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„Ich kann die Angriffe nicht länger ertragen“

Kieler Steuer-Deal „Ich kann die Angriffe nicht länger ertragen“

Auszüge aus Susanne Gaschkes Rücktrittserklärung:

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Susanne Gaschke erklärt ihren Rücktritt.

Quelle: pae

Kiel.  „Sie können sich vorstellen, dass keine leichte Zeit hinter mir liegt. Eine Verwaltungsentscheidung, die meine Unterschrift trägt, hat sich in einer Weise zum Gegenstand politischer, persönlicher und medialer Skandalisierung ausgewachsen, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Ich weise an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass es hier nicht um 21 tote Menschen wie bei der Duisburger Loveparade geht – obwohl unsere örtliche Monopolzeitung infamer Weise beide Ereignisse in einen Zusammenhang gestellt hat.* (. . .)

 Der Stadtpräsident hat (. . .) am 19. September von einer „Hetzjagd“ gesprochen. Ich glaube, viele Bürgerinnen und Bürger (. . .) haben das genauso empfunden und sind ebenso fassungslos wie ich. Bei ihnen allen, (. . .) die mich gewählt und auch bei denen, die mir später ihr Vertrauen geschenkt haben, möchte ich mich bedanken und sie zugleich um Verständnis bitten: Ich kann die politischen, persönlichen und medialen Angriffe, denen ich seit mehr als neun Wochen ausgesetzt bin, nicht länger ertragen. Und ich kann nicht länger zulassen, dass meine Familie und meine Freunde sie mit mir ertragen müssen. Deswegen trete ich heute von meinem Amt (. . .) zurück. (. . .) Wenn ich heute durch die Stadt gehe, dann begegnet mir kein Hass. Es gibt Fragen und auch Kritik; vor allem aber begegnet mir ganz viel Zuwendung. Auch Sorge und Mitgefühl: Wildfremde Menschen schreiben mir Briefe, schicken mir Blumen nach Hause, nehmen mich einfach in den Arm. Hass begegnet mir nur in manchen Äußerungen der Parteipolitik dieses Rathauses. Hass begegnet mir im Verhalten von manchen Funktionären der Landesregierung. Hass begegnet mir – und dies, sehr geehrter Herr Kramer, ist eine Meinungsäußerung –, wenn ich die KN aufschlage. Lesen Sie selbst noch einmal Ihre Kommentare in den letzten Wochen! (. . .)

 Meine Damen und Herren, in meiner Rede (. . .) am 22. August habe ich gesagt, ich wolle das zerstörerische Spiel, das dort begonnen wurde, nicht spielen. Es ist noch um einiges zerstörerischer geworden, als ich es mir je hätte träumen lassen. Ich war in dieser Rede den Tränen nah. Und ich finde, ich hatte Grund dazu. Die testosterongesteuerten Politik- und Medientypen, die unseren Politikbetrieb prägen und deuten, fanden, das sei weich. Ich finde es nicht weich, Gefühle zu zeigen. Ich finde es weich, jahrelang nichts zu entscheiden. Ich finde es weich, jede Diskussion, jedes Streitgespräch mit einem faulen Kompromiss zu verlassen, den dann andere bitte irgendwie ins Werk setzen mögen. Ich finde es weich, niemals Prioritäten zu setzen. Ich finde es weich, stets nach allen auftretenden Konflikten mit Geld zu werfen, das diese Stadt wirklich nicht hat. Ich finde es weich, bei Problemen zur Entlastung auf die Mitarbeiter zu zeigen, wie es mir in einer sehr wohlmeinenden SMS eines sehr wohlmeinenden Parteifreundes geraten wurde. (. . .)

 *Am 24.10. warnte KN-Chefredakteur Klaus Kramer in einem Kommentar vor einem langen Abwahl-Verfahren wie im Falle des Duisburger OB Sauerland.

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