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Arnis – ein Symbol der Freiheit

Landpartie Arnis – ein Symbol der Freiheit

Arnis, die „Perle der Schlei“ ist mit rund 300 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands. Von Katrin Heidemann

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Deutschlands nördlichste Kelterei

 Sommertreffpunkt Nummer eins für Einheimische wie auch für Urlauber in Arnis: das Café „Freies Arnis" am Schleiufer.

Quelle: khe

Arnis. Sie ist klein, aber oho. Gemeint ist die kleinste Stadt Deutschlands: Arnis an der Schlei. Auf einer Fläche von nur etwa 45 Hektar hat das idyllische Städtchen mit seinen rund 300 Einwohnern einiges zu bieten: Kunsthandwerk, eine historische Schifferkirche, ein Musikfestival und ein Outdoor-Café.

„Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn mehr wüssten, was hier los ist“ steht am Tresen des Cafés „Freies Arnis“. Treffender lässt sich die „Perle an der Schlei“ kaum beschreiben. Denn obwohl es sehr überschaubar ist, mangelt es dort nicht an Abwechslung. Wer die Stadt auf dem Fußweg am Wasser entlang umrundet, benötigt dafür gerade einmal eine knappe halbe Stunde. Am Wegesrand liegen zahlreiche gastronomische Betriebe, Ateliers, Bootsstege mit Jachten und Fischerbooten, Werftgelände, ein Badestrand und historische Gebäude mit leuchtenden Stockrosen und Rosen vor verzierten Holztüren.

Veranstaltungshighlight der kleinsten Stadt der Republik ist seit fünf Jahren das Festival „Musik am Noor“. Anfang August zieht es regelmäßig viele Besucher von nah und fern an. Veranstalter des dreitägigen Festivals ist die Stadt Arnis. Geboten wird ein Programm aus Folk, Blues, Dixieland, Swing, Jazz und Rock. Insgesamt elf Musikgruppen treten in diesem Jahr auf dem Gelände einer Arnisser Werft auf und sorgen für Stimmung.

Außerdem verbergen sich hinter den schmucken Fassaden der kleinen Häuschen an der Langen Straße, die zusammen mit der Parkstraße einmal der Länge nach durch Arnis verläuft, etliche Kunsthandwerk- und Künstlerateliers. An einer der Fassaden hängt hoch über dem Fußweg ein schmiedeeisernes Schild mit getöpferten Teekannen. Es ist das Haus, in dem seit 27 Jahren die Keramikmeisterin Gesine Piotter mit ihrer Werkstatt ansässig ist.

In den unterschiedlichsten Farben leuchten in den Regalen ihres Ladens Keramikgegenstände für den täglichen Gebrauch, etliche davon sind mit maritimen Motiven bemalt. „Zu meinen Stammkunden zählen viele Segler, die nach Arnis kommen oder ihr Boot hier liegen haben“, erklärt Piotter. Ganz neu in der Kollektion der Keramikmeisterin sind Trinkbecher mit der Aufschrift „Freies Arnis“. Sie beziehen sich auf das Café an der Schleifähre, bei gutem Wetter der Treffpunkt für die Einheimischen und ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Gesine Piotter ist eine andere Kreative mit ihrem Atelier zuhause: Brigitte Wollert. Eher untypisch für die Gegend, setzt sich die Künstlerin mit chinesischer Kalligrafie auseinander. Fünf Jahre lang erlernte sie das alte traditionelle Handwerk in China. Heute hängen in Wollerts Atelier neben Kalligrafien auch die besonders bei Urlaubern beliebten maritimen Motive. Der chinesische Einfluss ist auch dabei zu erahnen.
Wie in Wollerts Atelier und Piotters Werkstatt finden sich im Stadtbild von Arnis viele maritime Elemente. Metallene Türklopfer an verzierten Holztüren haben Ankerform. Ein alter Anker liegt auf dem Grünstreifen vor dem Arnisser Rathaus. Schiffsmodelle stehen auf vielen Fensterbänken, Meerjungfrauen schmücken eine Fassade an der Langen Straße.

An die Zeit, als die Arnisser Bevölkerung vom Fischfang und Handel lebte, erinnert zudem die historische Arnisser Schifferkirche aus dem Jahr 1673, von der bis heute eine Fachwerkwand aus der Entstehungszeit erhalten ist. Vier Votivschiffe hängen in der Saalkirche von der Decke. Die detailreichen Modelle stammen teilweise aus dem 19. Jahrhundert und sind Geschenke von Schiffern (Kapitäne) als Dank für ihre Errettung aus Seenot.

Die Schifferkirche war eines der ersten Gebäude, die nach der Stadtgründung im Jahr 1667 in Arnis entstanden. Dass die damalige Insel Arnis überhaupt besiedelt wurde, ist 64 Familien zu verdanken, die ihre Freiheit nicht aufgeben wollten. Statt dem Lehnherrn in Kappeln ihre Gefolgschaft und Treue zuzusichern, siedelten sie sich auf Arnis an – in der Freiheit sozusagen.An diese Begebenheit erinnert das Café „Freies Arnis“, das in der direkten Nachbarschaft zu einem gutbürgerlichen Terrassenlokal an der Schleifähre ein bisschen aus dem Rahmen fällt, aber mal eine orignelle Alternative zur alteingesessenen „Schleiperle“ ist. Ein hellblaues Nutzfahrzeug der Automarke Framo aus den 1930er-Jahren bildet der Kern des Cafés. Auf der Ladefläche des Oldtimers steht eine große Kaffeestation. Teils ausrangierten Paletten wurden zu Holzsitzgelegenheiten und laden zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen ein.

Leise Musik dudelt aus Lautsprechern. Das Wasser der Schlei plätschert ans Ufer. Segeljachten wiegen sich an den angrenzenden Bootsstegen im Wind. In unregelmäßigen Abständen bewegt sich die Seilfähre gemächlich von einem Schleiufer zum anderen. Idylle pur. „Echt chillig“, bringt es ein Cafébesucher auf den Punkt. Beim Blick auf den Tresenspruch „Was glaubt ihr, was hier los wäre, wenn mehr wüssten – was hier los ist“ schießt durch den Kopf: Vielleicht ist es ganz gut, dass es nicht allzu viele wissen.

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