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Büttenwarder live mit dem Trecker

Gut Basthorst/Grönwohld Büttenwarder live mit dem Trecker

Was der „Landarzt“ für Kappeln war, ist „Büttenwarder“ für Grönwohld im Kreis Stormarn. Eine Art Fan-Tourismus hat bereits eingesetzt, Bus- und Radtouren führen zu den Originalschauplätzen der kultigen NDR-Serie. Gut Basthorst setzt einen Kontrapunkt – und wird wohl nie Heimat für Brakelmann und Adsche werden.

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Jagd auf launische Forellen

 Er ächzt, ruckelt und qualmt, aber er fährt: Brakelmanns Trecker in Rostgrün.

Quelle: Joachim Welding

Grönwohld/Gut Basthorst. Ist er das da hinten, hinter der Kneipe? Dieses rostig-grüne, knatternde Ding könnte der olle Trecker sein, mit dem Brakelmann gern im Schneckentempo die Gegend unsicher macht. Und tatsächlich: „Unser 50 Jahre alte Fendt muss auch bei uns noch Dienst tun. Restaurieren dürfen wir ihn allerdings nicht – so will es der NDR“, verrät Kneipenwirtin Ruthild Oetjen, die ihren Gasthof unter den Linden in Grönwohld seit der ersten Folge von „Büttenwarder“ 1998 regelmäßig zum Filmstudio umfunktionieren lässt.
Viel muss nicht umdekoriert werden, damit alles etwas angejahrt und scheckig aussieht wie in Büttenwarders Dorfkrug. Die solide Eicheneinrichtung scheint aus den 50er-Jahren zu stammen, und am massiven Tresen fühlt man sich sofort wie zu Hause. Gleich könnte Shorty auftauchen, um „Lütt un Lütt“ an Adsche und Brakelmann auszuschenken. „Die meisten Besucher wollen wissen, ob sie das bei uns wirklich bestellen können“, erzählt die Wirtin. Korn und Bier im Doppelpack steht zwar nicht auf der Speisekarte, aber Ruthild Oetjen schenkt die hochprozentige Kombination auf Wunsch gern ein.
Seit die Büttenwarder-Fans auf geführten Touren in Scharen in Grönwohld auftauchen, boomt es auch in Oetjens Gasthof. Und wenn der NDR mit seinem 45-köpfigen Filmteam zweimal im Jahr anrückt, heißt es immer wieder: „Bitte Ruhe! Wir drehen!“ Nicht nur Büttenwarder ist in ihrer Kneipe zu Hause. Auch „Heimatgeschichten“ mit Jörg Schüttauf und Peter Heinrich Brix wurden gedreht. Manfred Krug und Charles Brauer standen hier 1992 für den „Tatort“ vor der Kamera – damals diente die Kneipe übergangsweise als Polizeistation.
In Grönwohld gibt‘s noch mehr Büttenwarder, wie Reiseführer Heinz Danger erklärt: Gleich gegenüber der Kneipe ist TV-Bürgermeister Schönbiehl zu Hause. Der malerische Dorfteich liegt um die Ecke, und das (echte) Seniorenheim, in dem der zahnlose Onkel Krischan samt Gehwagen lebt, liegt auch gleich in der Nähe. Doch der lausige Bauernhof von Kurt Brakelmann alias Jan Fedder – der lockt ein paar Kilometer weiter in Granderheide Serien-Fans. Dort lebt noch ein betagter Rentner, der das wohl seit Kriegsende unveränderte Gehöft an den NDR vermietet – inklusive Stalltür, die im Film regelmäßig aus den Angeln kippt. Vorm Backsteinhaus sitzen ein paar Enten, ein Pflug rostet vor sich hin: Dorfidylle mit Patina, wie geschaffen für das Büttenwarder-Flair.
So übersichtlich wie das Filmdorf ist, so überschaubar ist auch das Personal: Mehr als fünf Stammschauspieler und eine Handvoll Komparsen braucht es für eine 25-minütige Folge meist nicht. Zuletzt pflegten Fedder & Brix ihre herbe Film-Freundschaft bei den Sommerdreharbeiten 2014, wobei auch das berühmte Film-Mofa eine gewisse Rolle spielte. „Pünktlich“ zu dieser Landpartie hat der NDR übrigens wieder eine Büttenwarder-Folge ins dritte Programm genommen: Am 22. November schaut ab 22.50 Uhr eine chinesische Delegation im aufgehübschten Büttenwarder vorbei. Doch der Charme des Dorfes will sich den Asiaten nicht recht erschließen.
Stalltüren, die dauernd umfallen; Trecker, die erst nach gutem Zureden anspringen; und allerlei Kleingetier, das ständig durch die Gegend hüpft? Das alles gibt es auf Gut Basthorst nicht. Das mit den Tieren stimmt nicht ganz, denn zwei Jack-Russell-Terrier gehören im gutseigenen Restaurant „Zum Pferdestall“ zum Inventar: Jeder Gast wird dort stürmisch begrüßt. Und Gutsherr Freiherr Enno von Ruffin hält die Rentiere Rudy und Resi, die beim demnächst öffnenden Weihnachtsmarkt eine besondere Rolle spielen. Ein paar Kilometer südlich von „Büttenwarder“ gelegen, bietet das weitläufige Anwesen einen feinen Kontrast zum kleinbäuerlichen Filmdorf.
Schon die bunten Skulpturen am Eingang vor dem Gutsteich signalisieren, dass hier modernes Leben eingekehrt ist – nicht erst seit Schlagerstar Vicky Leandros 1986 den Freiherrn geheiratet hat. Die Sängerin, die inzwischen nicht mehr auf Basthorst lebt, gab dem gesellschaftlichen Leben eine besondere Note. Denn das Gut mit seinen 30 Gebäuden und 600 Hektar Land wird nicht nur land- und forstwirtschaftlich genutzt. Hier gehen auch Konzerte über die Bühne, und zu den beliebten Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtsmärkten strömen tausende Besucher. Es beheimatet außerdem Firmen und Kunsthandwerker, darunter eine Restaurierungswerkstatt, Antiquitätenläden, eine Schnapsbrennerei und eine Whisky-Niederlassung.
Zum Rundgang über das Gut gehört ein spezieller Besuch in der gutsangehörigen Marienkirche von 1858: Eine Führerin berichtet über die Geschichte des schönen neugotischen Gotteshauses, und als Beweis für die tolle Akustik gibt sie eine erstaunlich professionelle Zugabe: Sie singt ein paar Lieder über drei Oktaven, und die Besucher können mit einstimmen. Wenn das kein Gegengift zu Brakelmanns Trecker ist.

Gut zu wissen

Neues aus Büttenwarder: Seit der ersten Folge „Ufos über Büttenwarder“ (1997) wurden bis 2014 insgesamt 58 Episoden gedreht. Der NDR sendet die 25-minütigen Folgen unregelmäßig, meist Wiederholungen, Fassungen auch auf plattdeutsch. Dreharbeiten überwiegend in 22956 Grönwohld, unter anderem im Gasthof unter den Linden (Dorfstr. 23, Tel. 0170/4136096). Infos zur Serie unter www.ndr.de/buettenwarder.
Geführte Bustouren (mit Gut Basthorst und Schloss Reinbek): Margot Danger, Tel. 04532/6620 oder margot.danger@web.de.
Büttenwarder-Führung per Rad:Infos bei Helga Struwe (opndrahtesel@gmx.de, im Internet unter www.opndrahtesel.de
Gut Basthorst: Gutsanlage für Besucher geöffnet, Handwerker und Geschäfte mit eigenen Öffnungszeiten. www.gut-basthorst.de

Am Wegesrand

Schloss Reinbek: Das im 16. Jahrhundert errichtete Schloss nahe des Sachsenwaldes befindet sich nach einer umfangreichen Restaurierung
heute im originalgetreuen Zustand. Die Schlossanlage mit Ehrenhof, Schlosspark und Mühlenteich gilt als eines der besten Beispiele der
Renaissance in Schleswig-Holstein und wird nicht als Museum betrieben. Es dient heute als Kunst- und Kulturzentrum des Kreises Stormarn. Eine Besichtigung mit Führung ist möglich. Geöffnet Mi-So 10-17 Uhr. Eintritt 3 Euro/erm. 1,50 Euro. Anmeldung Tel. 040/72734613. Ständig künstlerische und stadtgeschichtliche Ausstellungen. Kontakt: Schlossstr. 5, 21465 Reinbek, Tel. 040/727 346 0, www.schloss-reinbek.org

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