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Ein Bauer als Schlossherr

Gut Ludwigsburg Ein Bauer als Schlossherr

Rege Betriebsamkeit gewinnt auf Gut Ludwigsburg schon im Frühjahr die Oberhand. Reiter bevölkern Pferdestall und Reithalle, Besuchergruppen kommen vorbei, um in der Alten Räucherei Kaffee zu trinken oder mit einer Kutsche auf Tour zu gehen. Und einige warten darauf, dass Gutsherr Kurt-Jürgen Carl ihnen das barocke Gutshaus zeigt – inklusive dem „Bernsteinzimmer von Schleswig-Holstein“.

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Die Jagd auf „Tontauben“

Idylle rund um Gut Ludwigsburg: Blick über den Teich hinüber zur Alten Räucherei, die heute als Café dient.

Quelle: Joachim Welding

Gut Ludwigsburg. Das barocke Schmuckstück steht direkt an der beeindruckenden Allee mit dem leidenschaftslosen Namen L26 zwischen Eckernförde und Waabs: Umgeben von einem doppelten Wassergraben, erhebt sich ein mächtiges, dreigeschossiges Herrenhaus aus dem feuchten Untergrund. Ziemlich viele Adelsfamilien aus dem Norden residierten seit dem 14. Jahrhundert hier, damals in einer Wasserburg. Graf Friedrich Ludwig von Dehn ließ ab 1740 das heutige Herrenhaus errichten, das nach ihm benannt wurde. Die ehemaligen Hausherren trugen Namen wie Rantzau und Ahlefeldt – bis 1950 eine ganz und gar unadelige Familie mit Kind und Kegel ins sanierungsbedürftige Gemäuer einzog: Familie Carl."
"„Wir waren wohl die ersten Bauern hier“, meint Kurt-Jürgen Carl, der gerade mal ein Jahr alt war, als seine Eltern aus dem Hannoverschen an die Eckernförder Bucht zogen. Auf dem 230-Hektar-Hof zwischen dem Guts-haus, einem Torhaus von 1555, dem englischen Garten und alten Wirtschaftsgebäuden wuchs Carl auf. Heute lebt die Familie hier in drei Generationen. Auch Urlauber haben Glück: Sie dürfen in einer Ferienwohnung im Herrenhaus adeliges Lebensgefühl genießen."
"Denn Ludwigsburg gehört zu den größten barocken Gutshäusern im früheren Herzogtum Schleswig. Das backsteinerne, denkmalgeschützte Herrenhaus verfügt über drei Stockwerke und wird von einem mächtigen Mansardendach bedeckt. Schlichte barocke Formen lassen sich an der Fassade erkennen, 25 Zimmer werden von 108 Fenstern belichtet. „Die Zahl kenne ich deshalb genau, weil die zugigen alten Fenster komplett neu getischlert werden mussten – aus hofeigenem Eichenholz. Außerdem war das Herrenhaus über die Jahrzehnte immer weiter in den moorigen Untergrund abgesackt. Aufwändige Stabilisierungsmaßnahmen mit Stahlträgern waren nötig“, berichtet der 65-Jährige über das Leben mit einem wunderbaren Kulturgut, das aber nicht immer nur Freude bereitet."
"Allein um das Gebäude zu unterhalten, reiche der landwirtschaftliche Ertrag aus dem Verkauf von Raps, Weizen, Gerste und Weihnachtsbäumen nicht aus. „Von den 70000 Euro Unterhaltskosten im Jahr verschlingt die Ölheizung am meisten Geld“, erzählt Kurt-Jürgen Carl. Deshalb hat sich die Familie gleich mehrere Standbeine geschaffen: Das Café-Restaurant in der Alten Räucherei und ein Hofladen beleben das Gut ebenso wie ein renommiertes Trakehner- und Araber-Gestüt sowie ein Reitstall. Beliebte Besuchermagneten sind die Konzerte im festlich gestalteten Goldenen Saal – dem repräsentativen Mittelpunkt des Hauses – und der weithin bekannte Weihnachtsmarkt. Urlauber können sich‘s in den Ferienwohnungen im Herrenhaus und im Torhaus gemütlich machen."
"Besucher gelangen beim Gang auf altem Kopfsteinpflaster durch das Tor auf das Gutsgelände. Wer sich in der halbrund angelegten Hofanlage erst einmal orientieren muss, kann das mit Hilfe eines hölzernen Wegweisers tun. Der Weg zum Herrenhaus über eine Brücke fällt sofort ins Auge. Der Hausherr persönlich übernimmt die Führungen durch das Schloss, wie die Familie ihr Zuhause nennt. Und hier wartet ein echtes kulturelles Highlight auf die Gäste: die Bunte Kammer im Erdgeschoss."
"Besucher stoßen ein verzücktes „Ohhh“ aus, wenn sie diese in Norddeutschland einzigartige Kostbarkeit betreten: Der 1673 komplett mit Eichenholz vertäfelte Raum präsentiert an den Wänden 145 Miniaturbilder flämischer Maler mit den dazugehörigen Sinnsprüchen. „Sie wurden in die sieben Kultursprachen nach damaligem Verständnis übersetzt“, erklärt Carl: Neben deutschen Sprüchen sind dort auch spanische, englische, französische, niederländische, italienische und lateinische Mottos zu finden."
"So steht etwa unter einem Bild, das zwei mit Tauwerk verbundene Segelschiffe in aufgewühlter See zeigt: „Einigkeit macht stark“. Zu zwei Schuhen, die einsam in einem Saal stehen, lautet der Kommentar: „Es gehört mehr zum Tanze“. „Beliebt ist die Bunte Kammer auch bei Hochzeitspaaren“, erzählt der Gutsherr. Wenn der Standesbeamte seinen Segen gibt, winkt ein besonderer Sinnspruch vom Eichenholz: „Omnia vincit amor!“ – „Liebe besiegt alles“, ein Wahlspruch von Minnesängern im 13. und 14. Jahrhundert. „Für uns ist es das Bernsteinzimmer von Schleswig-Holstein“, meint Kurt-Jürgen Carl. Früher hatte die Familie den schönsten Raum zum Esszimmer auserkoren. „Doch den Kindern ist es schließlich zu dunkel gewesen.“"
"Auch die Schauspieler Nina Hoss, Monica Bleibtreu und Otto Sander waren auf Gut Ludwigsburg zu Gast. Allerdings nicht als Besucher, sondern bei den Dreharbeiten zum Film „Das Herz ist ein dunkler Wald“. Dabei diente das adelige Ambiente als verwunschene Kulisse zu dem Familiendrama mit Starbesetzung. Auch Kurt-Jürgen Carl hatte seinen großen Auftritt: „Ich durfte kurz als Bauer Schmidt vor der Kamera. Und mit Otto Sander bin ich Kutsche gefahren.“ Als Star kommt das Gut selbst bis heute groß raus – an der kurvigen Allee zwischen Eckernförde und Waabs.

Gut zu wissen

Gut Ludwigsburg: Waabs, direkt gelegen an der L 26. Infos Tel. 04358/98818 oder 0177/7471417, Internet www.gut-ludwigsburg.de
Führungen: Rundgang durch das Herrenhaus mit Bunter Kammer und Goldenem Saal. Termine Mi 17-18 Uhr und nach Vereinbarung. Café
und Restaurant in der Alten Räucherei geöffnet Mi-So 11.30-19.30 Uhr, Reservierung Tel. 04358/989833. Kutschfahrten, standesamtliche
Trauungen im Herrenhaus, Hochzeiten und andere Feste nach Vereinbarung.

Gut zu wissen

Swin Golf auf Gut Sophienhof: Diese Trendsportart kommt ursprünglich aus Frankreich und gilt als preiswerte Alternative zu klassischem
Golf. Ziel dieses Spieles ist es, einen Ball mit einem Schläger vom Abschlag über eine Spielbahn in ein Loch zu befördern. Spieler bekommen
auf Gut Sophienlust die speziellen Swin-Golf-Schläger und einen Spielball. Swin Golf kann von der ganzen Familie gespielt werden
(ab etwa acht Jahren), es ist keine Clubmitgliedschaft erforderlich. Adresse: Gut Sophienhof, 24369 Waabs, Tel. 04358/1025. Geöffnet im
April: Fr, Sa und So ab 11 Uhr oder nach Absprache. Preise:12 Euro/ Kinder 6 Euro. Internet www.gutsophienhof.de
Sieseby: Das malerische Schleidorf, das komplett unter Denkmalschutz steht, ist im Frühjahr immer einen Besuch wert. Dieser kleine Ort mit
seinen einheitlich reetgedeckten Fachwerkhäusern ist gewissermaßen ein lebendes Museum. Die romanische Kirche und der Kirchhof mit
seiner Lindenallee sind ebenso sehenswert wie das alte Pastorat, jetzt Café-Restaurant „Schlie-Krog“. Gelegen an der K 77 zwischen Rieseby
und Thumby.

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