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Das Firmengeflecht der Uthoffs

Kieler Steuer-Deal Das Firmengeflecht der Uthoffs

Der Steuernachlass für den Kieler Augenarzt Detlef Uthoff wirft zahlreiche Fragen auf. Einigen geht nun das Innenministerium nach. Es geht dabei vor allem darum, ob Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) rechtmäßig gehandelt hat. Doch nicht nur Kieler Ratsmitglieder fragen sich auch, wie es um die Finanzen des Mediziners und Unternehmers steht. War er tatsächlich von Insolvenz bedroht? Und welchen Zweck haben die diversen Unternehmen, die ihm oder Familienmitgliedern gehören?

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Der Fall zieht Kreise. Inzwischen berichten auch überregionale Zeitungen wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ oder die „Welt“ über das „Steuergeschenk“ für den Kieler Augenarzt Detlef Uthoff. Die „Zeit“, bei der Susanne Gaschke 15 Jahre als Journalistin arbeitete, hat die Geschichte bisher nicht aufgegriffen.

Quelle: pae

Kiel. Da geht es zum Beispiel um die DSU Forderungsverwaltungsgesellschaft in Kiel, die laut Informationen des NDR Bankschulden von Detlef Uthoff übernommen haben soll. Gegründet wurde sie am 21. Dezember 2012 von Uthoffs Ehefrau, die die Mehrheit der Anteile hielt, sowie seinem Düsseldorfer Anwalt und einer als Vermögensberaterin tätigen Bankkauffrau aus Osdorf. Uthoff habe damit Schulden vor allem bei seiner Ehefrau, so der NDR. Aber: Die DSU wechselte laut Auszug aus dem Handelsregister schon nach wenigen Tagen den Eigentümer. Detlef Uthoff selbst übernahm am 4. Januar 2013 alle Anteile der Gesellschaft. Firmensitz der DSU ist die Privatadresse des Mediziners in Kiel-Düsternbrook.

 Andere Uthoff-Firmen haben ihren Sitz im beschaulichen Osdorf. Dort, in einem geklinkerten Einfamilienhaus, betreibt die erwähnte Bankkauffrau ihre Vermögensberatung, genau unter der Adresse, unter der auch die Bellevue Pandam GmbH und die Bellevue Pandam VV GmbH zu finden sind. Beide gegründet 2009. Die Unternehmen sind eng miteinander verflochten. Die Bellevue Pandam GmbH gibt als Firmenzweck „Erwerb, Vermietung, Verpachtung und Veräußerung eigenen Immobilienvermögens“ an; die Bellevue Pandam VV GmbH „das Halten und Verwalten eigenen Vermögens und den Erwerb von Vermögen“. Die Namen sind leicht herzuleiten: Detlef Uthoffs Augenklinik heißt Bellevue; Pandam ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen seiner fünf Kinder und seiner Ehefrau. Diese sechs – und nicht Detlef Uthoff selbst – halten alle Anteile an den beiden Firmen. In ihrem letzten veröffentlichten Jahresabschluss, dem für 2011, weist die Bellevue Pandam GmbH bei einer Bilanzsumme von 12,2 Millionen Euro ein Anlagevermögen von 11,7 Millionen Euro aus, dem stehen Verbindlichkeiten in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro gegenüber. Geschäftsführer dieser operativ tätigen Gesellschaft ist einer der Söhne des Augenarztes. Die Bellevue Pandam VV GmbH wird von Uthoffs Ehefrau geführt. Über diese Gesellschaft hält die Familie die Anteile an der Bellevue Pandam GmbH.

 Auch die Nordblick Verwaltungsgesellschaft hat ihren Sitz in Osdorf. Sie ist die Obergesellschaft der Nordblick GmbH und der Nordblick IT Service GmbH, beide Kiel, die „Dienstleistungen aller Art für niedergelassene Ärzte, Kliniken und sonstige an der medizinischen Versorgung Beteiligter“ anbieten. Auch hier halten die Kinder und die Ehefrau die Anteile. Unter Nordblick firmiert auch ein Verbund von Augenarztpraxen in Kiel, Kronshagen, Kropp, Meldorf und Flensburg, die mit der Klinik Bellevue kooperieren. Einer der Ärzte der Nordblick-Praxis in der Kieler Raiffeisenstraße (gegenüber vom Atlantic-Hotel/Hauptbahnhof) ist Detlef Uthoff. Der Versuch, in Hamburg ein Augenlaserzentrum in bester Lage aufzubauen (Große Bleichen), scheiterte. Das Zentrum fuhr hohe Verluste ein, für die Uthoff geradestand, und existiert nicht mehr.

 Als Stifter hat Uthoff sich ebenfalls einen Namen gemacht. Die 2008 gegründete Professor Dr. Detlef Uthoff Stiftung, die sich der Förderung der Medizin mit Schwerpunkt Augenheilkunde verschrieben hat, weist auf ihrer Internetseite allerdings noch keine konkreten Projekte auf. Bei der Förderstiftung des UKSH, die namhafte und wohlhabende Persönlichkeiten sowie Unternehmen im Mai ins Leben gerufen haben und die Wissenschaft und Forschung am Uniklinikum fördern will, gehört Uthoff zu den Gründungsstiftern.

 Fragen zu seinen Firmen will er nicht beantworten. Über die Düsseldorfer Agentur Steinkühler lässt Uthoff mitteilen, dass die „teilweise komplexe steuerliche Abwicklung des Falls eine Angelegenheit ist, die allein zwischen den zuständigen Finanzbehörden und unserem Mandanten zu erfolgen hat“. Eine Beantwortung der Fragen zu den Unternehmen „würde in den Kern der privaten steuerlichen Verhältnisse von Herrn Prof. Dr. Uthoff eindringen“. Dieser Bereich sei gesetzlich geschützt.

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