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Die Kirche entdeckt die Familie neu

Synode Die Kirche entdeckt die Familie neu

Wenn Thesen wie „Männer haben wenig Mut“ postuliert werden, befindet man sich womöglich in einer Frauengruppe. Oder bei der Synode des Kirchenkreises Altholstein. Diese beschäftigte sich am Mittwoch in Neumünster mit der Frage „Welche Kirche braucht Familie?“

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Vielen Kindern fehlt zu Hause ein Zugang zur christlichen Tradition.

Quelle: Waltraut Grubitzsch/dpa

Neumünster. Die Suche nach plausiblen Antworten ergab die Gegenfrage „Welche Familie braucht Kirche?“ und einen Lösungsansatz : Wollen die 54 Altholstein-Gemeinden von Kiel bis Kaltenkirchen familienfreundlicher werden, so geht das offenbar am besten über die Zielgruppe Kinder.

Michael Domsgen gab den Teilnehmern ein paar Denkanstöße mit in die zehn Workshops mit Titeln wie „Familien unter Druck: Beruf, Familie und Erwartungen“ oder „Armut macht einsam – in der Kirche auch?“. Der Theologie-Professor aus Halle an der Saale, selbst Vater von fünf Kindern, ist der Auffassung, dass Familien gegen eine Gesellschaft kämpften, die strukturell rücksichtslos sei: „Die Anforderungen des Arbeitsmarktes sind auf den Einzelnen bezogen, nicht auf die Familie.“ Und er folgert daraus: „Wir befinden uns in einer Zeit gravierender Umwälzungen, das gilt auch für Familien. Diese sehen sich mit Aufgaben konfrontiert, die sie häufig belasten.“

An dieser Stelle kann oder sollte die Kirche ins Spiel kommen. Das Problem ist nur: Wie kommt sie an Familien heran? In Domsgens Heimat Halle gehören nur acht Prozent der Bürger einer Kirche an. Von dieser Quote sind die schleswig-holsteinischen Gemeinden zwar weit entfernt, dennoch stellt sich auch für sie die Zukunftsfrage. Hannelore Struck von der Kieler Friedensgemeinde sagt: „Kirche muss sich verändern, wegen der Anzahl der Austritte und der Überalterung.“ Ihre Kollegin Gisela Koeppel-Plath sieht das nicht anders und erhielt als Mitglied des Workshops „Familie als Lernort des Glaubens“ den Denkanstoß, die Zukunft in Kindern zu sehen. „Wir haben allerdings keinen Gemeindekindergarten mehr.“ Was das bedeutet, formuliert Hannelore Struck so: „Es kommt nichts mehr nach.“

Für solche Fälle von Nachwuchssorgen gibt es Wege, die aus der Sackgasse führen können. So berichtete Margarete Rathje, Pädagogin der Gemeinde Schmalfeld, dass sie kommunalen Kindergärten das Angebot gemacht habe, den Nachwuchs im biblischen Sinne zu betreuen. Ihre Erkenntnis lautet: „Kinder kommen nach Hause und geben Eltern Impulse.“ In Henstedt-Ulzburg bietet ein Diakon an einer Schule christliche Arbeitsgemeinschaften an, mit der Folge, dass es eine hohe Anzahl von Taufen gebe. In Westensee wird der Kontakt zu Familien über Spenden aus der gemeindlichen Kleiderstube hergestellt, und in Neumünster-Einfeld kümmert sich die Initiative Eika (Einfeld für Kinder aktiv) mit Hilfe von Spenden um Familien in finanziellen Notlagen oder mit Erziehungsproblemen. „Entstanden ist diese Gruppierung aus Ehrenamtlichen unserer Gemeinde, um etwas gegen die Armut in Einfeld zu tun“, erklärte Reinhild Speck.

Stefan Block, Propst aus Neumünster, bezeichnet die Kontaktpflege von Kirchen zu Familien als mühsamen Prozess, da die Interessen so unterschiedlich seien: „Es gibt keine Angebote für Familien. Es gibt Angebote für Kinder und Teenager oder für Alleinerziehende, aber bei großen Jungs oder Männern wird’s schon schwer.“ Dies gelte besonders in sozial schwachen Gebieten, was Michael Domsgen nur bestätigen kann: „Armut ist ein Hemmnis.“ Zudem werde in Familien immer weniger gebetet. Deshalb empfiehlt er praxisorientierte Arbeit: „Wer Kindern beispielsweise bei der Hausaufgabenbetreuung hilft, hilft auch Familien.“

Beten Sie mit Ihren Kindern? Falls ja, wie häufig, falls nein, warum nicht? Schreiben Sie dazu Ihre Meinung an gmue.red@kieler-nachrichten.de und stimmen Sie ab auf kn-online.de

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Ein Artikel von
Gerhard Müller
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