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Deutschlands nördlichste Kelterei

Malkwitz Deutschlands nördlichste Kelterei

Im Weinberg von Malkwitz bei Malente werden rote und weiße Rebsorten angebaut.

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 Kirsten und Jürgen Schulz aus Eutin verkosten im „Feldcafé“ auf dem Ingenhof einen von Melanie Engels Weißweinen.

Quelle: Sabine Spatzek

Malkwitz. Gleißend hell brennt die Sonne vom wolkenlos blauen Himmel auf die grün belaubten Rebstöcke, die in langen, parallel laufenden Reihen den Hang bedecken. Eine Gruppe Menschen steht am oberen Rand des Weinbergs, genießt die Aussicht und hört den Erklärungen der Winzerin zu. Die spricht mit viel Herzblut über die Geschichte ihres Weinguts, die Besonderheiten des Klimas und des Bodens, die Pflege der Rebstöcke und die Abläufe bei der Lese im Herbst, wenn aus den jetzt noch winzigen Fruchtständen reife Trauben geworden sind. Diese Szene spielt sich nicht etwa in Süddeutschland ab, auch nicht in Italien, Frankreich oder einem anderen traditionellen Weinanbaugebiet. Sie findet in Schleswig-Holstein statt, genauer gesagt in Malkwitz, einem 400-Einwohner-Dorf bei Bad Malente. Dort werden nicht nur verschiedene rote und weiße Rebsorten angebaut, sondern auf dem Ingenhof in Deutschlands nördlichster Weinkelterei auch direkt vor Ort verarbeitet und später abgefüllt. Vor sechs Jahren wurde Melanie Engel Winzerin, seitdem ist sowohl der Ertrag in Litern als auch der Bekanntheitsgrad ihres Hofes deutlich gestiegen. Das zeigt sich unter anderem an der großen Resonanz auf ihre Weinbergführungen, die mit einer kleinen Weinprobe auf dem Hof abschließen.

Meist sind es geschlossene Gruppen, die sich bei Melanie Engel anmelden. Doch auch für Einzelbesucher bietet sich hin und wieder die Möglichkeit, sich einer „offenen Weinbergführung“ anzuschließen. An diesem Tag haben sich so fast 50 Interessierte zusammengefunden, die von der Gastgeberin im „Feldcafé“ begrüßt werden. Von hier hat man einen freien Blick auf die hügelige Landschaft und die Erdbeerfelder, die den Haupterwerbszweig des Hofes bilden. Daneben stehen Reihen von Himbeersträuchern und auch einige Rebstöcke. „Die haben wir deshalb hierher gesetzt, um auf unseren Wein aufmerksam zu machen. Unser eigentlicher Weinberg liegt etwa zwei Kilometer vom Hof entfernt“, erklärt die 37-jährige Hofleiterin. Wegen der hochsommerlichen Temperaturen schlägt sie vor, den ersten Teil des Weges mit den Autos zurückzulegen. „Wir fahren bis zu einem Feldweg, von dort ist es dann noch knapp einen Kilometer zu gehen.“

Kurze Zeit später parkt die Autokarawane unter Bäumen am Straßenrand. Zwischen einer Heuwiese und einem Gerstenfeld hindurch geht es zum Weinberg. „Unser Gröndahlberg ist exakt nach Süden ausgerichtet und hat einen Neigungswinkel von 35 Grad. Dadurch können die Trauben das Sonnenlicht optimal einfangen“, erklärt die Besitzerin sichtlich stolz. Wichtig sei zudem der hohe Gesteinsanteil im Boden, der Wärme speichert und sie nachts abgibt, sowie die Knicks und die Wiese, die idyllisch am Fuß des Hügels liegt. Alles zusammen schaffe ein Mikroklima, in dem die pilzresistenten und früh reifenden Weinsorten Solaris, Regent und Cabernet Cortis gut gedeihen können. „Aufgrund dieser besonderen Lage haben wir den Zuschlag für drei Hektar Anbaufläche bekommen, als 2009 die Weinbaurechte frei wurden. Ich war froh, dass es nicht weniger war, sonst hätte sich kein ernstzunehmender Betriebszweig daraus entwickeln können“, sagt Engel. Auch in Grebin etwa zehn Kilometer von Malkwitz entfernt, am Westensee bei Kiel und auf den Inseln Sylt und Föhr wird seitdem kommerzieller Weinanbau betrieben. „Meines Wissens nach sind wir aber die einzigen, die auch vor Ort keltern, während die anderen mit ihren Trauben nach Süddeutschland fahren“, so die Weinbauerin, die in Kiel Agrarwissenschaften studiert hat. „Wo wir keltern, zeige ich Ihnen, wenn wir zurück auf dem Hof sind.“

Mit der Aussicht auf einen kühlen Weinkeller setzen sich die Teilnehmer wieder in Bewegung. Unter dem Dach einer großen Halle auf dem Ingenhof betreten wir einen extra isolierten Raum – man spricht von Keller, obwohl er ebenerdig liegt, aber mit etwa zehn Grad Raumtemperatur die kellertypische Kühle aufweist. Holzfässer-Romantik sucht man hier allerdings vergebens, Metallbehältnisse nehmen den gepressten Traubensaft auf, und das Ambiente wirkt insgesamt eher industriell. Melanie Engel erläutert die grundsätzlichen Abläufe bei der Weinherstellung, antwortet auf einige fachkundige Fragen und verweist für weitere auf ihren Kellermeister Jan Carstens. Sowohl in Sachen Know-how als auch bei der Infrastruktur, wie dem technischen Equipment oder den Laborproben, ist sie zwangsläufig auf Unterstützung aus Süddeutschland angewiesen. „Wenn man etwas Neues anfängt, macht man natürlich auch Fehler. Aber das gehört dazu“, sagt die Neu-Winzerin.

Nach der Theorie folgt der genussreiche Teil: Im „Feldcafé“ sind Tische reserviert, auf denen Gläser, Weißbrot und Wasser bereitstehen. „Ich habe heute zwei weiße und einen roten Wein ausgesucht“, kündigt Melanie Engel an und schenkt eine Kostprobe ihres trockenen Solaris von 2014 ein. Leicht, frisch, viel besser als die Kategorisierung als „Landwein“ nahelegt, lauten einige der Kommentare am Tisch. Es folgen der halbtrockene Solaris von 2013 und der rote Regent (trocken) von 2014. Während die Weinkenner sich über Aromen austauschen, genießen andere die kleine Weinprobe einfach als gelungenen Abschluss einer wunderbaren Landpartie rund um ein wenig bekanntes Produkt aus Schleswig-Holstein.

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