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Wie gut wird die Einheit der Christen gelebt?

Kirche im Wandel Wie gut wird die Einheit der Christen gelebt?

Am Anfang war das Wort. Das Wort Gottes, das heutzutage auch als Verantwortung füreinander und Verantwortung für die Welt gedeutet wird. Zum Abschluss der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen ergriff Gregor Mundus, Priester im Kloster Nütschau, das Wort in Kiel.

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Bruder Gregor Mundus aus dem Kloster Nütschau während der Predigt in der Nikolaikirche.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Der Benediktiner-Mönch hielt die Predigt beim ökumenischen Gottesdienst in der gut besuchten Kieler St. Nikolaikirche. Unter seinen Zuhörern weilten auch zwei Christen aus Syrien.

 Das Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe gilt als ökumenisches Zentrum in Norddeutschland und Bruder Gregor als engagierter Vertreter der ökumenischen Idee. „Gottes Wille bedeutet in unserer zerrissenen Zeit“, verkündet er von der Kanzel, „dass wir Christen mit einer Stimme sprechen.“ Und er zitiert einen orthodoxen Kollegen aus Minsk, der einmal sagte, die Einheit der Christen müsse nicht akzeptiert, sondern gelebt werden. Doch wie gut wird sie gelebt?

 Gregor Mundus wägt im Gespräch nach dem Gottesdienst seine Worte augenscheinlich genau ab. „Ich habe keine Berührungsprobleme, ich streite gerne, und ich bin gegenüber anderen Kirchen sehr offen“, lautet der persönlich geprägte erste Teil seiner Antwort. Wer möchte, kann heraushören, dass das möglicherweise nicht auf allen Ebenen der Fall ist. Zur Entwicklung des Dialoges zwischen den Kirchen mag Bruder Gregor sich kein umfassendes Urteil anmaßen, denn er sei nur ein einfacher Mönch. Gibt es Stillstand oder gar Rückschritt? „Rückschritt, nein, auf keinen Fall“, antwortet er, „nur manchmal gibt es mal ein paar Schritte zurück.“

 Bernd Gärtner war gestern in der Nikolaikirche so etwas wie der Organisationsleiter. Der 69-Jährige ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Schleswig-Holstein. Der pensionierte Theologe, der früher in der katholischen Kirche für die Erwachsenenbildung verantwortlich war, muss nicht lange überlegen bei der Frage, wie die Ökumene im Norden funktioniert: „Wir verstehen uns alle sehr gut, vielleicht ist gerade das das Problem, weil der eine oder andere meint, man müsse nicht mehr viel tun.“ Was Bernd Gärtner wiederum ganz anders sieht.

 Die Zusammenarbeit in Kiel beurteilt er differenziert: Auf Gemeindeebene sei sie gut, auf Stadtebene jedoch fühle sich nicht jeder zuständig. So seien die zwischen 1995 und 2007 im Dreijahresrhythmus üblichen ökumenischen Kirchentage längst wieder Geschichte. Und nur auf Eigeninitiative sei zurückzuführen, dass es „Die ökumenische Nacht der Kirchen“ gibt. Am 16. September ist es wieder soweit. „Das ist eine wichtige Veranstaltung“, betont Bernd Gärtner. Überhaupt, Ökumene sei wichtig, doch es sei im Norden wieder etwas schwieriger geworden. Das liegt, glaubt er, an Zeit und Engagement, zwei Aspekten, die in den vergangenen Jahren wegen der Zusammenlegung von Kirchengemeinden etwas ins Hintertreffen geraten seien: „Man ist in den Gemeinden sehr mit sich selbst beschäftigt, das zehrt an den Kräften“, lautet die Erkenntnis des ACK-Vorsitzenden.

 In diesem Sinne lässt Gregor Mundus keine Schwächen erkennen. Der fast 75-jährige ehemalige Wallfahrtspriester pflegt unverdrossen die Kontakte zwischen den Benediktinern und der Nordkirche, den Mecklenburger Gemeinden und den russisch-orthodoxen Kirchen. Und Kontakte zu den Menschen. So begrüßte er zwei syrische Christen sehr herzlich. Einer der beiden ist vor 15 Jahren aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen. Er nennt seinen Namen, möchte ihn aber nicht in der Zeitung lesen. „Auch in Deutschland ist es für mich nicht ungefährlich“, sagt der 47-Jährige, der in Kiel als Hausmeister arbeitet. In der nordsyrischen Stadt Hasaka wohnen noch seine Mutter und Geschwister. Das ist für ihn fast ein kleines Wunder: „Christen waren die ersten, die im syrischen Bürgerkrieg angegriffen wurden, denn sie sind für Islamisten Gottlose.“

 Gottesdienste besucht der sehr gut Deutsch sprechende Mann regelmäßig. Religion, versichert er, bedeute für ihn Friede, Liebe und Hoffnung. Dass er mit den sexuellen Übergriffen von Landsleuten oder Nordafrikanern in Köln oder Kiel nichts anfangen kann, überrascht vor diesem Hintergrund nicht: „Das sind Leute, die die Religion missbrauchen“, sagt er. Und so steht auch am Ende das Wort.

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