen Fahrer-Job in die Musik-Branche, lernte als Auszubildender Stars wie Ray Charles, Ella Fitzgerald und Miles Davis kennen und wurde in den 80er Jahren exklusiver Vertreter der Warschauer Oper und des Nationaltheaters Prag. Nach der Wende spezialisierte er sich auf populäre klassische Oper-, Musical- und Konzertproduktionen, pendelte viel im eigenen Wohnmobil zwischen Kiel und Berlin hin und her. 2003 führte die Begeisterung für Natur und eigene Erfahrung zur Gründung des Wohnmobilstellplatzes „Förde- und Kanalblick“. Hier gibt es neben Kuchen und Würstchen vor allem eins: Fördeblick und dicke Pötte satt.

2011 gründete er nicht nur unter Leitung seiner Frau Melinda Thompson die Kieler Initiative „Kids for Classic Theater“. Er eröffnete auch die Aussichtsterrasse auf dem Campingmobil-Platz mit einem Imbiss, der sich zum Treff im Stadtteil entwickelt hat. Warum, liegt für Kmoch auf der Hand: „Hier muss keiner dem anderen imponieren.“ Es sei ein Ort zum Schauen, Unterhalten und Entspannen für ein breites Publikum, meist über 50. Die Terrasse mit dem Blick auf den Kanal vergleicht er mit dem Zuschauerraum eines Theaters. „Mit der Sonne ganztägig im Rücken blicken wir auf eine fantastisch ausgeleuchtete Bühne – die offene Förde mit den vielen Schiffen und das gegenüberliegende Holtenau“. Es sind diese Glücksmomente im Alltag, die ihn dankbar machen, in der Wik leben zu können, dort wo Geschichte geschrieben wurde. „Hier ist die Republik entstanden. Von der Wik aus zündete der Funke der Revolution 1918“, sagt er und schaut versonnen über die Förde. Vom Wiederaufbau zum Wirtschaftswunder: Eine Zeitreise durch die 50er Jahre, Halle auf der Nordmole, Mecklenburger Straße 58. Eintritt sechs Euro (ermäßigt fünf Euro)

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