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Walter Ehlert: Ein Chronist des Lebens

Serie Kieler Originale Walter Ehlert: Ein Chronist des Lebens

Walter Ehlert liebt Geschichten. Der 68-jährige Kieler, der im Kieler Stadtteil Gaarden aufgewachsen und 32 Jahre lang gelebt hat, hört zu, erzählt selbst oder schreibt Erzählungen aus der Vergangenheit auf, damit sie niemand vergisst. So ist „Gaardener Geschichte(n) vom Handel und Wandel“ entstanden.

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Der ehemalige Großhandelskaufmann Walter Ehlert hat Spaß am Ausgraben von Geschichten. Er machte sich auf die Suche nach den Kaufleuten aus seiner früheren Heimat: So entstand sein Buch über die Kaufmannschaft in Kiel-Gaarden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Buch gibt die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte im Sommer heraus. Mittlerweile wohnt Ehlert allerdings in Mettenhof. Doch Geschichten rund um seine alte Heimat in der Iltisstraße begeistern ihn noch heute. Angefangen hat alles mit der Suche nach der eigenen Familienchronik. „Meine Vorfahren kamen Anfang des 20. Jahrhunderts aus Vorpommern hierher. Ich wollte wissen warum. So bin ich auf die früheren Gegebenheiten gestoßen: Wie haben sie damals gewohnt, was haben sie verdient, wo haben sie eingekauft und wie haben sie im ersten Weltkrieg gelebt“, erzählt der Chronist.

So sammelte Ehlert Information um Information über das damalige Leben auf dem Kieler Ostufer – von den Arbeiten auf der kaiserlichen Werft bis zum Weg des eigenen Onkels, Volksschauspieler Henry Vahl, ans Theater. „Ich kam vom Hundertsten ins Tausendste“, sagt er.

Erzählungen um das Geburtshaus

So entstand vor vier Jahren ein Heft voll mit Erzählungen rund um Ehlerts Geburtshaus in der Iltisstraße 49. Viele Bekannte reagierten begeistert. „Jedem, der es nicht sehen wollte, habe ich es ja gezeigt“, sagt Ehlert scherzhaft. Der ehemalige Großhandelskaufmann hatte Spaß am Ausbuddeln von Geschichten gefunden und machte weiter. Sein Konzept: Er wollte etwas über die damaligen Geschäfte und besonders die Menschen, die dahinter standen, aufschreiben. „Ich dachte damals: Das hat noch keiner gemacht. Und wenn es keiner tut, wird man das ganz gar vergessen“, erklärt der Alt-Gaardener.

Zunächst bemühte Ehlert seine eigenen Erinnerungen. „Vom Vinetaplatz bis zur Augustenstraße reihten sich die Fachgeschäfte aneinander. Ob Herrenausstatter, Juwelier oder Schlachter, es gab dort alles, was man brauchte“, erzählt Ehlert, der sich auch noch genau an den speziellen Geruch im Fischladen erinnern kann.

Danach begab er sich auf die Suche nach den Kaufleuten aus seiner früheren Heimat. Die Recherchen führten Ehlert von der Geltinger Bucht bis Pinneberg einmal quer durch Schleswig-Holstein. Die Erzählungen schrieb er auf dem hauseigenen Dachboden zusammen.

Chronik des Stadtteils entstanden

So ist sein Buch eine Chronik des Stadtteils der vergangenen Hundert Jahre und der Menschen am Kieler Ostufer geworden. Das Wort Wandel im Titel des Buches beschreibt neben der Pionierarbeit der ehemaligen Gaardener Kaufleute nach dem Zweiten Weltkrieg auch die sich verändernde Struktur des Einzelhandels bis hin zum aktuellen Bild Gaardens und seiner Bewohner. „Heute haben wir dort einen wunderschönen, bunten Stadtteil, der immer noch sehr lebendig ist. Es hat sich gewandelt, so wie alles auf der Welt weitergeht. Natürlich gibt es schlimme Häuser und Ecken, aber wenn man durch Gaarden spazieren geht, muss man eben auf das Schöne achten“, sagt Ehlert und meint zum Beispiel die Architektur historisch erhaltener Häuser.

Manche davon findet man auch auf den 24 Bildtafeln wieder, die Ehlert zusammengestellt hat und ab Montag, 18. April, anlässlich des Gaardener Kulturfrühlings in der Räucherei in der Preetzer Straße 35 ausstellt. Danach möchte er in Ruhe sein nächstes Projekt angehen: Ein Buch über die frühere Gaardener Arbeiterschaft.

„Im aktuellen Buch beschreibe ich das bürgerliche Viertel des Stadtteils. Ich komme selbst aber aus einem Arbeiterhaushalt. Deshalb möchte ich da nochmal ran“, sagt der 68-Jährige. Er liebt einfach Geschichten.

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