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Jagd auf launische Forellen

Kleinvollstedt Jagd auf launische Forellen

Wer davon träumt, einmal eine selbst gefangene Forelle zu essen, hat in Schleswig-Holstein vielerorts die Chance auf einen fetten Fang. Zahlreiche Forellenseen sind regelrechte Ausflugsziele, und das Angeln ist für jedermann möglich. Von Katrin Heidemann

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Ein Prachtexemplar aus dem Trelleborgsee in Wasbek: Stolz präsentiert Angler Markus Noack seinen Fang, eine stattliche Forelle.

Quelle: Katrin Heidemann

Kleinvollstedt. Fast senkrecht schnellt eine Forelle in der Mitte des Sees aus dem Wasser hoch, zappelt ein wenig und lässt sich mit einem lauten Platschen zurück ins Nass fallen. Es ist eine Szene, die sich in unregelmäßigen Abständen an verschiedenen Stellen des Gewässers wiederholt. Es wirkt, als wollten die Fische die Angler am Ufer von Peters Angelsee provozieren und sagen: „Fangt uns doch, fangt uns doch! Ihr bekommt uns nicht!“ Zumindest beweisen sie anschaulich, dass im Angelsee reichlich Forellen schwimmen. „Die wollen uns ärgern und springen uns demon-strativ vor der Nase herum. Wir sehen sie die ganze Zeit, aber haben noch nichts gefangen“, sagt ein Angler an dem Gewässer bei Kleinvollstedt. Doch er ist zuversichtlich. Schließlich ist der Angeltag noch jung – noch genug Zeit für den großen Fang.
Bis dahin genießen die Angler an dem rund 1,8 Hektar großen See die Ruhe. Die einzigen Geräusche sind das Zischen der Angelschnüre beim Auswerfen und das Platschen der springenden Forellen. Zwar ist das Gewässer im Vergleich zu vielen anderen Angelseen klein, dafür aber ruhig und idyllisch gelegen. „Der See ist perfekt für ein ruhiges Wochenende und für die Profis unter den Anglern, weil dort die größeren Forellen schwimmen“, sagt Peter Scheffzyk, der Betreiber von Peters Angelsee und dem benachbarten Forellensee Kleinvollstedt.
Der rund vier Hektar große Forellensee sei mehr ein Familiensee, sagt Scheffzyk. An dem Gewässer, das einst wie so viele Angelseen in Schleswig-Holstein im Zuge des Autobahnausbaus entstanden ist, zählt nicht nur das Angeln, sondern auch die Geselligkeit. Im Imbiss auf dem Gelände, wo statt Fisch Currywurst auf der Speisekarte steht, treffen sich die Angler zum Fachsimpeln und Klönschnack. Außerdem können sie ihre frisch gefangenen Fische direkt am See ausnehmen, grillen und bei Bedarf auch räuchern. Wer länger als einen Tag bleiben möchte, darf auf dem Gelände zelten oder kann ein Ferienhaus direkt am See mieten.

„Gute Zeiten zum Angeln sind der Herbst und die Monate März bis Mai, weil sich die Fische dann Fett für den Winter beziehungsweise nach dem Ablaichen anfressen und auf Futtersuche sind“, rät Peter Scheffzyk. Welchen Köder die Kleinvollstedter Forellen am Liebsten mögen? Das sei immer unterschiedlich. „Mal funktionieren Maden besser, mal künstliche Köder oder Angelpasten. Viele Köder werden nur gebadet“, sagt Scheffzyk schmunzelnd.
Das kann Jürgen Horn aus Schönberg bestätigen. „Forellen sind extrem launisch. Da weiß man nie, welche Köder sie gerade bevorzugen“, sagt er. Seit anderthalb Jahren betreibt er den Trelleborgsee in Wasbek bei Neumünster – einer der Angelseen, die von der Autobahn aus zu sehen sind. Weil er in einem Naturschutzgebiet liegt, heißt es jedoch auf dem Gelände strikt: „Autos müssen draußen bleiben.“ Lediglich zum Abladen ihrer Ausrüstung dürfen die Angler kurz an den See fahren. Ansonsten ist das gesamte Areal autofrei und umrahmt von Bäumen.
„Forellenangeln ist heutzutage eine Wissenschaft für sich“, sagt Horn. Wer sich die Utensilien der Angler am Trelleborgsee anschaut, glaubt das aufs Wort. In Kunststoffboxen reihen sich sogenannte Wobbler, kleine bunt-glitzernde Fischimitationen in schrillen Farben, zu Dutzenden aneinander. Selbstgebastelte Fliegen zum Fliegenfischen liegen in einem anderen Gefäß. Bunte Blinker, die im Wasser wie Beutefische aussehen sollen, sind auf einer Pappe aufgereiht. In einer Plastikdose daneben krabbeln Bienenmaden und Würmer. Auch Angelpasten mit den unterschiedlichsten Geruchsnoten – von Käse bis Knoblauch – warten auf ihren Einsatz als Köder. „Knoblauch ist ein Muss im Pastensortiment. Das mögen Forellen“, zeigt Horn auf eine grelle Paste mit Glitzerpartikeln. Störe dagegen ließen sich gut mit geruchsintensiven Speisekäse oder Räucherlachs anlocken.
Einfach würden seine Forellen es den Anglern allerdings nicht machen, meint der Angelseebetreiber. „Die Fische im Trelleborgsee mit drei Quellen sind kampfstark, haben viel Kraft und fordern die Angler“, so Jürgen Horn. Wo die Fische schwimmen, ließe sich an der Wasseroberfläche ablesen. Einige Meter vom Ufer entfernt kräuselt sich das Wasser ganz leicht. Laut Horn ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass dort der Fisch steht.
Die Angler am Ufer werden unruhig, holen schnell ihre Angeln ein und werfen sie Richtung des bewegten Wassers wieder aus. Zu spät: Die Fische sind schon weitergeschwommen. Stattdessen zuckt es bei einem Angler einige Buchten weiter an der Angelrute. Es folgt ein Drill, wie das Herausziehen eines Fisches, der angebissen hat, im Anglerlatein genannt wird. Zielsicher bugsiert der Angler die Forelle mit Hilfe der Rute in Richtung Kescher, den ein Angelkollege hält, um den schweren Fisch damit aus dem Wasser zu holen. Kurz darauf liegt eine stattliche Forelle am Ufer und glitzert im fahlen Sonnenlicht. Stolz präsentiert der Angler seinen Fang. Er freut sich: Das Abendessen ist gesichert. Gebratene Fischfilets soll es geben. Die Forellen, die ihm vor der Nase herumspringen und ständig entwischen, spielen keine Rolle mehr.

Gut zu wissen

Forellensee Kleinvollstedt : Tageskarte für eine Rute, Erwachsene/Jugendliche/Kinder: ab 5 Uhr 17/12/8 Euro, ab 13 Uhr 12/8/5 Euro, ab
16 Uhr 10/5/5 Euro. Service: Imbiss, Angelzubehörverkauf, Grillplatz, Räucherofen, Platz zum Ausnehmen der Fische, Ferienhäuser und Zeltmöglichkeit am See.

Öffnungszeiten: täglich 5 bis 19 Uhr, Nachtangeln vom 1. März bis 31. Oktober 19 bis 5 Uhr. Peters Angelsee: Tageskarte für eine Rute: Erwachsene/Jugendliche/Kinder ab 5 Uhr 20/15/15 Euro, ab 13 Uhr 15/10/10 Euro, ab 16 Uhr 10/8/5 Euro. Die Tageskarte gilt auch am Forellensee.
Anfahrt: in Kleinvollstedt an der Straße Am Dreckmoor; der Forellensee liegt am Weg Zum Forellensee. Die Seen sind ausgeschildert.
Infos: Tel. 04330/1269, 04330/277 und 0162/6125127 sowie www.petersangelsee.de
Trelleborgsee Wasbek: ganzjährig 6 bis 18 Uhr, Nachtangeln von 19 bis 4 Uhr. Tageskarten/Nachtangeln: zwei Ruten 29 Euro, jede weitere 5 Euro. Fliegenfischen: 24 Euro/Tag. Service: Angelzubehörverkauf und -verleih auf Vorbestellung. Anfahrt: Industriestraße 7 in Wasbek, direkt an der Ausfahrt A7 Neumünster Mitte. Infos und Anmeldung: Fangwas Angelcenter Elmshorn, Tel. 04121/291310 und 0176/24067708 sowie www.fangwas.de
Wichtig: Für das Angeln an gewerblichen Seen in Schleswig-Holstein besteht keine Fischereischeinpflicht, Angler ab 12 Jahren müssen allerdings eine Fischereiabgabe bezahlen. Die Gebühr beträgt 10 Euro pro Kalenderjahr und ist bei den örtlichen Ordnungsbehörden oder
online unter www.service.schleswigholstein.de zu entrichten.

Am Wegesrand

Arche Warder: Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 20 Uhr (im Winter bis Einbruch der Dunkelheit). Eintritt: Erwachsene 8/Kinder 4 Euro. Anfahrt: Langwedeler Weg 11, Warder. Tel. 04329/9134-0 und www.arche-warder.de
Fußballgolf in Schülp bei Nortorf: Ballausgabe Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr. Preis: Erwachsene 8,50/Jugendliche 7,50/Kinder 5 Euro.
Anfahrt: Möllhagen 5, Schülp. Infos: Landhotel Möllhagen Tel. 04392/91760 und www.moellhagen.de
Wandern im Naturpark Aukrug: Jeden Sonnabend in ungeraden Wochen werden Natur- und Landschaftsführungen zu unterschiedlichen
Themen angeboten. Kosten: 3 Euro. Infos: Tel. 04873/669 und www.naturpark-aukrug.de

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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