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Die Jagd auf „Tontauben“

Die Jagd auf „Tontauben“

Laden, anlegen, zielen, abdrücken und im Idealfall treffen: Das ist der Ablauf beim Tontaubenschießen. Auf dem Schießstand Warder können auch Anfänger auf Jagd nach den ziegelroten Wurfscheiben gehen. Von Katrin Heidemann

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 Ausbilder Thorsten Harms zeigt die Handhabung des Gewehrs beim Wurfscheibenschießen. Sie werden aus dem „Bunker“ abgefeuert.

Quelle: Katrin Heidemann

Warder. Die große Grasfläche vor dem Jungjäger-Stand ist übersät von Scherben zerbrochener Tontauben, die heutzutage meistens Wurfscheiben genannt werden. Hin und wieder ist durch den Gehörschutz ein gedämpftes Knallen vom Nachbarstand zu hören. Fast immer zersplittert danach am Himmel eine orangefarbene Tontaube. Blitzschnell und extrem zielsicher treffen die Jäger am Profi-Stand eine Wurfscheibe nach der anderen.
"Eine sportliche Taube fliegt 80 Meter weit, eine jagdliche 65 Meter und eine am Jungjäger-Stand 55 Meter“, sagt Paul Quast. Die zuletzt genannte ist das Ziel der Anfänger im Tontaubenschießen auf dem Schießstand Warder. Denn: Am Jungjäger-Stand fliegen die „Tauben“ nicht nur weniger weit, sondern auch immer in dieselbe Richtung. Außerdem darf dort das Gewehr schon im Anschlag gehalten werden, bevor die Wurfscheibe aus einem Automaten in die Luft befördert wird. Am Profi-Stand dagegen sind die „Tauben“ weitaus unberechenbarer, kommen aus verschiedenen Richtungen und mitunter gleichzeitig angeflogen.
Wurfscheiben-, Tontauben- oder Wurftaubenschießen sind Sammelbegriffe für das Schießen mit Flinten und Schrotmunition auf Wurfscheiben. Dabei wird im Wurfscheibensport zwischen den teils olympischen Disziplinen Trap, Skeet und Doppeltrap unterschieden. Das Tontaubenschießen für jedermann ist eine vereinfachte Version. Ziel sind runde, farbige Wurfscheiben aus umweltfreundlichem Naturmaterial.
Seit über 40 Jahren wird auf dem Schießstand Warder schon auf Tontaubenjagd gegangen. Anfang der 1970er-Jahre nahm der Jäger und Sportschütze Paul Quast dort den Schießbetrieb auf. Heute kümmert sich hauptsächlich sein Sohn Patrick um die Geschäfte. „Früher war unsere Anlage eine der modernsten in ganz Deutschland, Landesleistungszentrum des Norddeutschen Schützenbundes und Austragungsort für Wettkämpfe. Inzwischen kommen nur noch Jäger her, weil die Wettkampfbedingungen für Sportschützen wegen Lärmschutz- und Umweltauflagen nicht mehr gegeben sind“, bedauert Paul Quast. Beliebt sei das Tontaubenschießen inzwischen als Aktivität bei Betriebsfeiern oder Junggesellenabschieden.
Bevor es mit dem Ausbilder zum Schießen an den Jungjäger-Stand geht, hat Quast senior noch einen Tipp parat: „Das Wichtigste beim Tontaubenschießen ist das richtige Hinstellen – locker und leicht wie beim Klönschnack.“ Hört sich logisch an, ist aber in der Umsetzung nicht unbedingt einfach, denn schließlich gilt es in der locker-leichten Haltung eine dreieinhalb Kilogramm schwere Jagdflinte im Anschlag zu halten. Neben Konzentration sind beim Wurfscheibenschießen Reaktionsvermögen, Präzision und Ausdauer gefordert.
Vor dem ersten Schuss auf die Wurfscheiben gibt Ausbilder Thorsten Harms eine Sicherheitseinweisung. Es folgen Trockenübungen mit der ungeladenen Schusswaffe. Dann kann es losgehen. Gehörschutz auf und Gewehr laden. Zwei blaue Schrotpatronen verschwinden im Inneren der geöffneten Flinte. Dann klappt das Gewehr mit einem lauten Klacken zu. Ich lege den Schaft der Flinte im Schulterbereich an und schiebe ihn hin und her, bis Harms mit meiner Schießhaltung zufrieden ist. Die Tontaube kann losfliegen. Wann sie das tut, bestimme ich selbst. Mit einem „Jetzt“ gebe ich zu verstehen, dass ich bereit bin und rufe damit gleichzeitig die „Taube“ ab. Per Fernbedienung wird die Wurfscheibe aus einem Automaten in die Luft geschickt.
Der Kopf liegt am Stutzen der Flinte an. Der Blick fixiert den grünen Kasten, den so genannten Bunker, aus dem die Tontauben abgeschossen werden. Schneller als erwartet, kommt die Wurfscheibe nach dem Abrufen in Sicht. Kaum habe ich „Jetzt“ gesagt, ist sie schon aus meinem Blickfeld verschwunden, so sehr konzentriere ich mich darauf, alles richtig zu machen. Ich nehme die Wurfscheibe erst wieder wahr als kleinen orangefarbenen Punkt weit oben am blauen Himmel. Ich ziehe die Waffe hoch. Der rechte Zeigefinger beugt sich. Es knallt, und die Taube fällt zu Boden. Zersplittert bleibt sie auf der Grasfläche liegen. Zerbrochen ist sie allerdings nicht durch einen Treffer, sondern den Aufprall am Boden. Ich war zu langsam.
Unerwartet schwach fühlte sich der Rückstoß der Waffe im Moment des Schusses an. Der Grund war Ausbilder Thorsten Harms: „Ich habe dich in dem Moment etwas an der Schulter nach vorne geschoben. Deshalb hast du den Rückstoß kaum gemerkt.“ Egal – ein bisschen Hilfe ist beim ersten „Tontaubenschießen“ erlaubt. Mein Ehrgeiz ist geweckt.
Ich öffne die Flinte, und die leeren Patronenhülsen fallen in einen blauen Wäschekorb vor mir, der schon fast randvoll mit weiteren blauen, grünen und roten Hülsen gefüllt ist. Der Ablauf beginnt von Neuem – Flinte laden, anlegen, die Wurfscheibe abrufen und versuchen zu treffen. Wenigstens eine „Taube“ muss doch zu erwischen sein. Am Ende des Wurfscheibenschießens liegen meine Zielobjekte alle zerbrochen am Boden – weniger aufgrund meiner Treffsicherheit, sondern mehr wegen ihrer Brechfreudigkeit. Spannend war die Jagd auf die „Tontauben“ trotzdem.

Gut zu wissen

Tontaubenschießen am Schießstand Warder: auf der Anlage für jedermann möglich. Anfänger bekommen eine Einweisung vom Ausbilder.
Öffnungszeiten: Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa 9-18 Uhr, So 9-12 Uhr. Kosten: Das Wurfscheibenschießen für Anfänger dauert mit Sicherheitseinweisung und Anleitung durch einen Ausbilder rund zwei Stunden. Preis inklusive Einweisung, Munition für circa 40 Schuss und Leihflinte 60 Euro pro Person. Gruppenpreise auf Anfrage. Anfahrt: Stiegweg 15, 24646 Warder. Im Ort ist der Schießstand ausgeschildert.
Info und Anmeldung: Tel. 04329/417 und www.schiessstand-warder.de Weitere Möglichkeiten: Wurfscheibenschießen unter Anleitung bestehen in Schleswig-Holstein außerdem in Heide und Hartenholm. Infos: www.tontaubenschiessenhamburg.de

Am Wegesrand

Tierpark Arche Warder: Auf dem rund 40 Hektar großen Gelände lebt eine Vielzahl seltener Haus- und Nutztierrassen. Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr, im Winterhalbjahr bis Einbruch der Dunkelheit. Eintritt: 8 Euro/Kinder 4 Euro. Anfahrt: Langwedeler Weg 11, 24646 Warder. Infos: Tel. 04329/91340 und www.arche-warder.de
Museum Nortorf: Der Ausstellungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung von der Schallplatte bis zur CD. Geöffnet So 14-18 Uhr. Anfahrt:
Jungfernstieg 6, 24589 Nortorf. Infos: www.museum-nortorf.de
Tüteberg im Naturpark Westensee: Der rund 88 Meter hohe Berg bietet eine herrliche Aussicht über den Westensee. Neben der Jugendherberge Westensee führt der Weg „Am Tüteberg“ hinauf zum Aussichtspunkt.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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