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Konflikt eines Ehepaars mit Stegner

Kieler Steuer-Deal: Gaschke und ihr Mann Bartels Konflikt eines Ehepaars mit Stegner

Die „Zeit“-Journalistin Susanne Gaschke und ihr Ehemann, der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels – das Paar ergänzte sich seit Jahren im Wechselspiel von Publizistik und Politik. Und stand dabei in ständigem Konflikt mit Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner.

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Sie mischte sich viele Jahre als Journalistin ins politische Tagesgeschehen ein, er als SPD-Bundestagsabgeordneter. Der Streit zwischen dem Paar Gaschke-Bartels und dem heutigen SPD-Landeschef Ralf Stegner schwelt schon seit langem.

Quelle: Paesler (Archivbild)

Kiel. Die Wurzeln des Konflikts zwischen Ralf Stegner und Hans-Peter Bartels reichen weit zurück. Stegners Karriere in Kiel begann als Pressesprecher von Sozialminister Günther Jansen. Dem wurde 1993 die „Schubladenaffäre“ zum Verhängnis, das Geldsammeln für Reiner Pfeiffer, der Schlüsselfigur der Barschel-Affäre. Stegner war mehr als ein loyaler Pressesprecher, er verehrte den langjährigen SPD-Landesvorsitzenden Jansen. Eine ähnliche Beziehung hatte Hans-Peter Bartels zu Norbert Gansel, lange Jahre Kieler SPD-Bundestagsabgeordneter. Gansel war Jansens interner Gegenspieler in der Schubladenaffäre, welche die SPD damals tief spaltete. Er bezweifelte Jansens Version, aus reinem Mitgefühl 40000 Mark in einer Schublade für den in Not geratenen Pfeiffer gesammelt zu haben und deutete Erpressung an. Als Gansel 1997 erster direkt gewählter Oberbürgermeister Kiels wurde, beerbte ihn Bartels als Abgeordneter. 1998 zog er erstmals in den Bundestag ein.

Der Kieler Abgeordnete gehört zu den Gründungsmitgliedern des pragmatischen SPD-„Netzwerks“. Er gab deren Sprachrohr „Berliner Republik“ mit heraus, ein Debatten-Magazin, in dem seine Ehefrau regelmäßig publizierte. Aus ihrer Nähe zur SPD hat die Redakteurin auch journalistisch kaum einen Hehl gemacht. So etwa, als sie nach der Niederlage 2005 der Presse eine Kampagne gegen Gerhard Schröder vorwarf. Im Jahr 2011, nach dem Mitgliederentscheid der SPD in Schleswig-Holstein, rechnete die heutige OB in der „Zeit“ unter dem Titel „Wacht auf, Verdammte! Ein trauriger Bericht aus dem Inneren einer vormals großen Partei“ süffisant mit der Landespartei und Stegners Führungsstil ab. Kostprobe: „Seit 2007 führt der Multifunktionsträger Ralf Stegner die Partei: nach innen in einem recht kompromisslosen ‚Wer nicht für mich ist, ist gegen mich‘-Stil, nach außen scharf und konfrontativ.“

Der Text beschrieb unter anderem aus der Flughöhe des Hamburger Intellektuellen-Wochenblatts das Kleinklein in der Partei und die tiefe Spaltung ins Stegner- und Albig-Lager. Am Parteichef schieden sich die Geister der Landes-SPD – Bartels galt als Exponent des parteiinternen „Widerstands“ und wie seine Frau als scharfer Gegner Stegners. Der wiederum rieb sich an der gefühlten intellektuellen Überheblichkeit des Paares. Beide setzten große Hoffnungen auf den Mitgliederentscheid der SPD vor der Landtagswahl 2012 – in der Erwartung, dass Spitzenkandidat Torsten Albig seinen Rivalen entmachtet. Doch der zog es vor, Stegner an seine Seite zu ziehen.

Immer wieder verließ die Journalistin Gaschke ihr Hauptthema Bildung. So erschien 2010 in der „Zeit“ eine „Inspektionsreise“ an die Fronten der Bundeswehr – „Armee der Unverstandenen“. Pikant dabei: Ihr Mann ist der stellvertretende verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Er forderte als einer der ersten Oppositionspolitiker den Rücktritt von Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) wegen der Drohnen-Affäre. Der Kieler Sozialdemokrat weiß also, dass im politischen Geschäft nicht selten harte Bandagen angelegt werden.

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Ein Artikel von
Frank Lindscheid
Nachrichten- Redaktion

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