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Mit Leib und Seele ein Seenotretter

Serie Kieler Originale Mit Leib und Seele ein Seenotretter

Als Heinz Herrmann erfuhr, wann er in den Vorruhestand gehen würde, beschloss er, sich nach der Berufstätigkeit einer gemeinnützigen Sache zu widmen. Der ehrenamtliche Einsatz bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) war genau das Richtige für ihn.

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An Bord des bis zu 18 Knoten schnellen Seenotrettungsbootes „Walter Rose“ (Reichweite bei 17 Knoten: zirka 240 Seemeilen) kennt sich Seenotretter und Schiffsführer Heinz Herrmann bestens aus.

Quelle: Ingrid Haese

Schilksee. Seit 2002 gehört der Schulenseer als Seenotretter und viel geschätzter „Smutje“ zur Mannschaft in Schilksee. In der Kieler DGzRS-Station im Olympiahafen im Gebäude Soling 5 ist die Wachdienstcrew planmäßig mittwochs, an Wochenenden sowie an Feiertagen vor Ort. Zum Team gehören 23 Seenotretter. Übergeordnete Einsatzleitung ist die rund um die Uhr besetzte DGzRS-Seenotleitstelle in Bremen. „Die 1865 in Kiel gegründete DGzRS hat 54 Stationen an den deutschen Küsten von Borkum bis Ueckermünde, von dort aus erledigen wir unseren hoheitlichen Auftrag Seenotrettung, unabhängig, selbstständig und nur mit Spenden finanziert“, fasst Vormann Detlev Sass beim Ortstermin in Schilksee zusammen. Seine Crew betreut überwiegend das Revier von der westlichen Kieler Förde bis hin zur Eckernförder Bucht. Allein in den vergangenen zwölf Monaten waren die Notfallhelfer mit ihrem Seenotrettungsboot „Walter Rose“ 189 Mal unterwegs, machten mit den verschiedenen Schiffsbesatzungen Kontroll- und Übungsfahrten, leisteten 90 Menschen Hilfe. „Für uns Seenotretter ist insbesondere auch die 32,5-Zentimeter-Bootsklasse wichtig, weil sie Geld für unsere Arbeit einbringt“, wirft Heinz Herrmann mit einem Augenzwinkern ein und spielt auf die beiden Spendenschiffchen an, die im Mannschaftsraum der Schilkseer Station festgekettet sind. Im vergangenen Jahr nahm die DGzRS über ihre 14000 Sammelboxen 932588,77 Euro ein. Heinz Herrmann freut das besonders, denn er ist „mit Leib und Seele“ Seenotretter, investiert gern einen Großteil seiner Freizeit. „Für mich stand gleich fest, wenn ich zur DGzRS gehe, mache ich das hundertprozentig“, sagt der 67-Jährige.

Dort lernt man alles, was man braucht

Die Ausbildung zum Seenotretter begann für den früheren Angestellten der Stadtwerke Kiel und begeisterten Motorradfahrer in Schilksee im Kreis der erfahrenen Einsatzkräfte. Heinz Herrmann, den seine Kollegen nur „Heinzi“ rufen, nahm zudem an zahlreichen Lehrgängen in der DGzRS-Ausbildungsstation in Neustadt teil. Er wurde dort in allen vorgeschriebenen Standards geschult, besuchte unter anderem Grundlagen-, Sicherheits- oder Brandschutzkurse, trainierte in praktischen Übungseinheiten für die unterschiedlichsten Einsatzszenarien. „Alles, was man braucht, lernt man dort, es ging zum Beispiel um Notfallmedizin, technische Navigation, Leckabwehr, Feuerbekämpfung im Schiff, Pumpmanöver, Suchfahrten im Verband oder das Übernehmen von Verletzten von anderen Schiffen“, zählt der Seenotretter einige Ausbildungsinhalte auf. Bei wie vielen Fahrten mit dem Seenotrettungsboot er inzwischen dabei war, hat Heinz Herrmann nicht festgehalten. Eines aber weiß er ganz genau: Auf seine Kollegen an Bord ist Verlass. „Wir sind ein eingespieltes Team, da kommt keine Hektik auf, jeder passt auf den anderen auf“, ist seine Erfahrung.

Alarmiert werden die Seenotretter beispielsweise, wenn sich ein Boot im Fischernetz verfangen hat, wenn Schiffe Leck geschlagen sind oder festsitzen, wenn Menschen in Gefahr sind,Verletzte und Kranke versorgt werden müssen. „Es passieren ganz unterschiedliche Dinge, so wurden wir mal zu einem Angelkutter gerufen, dort hatte ein Mann einen Dorschhaken im Kopf, passiert war das beim Angelauswerfen“, berichtet Heinz Herrmann, der nicht nur überzeugter Seenotretter ist, sondern auch gern kocht. Und seine Kollegen schätzen seine in der Pantry der Station zubereitete Hausmannskost ebenso wie er selbst. Heinz Herrmann: „Die Gemeinschaft ist uns wichtig, wenn wir bei einem anständigen Mittagessen, das allen schmeckt, zusammensitzen, kann man nochmal über Einsätze sprechen, die einen beschäftigen, oder auch mal was Privates loswerden.“

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