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Starke Frauen schreiben Geschichte

Serie: Kirche im Wandel Starke Frauen schreiben Geschichte

Geschichtsforschung ist Männersache. Das behauptet jedenfalls Kerstin Klein. „Männer scheinen sich einfach mehr für Geschichte zu interessieren, auch Familienforschung wird eher von ihnen betrieben“, sagt die Projektleiterin der Wanderausstellung „Frauen schreiben Reformationsgeschichte“, die Dienstag im Landeshaus eröffnet wurde.

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Susanne Sengstock (links), stellvertretende Leiterin des Frauenwerks in der Nordkirche, und Ute Nehls-Escher, Mitarbeiterin des evangelischen Kurzentrums für Frauen und Kinder in Büsum, beim Bummel durch die Ausstellung im Landeshaus.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Als Gäste dabei waren unter anderem Landtagspräsident Klaus Schlie und Bischof Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein.

Doch nicht nur im historischen Metier dominieren Männer. Bei der Reformation war das nicht anders. „Das ist ein sehr männerlastiges Thema und nicht zuletzt fixiert auf die Person von Martin Luther“, sagt Kerstin Klein. Ein Grund für das Frauenwerk der Nordkirche, die Suche nach beteiligten Damen zu starten. Im Sommer 2014 begann das Stöbern in Archiven und Bibliotheken der Kirchenkreise, überwiegend, aber nicht nur vom weiblichen Geschlecht. Recherchiert wurden 60 Biografien, 19 aus fünf Jahrhunderten werden jetzt in der Ausstellung gezeigt, 20 weitere sind im Begleitband nachzulesen. „Welche Frauen haben in 500 Jahren durch ihr Wirken Impulse gegeben, die Kirche und Gesellschaft veränderten“, beschreibt Kerstin Klein, die schon im Buddenbrookhaus in Lübeck Ausstellungen betreute, die Ausgangssituation.

 Fortan gingen rund 100 Freiwillige und Hobby-Historikerinnen an die Arbeit. Ausgewählt wurden schließlich 39 Biografien, in der Mehrzahl von Schleswig-Holsteinerinnen. Porträtiert werden Wibe Junge, die vor 500 Jahren in der „Bauernrepublik Dithmarschen“ Kopf und Kragen für die Idee der Reformation riskierte, Julia von Reventlow, die im späten 18. Jahrhundert auf Gut Emkendorf, damals im Norden ein Zentrum der Aufklärung, wirkte, oder Anna Sophie Paulsen. Sie war die erste promovierte Theologin der Christian-Albrechts-Universität. Nachzulesen ist auch die Geschichte der gebürtigen Rendsburgerin Anne Asmussen, die von 1899 bis 1916 einzige Frau unter Missionaren in Indien war. Entdeckt wurden Informationen über ihre Tätigkeit im Missionsarchiv in Breklum bei Husum. Dort lagern die Tagebücher der durchaus streitbaren und emanzipierten Missionarin, die Konflikte mit ihrer – männlichen – Missionsführung nicht gescheut hat. „Möglicherweise schlummern noch vielmehr solcher Nachlässe in irgendwelchen Archiven. Das ist ein Schatz, den es zu heben gilt“, sagt Kerstin Klein. Die 33 Jahre alte Diplom-Kulturwirtin glaubt auch zu wissen, warum: „Männer haben meistens über Männer historische Werke verfasst und weniger über Frauen.“

 Deshalb soll nun mit dieser Wanderausstellung, die bis 20. Februar im Landtag besichtigt werden kann und danach in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg gezeigt wird, der Fokus auf Frauen gerichtet werden, die Geschichte schrieben. Das findet Klaus Schlie sehr gut. „Diese Ausstellung zeigt, wie sehr sich auch Frauen engagiert und eingesetzt haben“, erklärte der Landtagspräsident vor rund 500 Besuchern im voll besetzten Plenarsaal.

 Die Erfolge dieses Engagements wirken in der evangelischen Kirche nach. Bischof Magaard erinnerte daran, dass Frauen sich nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Positionen in den Pfarrämtern gegen das kirchliche Establishment erkämpfen mussten. Am kommenden Sonntag ordiniert er drei Anwärter für den Pastoraldienst. Es sind, wie passend, ausnahmslos Frauen.

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Kirche im Wandel
Foto: Bruder Gregor Mundus aus dem Kloster Nütschau während der Predigt in der Nikolaikirche.

Am Anfang war das Wort. Das Wort Gottes, das heutzutage auch als Verantwortung füreinander und Verantwortung für die Welt gedeutet wird. Zum Abschluss der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen ergriff Gregor Mundus, Priester im Kloster Nütschau, das Wort in Kiel.

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