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Seine Pläne schmiedet er gerne in der Kneipe

Serie: Kieler Originale Seine Pläne schmiedet er gerne in der Kneipe

Für ihn ist die Kneipe oder das Restaurant nicht nur ein „wunderbarer Ort der Kommunikation und um Menschen kennenzulernen“, sondern auch seine persönliche Ideenschmiede. Wen verwundert es da, dass German Benks berufliche Heimat unter anderem die Gastro-Szene ist und er zu den Kieler Urgesteinen gehört.

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German Benk im Hafen: Aus gesundheitlichen Gründen will der 53-jährige Vater zweier Söhne künftig kürzer treten.

Quelle: Petra Krause

Kiel. „Früher habe ich jeden Abend irgendwo in einer Kneipe gesessen, es kamen immer Leute vorbei, man hat sich unterhalten und Pläne geschmiedet“, sagt der 53-Jährige.

 Pläne hat der gebürtige Holtenauer in seinem Leben viele geschmiedet und auch umgesetzt. Obwohl er im Alter von 16 Jahren böse ausgebremst wurde. In seiner Jugend trieb er sich viel mit den Nachbarkindern herum, betrieb einen Piratensender auf UKW 98 mit Musik und Nachrichten. „Zum Glück wurden wir nicht entdeckt.“ Er spielte leidenschaftlich Fußball, Handball, Tennis, Wasserball und Badminton und war Schulsprecher am Gymnasium in Altenholz. Als die Eltern ein Haus bauten, stellte er im Garten die Olympiade nach, veranstaltete in den diversen Gruben Hoch- und Weitsprung. In der Gartenlaube, die einem Schiff nachempfunden war, veranstaltete er „wilde Partys“. Man könnte sagen: Er hatte reichlich Flausen im Kopf. Doch nach einer ausgedehnten Radtour in Norwegen, kam die „Vollbremsung“.

 „Ich habe zwei Monate im Krankenhaus verbracht, weil ich diverse Gelenke nicht mehr bewegen konnte. Die haben mich komplett stillgelegt, weil sie nicht wussten, was es war.“ Von einem Tag auf den anderen musste er sein Leben komplett umstellen. „Meine Freunde haben mich super aufgefangen. Manchmal saßen 20 Leute im Krankenhaus um mein Bett herum“, erinnert er sich. Nachdem er zig Medikamente ausprobiert hatte, konnte er irgendwann wieder laufen.

 Erst ein Jahr später in einer Rheumaklinik in Bad Kreuznach fand man den Grund: Morbus Bechterew, eine schmerzhafte, chronisch verlaufende entzündlich-rheumatische Erkrankung, die für Versteifung sorgt und zu einer gebeugten Haltung führt. „Einen Tag nach der Diagnose holte mich mein Kumpel Bernhard ab. Wir verschwanden über den Notausstieg zu einer Friedensdemo nach Bonn.“ Auch wenn die Krankheit ihm Einschränkungen auferlegte, sein Leben bestimmen lassen wollte er sie nicht. Nach sechs Wochen Bad Kreuznach kam er relativ fit wieder zurück, hatte aber keinen Bock mehr auf Schule. Schon mit 14 Jahren räumte er bei Jörn Clahsen in der „Villa Hoheneck“ Gläser ab, später half er im „Einstein“. Das „Far-Out“ und das „Quadrat“ waren weitere Stationen. Umso mehr verwundert es, dass er eine Lehre zum Versicherungskaufmann absolvierte. „Ich besaß nur eine Stoffhose, ein Sakko und ein Hemd und habe das nur wegen des Kaufmanns gemacht. Ich wollte immer selbstständig sein.“

Bewegte Gastrojahre

 1983, mit 19 Jahren, schloss er sich noch während der Ausbildung der Bhagwan-Bewegung an und lebte mit etwa 20 Sannyasins in einem Ashram, einer Vier-Zimmer-Wohnung. „Meine Eltern wären fast durchgedreht“, erinnert er sich. Zumal er auch schon mal im orange-roten Outfit im Dienst auftauchte. Schließlich lernte er im „Far-Out“ seine erste Frau kennen, zog nach der Hochzeit in eine eigene Wohnung und begann andere Wege einzuschlagen, aber „im Inneren verliert man die Lebenseinstellung nie“.

 Neben den bewegten Gastrojahren – 2005 eröffnete er unter anderem „Haris Eisbar“ und 2011 das „Blé Noir“ – waren seine Agenturjahre nicht weniger aufregend. Denn seit 1988 betreibt er bis heute die Werbeagentur Hari-i-Punkt. Von einer Reise aus Norwegen brachte er die Take-a-Card-Idee mit. Die kostenlosen Postkarten mit Werbung drauf gibt es heute noch in der Stadt. Bis 2006 begleitete er unter anderem mit seiner Agentur RSH und Radio Nora, er machte ein Projekt mit Philipp Lahm für Kinder in Südafrika, Promotions für den Lebensmittelhandel, Weinetiketten, und er war Berater für den deutschen Golfverband – die Liste ließe sich fortsetzen. „Werbung ist meine große Leidenschaft.“

 Mit Segler Heiko Kröger, dem Paralympics-Sieger 2000 von Sydney in der 2.4mR-Klasse, verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Er unterstützte den 50-Jährigen lange, finanzierte den Umstieg vom Laser auf die 2.4mR-Klasse, kaufte ihm das erste Boot und entwickelte mit ihm die Kampagne Sailability und besorgte ihm Sponsoren. „Ich konnte dabei ja immer aus einem großen Portfolio an Firmen schöpfen, die ich mit der Werbeagentur betreut habe.“

 Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen im Alter von 20 und 18 Jahren, der sich selbst als „experimentierfreudig“ bezeichnet, möchte eigentlich wegen der Gesundheit ein wenig kürzer treten. „Aber ich habe auch noch so viele Ideen.“ Ende 2013 übernahm er deshalb auch die Gastronomie im Kanalpackhaus und machte daraus die gut florierende „Hafenwirtschaft“. 2015 verwandelte er die „Große Grüne Schützengilde“ in eine Eventlocation. „Ich werde mich nur noch mit Locations beschäftigen, die außergewöhnlich sind.“ Zumindest etwas will sich German Benk demnach zurücknehmen und hat gleichzeitig schon neue Flausen im Kopf, die er allerdings noch nicht verraten will.

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