Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kirche im Wandel Die Kirche entdeckt die Familie neu
Kirche im Wandel Die Kirche entdeckt die Familie neu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:30 11.03.2016
Von Gerhard Müller
Vielen Kindern fehlt zu Hause ein Zugang zur christlichen Tradition. Quelle: Waltraut Grubitzsch/dpa
Neumünster

Die Suche nach plausiblen Antworten ergab die Gegenfrage „Welche Familie braucht Kirche?“ und einen Lösungsansatz : Wollen die 54 Altholstein-Gemeinden von Kiel bis Kaltenkirchen familienfreundlicher werden, so geht das offenbar am besten über die Zielgruppe Kinder.

Michael Domsgen gab den Teilnehmern ein paar Denkanstöße mit in die zehn Workshops mit Titeln wie „Familien unter Druck: Beruf, Familie und Erwartungen“ oder „Armut macht einsam – in der Kirche auch?“. Der Theologie-Professor aus Halle an der Saale, selbst Vater von fünf Kindern, ist der Auffassung, dass Familien gegen eine Gesellschaft kämpften, die strukturell rücksichtslos sei: „Die Anforderungen des Arbeitsmarktes sind auf den Einzelnen bezogen, nicht auf die Familie.“ Und er folgert daraus: „Wir befinden uns in einer Zeit gravierender Umwälzungen, das gilt auch für Familien. Diese sehen sich mit Aufgaben konfrontiert, die sie häufig belasten.“

An dieser Stelle kann oder sollte die Kirche ins Spiel kommen. Das Problem ist nur: Wie kommt sie an Familien heran? In Domsgens Heimat Halle gehören nur acht Prozent der Bürger einer Kirche an. Von dieser Quote sind die schleswig-holsteinischen Gemeinden zwar weit entfernt, dennoch stellt sich auch für sie die Zukunftsfrage. Hannelore Struck von der Kieler Friedensgemeinde sagt: „Kirche muss sich verändern, wegen der Anzahl der Austritte und der Überalterung.“ Ihre Kollegin Gisela Koeppel-Plath sieht das nicht anders und erhielt als Mitglied des Workshops „Familie als Lernort des Glaubens“ den Denkanstoß, die Zukunft in Kindern zu sehen. „Wir haben allerdings keinen Gemeindekindergarten mehr.“ Was das bedeutet, formuliert Hannelore Struck so: „Es kommt nichts mehr nach.“

Für solche Fälle von Nachwuchssorgen gibt es Wege, die aus der Sackgasse führen können. So berichtete Margarete Rathje, Pädagogin der Gemeinde Schmalfeld, dass sie kommunalen Kindergärten das Angebot gemacht habe, den Nachwuchs im biblischen Sinne zu betreuen. Ihre Erkenntnis lautet: „Kinder kommen nach Hause und geben Eltern Impulse.“ In Henstedt-Ulzburg bietet ein Diakon an einer Schule christliche Arbeitsgemeinschaften an, mit der Folge, dass es eine hohe Anzahl von Taufen gebe. In Westensee wird der Kontakt zu Familien über Spenden aus der gemeindlichen Kleiderstube hergestellt, und in Neumünster-Einfeld kümmert sich die Initiative Eika (Einfeld für Kinder aktiv) mit Hilfe von Spenden um Familien in finanziellen Notlagen oder mit Erziehungsproblemen. „Entstanden ist diese Gruppierung aus Ehrenamtlichen unserer Gemeinde, um etwas gegen die Armut in Einfeld zu tun“, erklärte Reinhild Speck.

Stefan Block, Propst aus Neumünster, bezeichnet die Kontaktpflege von Kirchen zu Familien als mühsamen Prozess, da die Interessen so unterschiedlich seien: „Es gibt keine Angebote für Familien. Es gibt Angebote für Kinder und Teenager oder für Alleinerziehende, aber bei großen Jungs oder Männern wird’s schon schwer.“ Dies gelte besonders in sozial schwachen Gebieten, was Michael Domsgen nur bestätigen kann: „Armut ist ein Hemmnis.“ Zudem werde in Familien immer weniger gebetet. Deshalb empfiehlt er praxisorientierte Arbeit: „Wer Kindern beispielsweise bei der Hausaufgabenbetreuung hilft, hilft auch Familien.“

Beten Sie mit Ihren Kindern? Falls ja, wie häufig, falls nein, warum nicht? Schreiben Sie dazu Ihre Meinung an gmue.red@kieler-nachrichten.de und stimmen Sie ab auf kn-online.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Geschichtsforschung ist Männersache. Das behauptet jedenfalls Kerstin Klein. „Männer scheinen sich einfach mehr für Geschichte zu interessieren, auch Familienforschung wird eher von ihnen betrieben“, sagt die Projektleiterin der Wanderausstellung „Frauen schreiben Reformationsgeschichte“, die Dienstag im Landeshaus eröffnet wurde.

Gerhard Müller 03.02.2016

Am Anfang war das Wort. Das Wort Gottes, das heutzutage auch als Verantwortung füreinander und Verantwortung für die Welt gedeutet wird. Zum Abschluss der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen ergriff Gregor Mundus, Priester im Kloster Nütschau, das Wort in Kiel.

Gerhard Müller 25.01.2016

Die Anzahl der Besucher von Gottesdiensten ist gering, das Alter hoch. Oder ist das ein Vorurteil? Mit „Kirche im Wandel“ begeben wir uns in loser Folge auf Spurensuche. Ist Kirche nicht attraktiv genug? Mangelt es an Konzepten? Den Anfang macht die „Offene Kirche“ St. Nikolai in Kiel.

Gerhard Müller 18.01.2016