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Herbstwanderung in der Heide

Landpartie Herbstwanderung in der Heide

Vom Kettenrasseln und Grollen der Panzer ist zum Glück schon lange nichts mehr zu hören: Seit acht Jahren ruht der Übungsbetrieb auf dem ehemaligen Bundeswehr-Gelände in der Nordoer Heide. Seitdem hat die Natur rund um die Binnendünen die Regie übernommen.

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Spannendes Sammelsurium

Diese niedlichen Gefährten kann man bei einer Herbstwanderung in der Heide bewundern.

Quelle: Joachim Welding

Nordoer Heide. Hier määääht es gleich zweifach: Neben dem Hauptweg hinter dem Eingang zum neuen Naturschutzgebiet ziehen 170 Burenziegen durch die Landschaft – und geben lautstark den tierischen Rasenmäher. Sie sorgen dafür, dass die halboffenen Weiden erhalten bleiben. Denn die zum Nationalen Naturerbe gehörende Binnendünenlandschaft soll nicht von Bäumen überwuchert werden. Da trifft es sich gut, dass die großen, robusten Ziegen neben Gras am liebsten Gehölze wie Birke und Kiefer verspeisen.

 Ihre Dienste gehören zum Pflegemanagement, das die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein übernommen hat. Und schon berichten die Biologen von ersten Erfolgen: Der Einsatz der Ziegen im rund 400 Hektar großen Naturschutzgebiet hat sich gelohnt. Denn der Wilde Thymian konnte ebenso wie Teufelsabbiss, Arnika und Schwarzwurzel Lebensraum zurückerobern. Und das wiederum gefällt dem Goldenen Scheckenfalter: Der europaweit geschützte Schmetterling frisst genau diese Pflanzen gern. Aber noch andere Wildtiere mögen die Landschaft der Münsterdorfer Geestinsel mit den sandigen, nährstoffarmen Böden und sumpfigen Abschnitten: Die Libelle namens Große Moosjungfer gehört ebenso zu den gefährdeten Arten wie der Kammmolch, die Knoblauchkröte und der Moorfrosch.

 Auch wenn die Panzer früher dicke Furchen in die Landschaft gefräst haben, hat dies keinen gravierenden Schaden angerichtet. Im Gegenteil: Im Sperrgebiet konnten Flora und Fauna ziemlich ungestört gedeihen. Spaziergänger und Radler profitieren auch heute noch von der Bundeswehr-Zeit: Durch die vielfältige Landschaft zieht sich ein 16 Kilometer langes Netz von gut erhaltenen Schotter- und Feldwegen. Drei Rundtouren mit Ausgangspunkten in den Anliegergemeinden Dägeling, Kremperheide und Breitenburg bieten sich für Wanderungen an.

 Die „Stars“ türmen sich neben den Hauptwegen auf: imposante Dünen, die man eher auf den nordfriesischen Inseln vermutet hätte! Auf feinstem „Strandsand“ wachsen Strandhafer und Ginster ebenso wie Erika und krüppelige Kiefern. Die hügelige Dünenlandschaft breitet sich kilometerweit aus – ein überraschender Anblick, der dem Auge schmeichelt und ein echter Naturschatz ist. Denn in Schleswig-Holstein gibt es kaum noch intakte Binnendünenlandschaften wie diese. Einige Areale weiten sich als offene Sandflächen, andere sind mit Birkenwäldern bewachsen. In Dünentälern kommt die Feuchtheide vor, eingerahmt von Eichenwäldern und einigen Flachwassertümpeln, die Amphibien besonders lieben.

 Wie kommen die Dünen überhaupt nach Itzehoe? Eigentlich ganz einfach: Nach dem Ende der letzten Eiszeit stieg der Meeresspiegel. Etwa um 5000 v. Chr. drang das Meer in Elbe und Stör vor und machte aus der Münsterdorfer Geestinsel eine Meeresinsel, an deren Strand riesige Dünen aufgeweht wurden.

 Wer heute das Areal rechts und links der Hauptwege durch Holztore betritt, kann unter Umständen auf grasende Highland-Rinder stoßen, die sich das sandige Gebiet mit den Spaziergängern teilen. Doch wer die Tiere in Ruhe lässt, kann sich hier sicher bewegen. Die weitläufigen Ziegenweiden umgibt allerdings ein Zaun, was angesichts der Hörner der mächtigen Böcke auch ratsam ist. Unterstützung bekommen die Landschaftspfleger außerdem von einer Handvoll Wildpferde, die andere Weideflächen schön kurz halten. Sie alle werden vom Frühjahr bis zum Herbst von Pflegern betreut. Ab dem 15. November kommen die Burenziegen in den Stall auf Marc Christians Ziegenhof, wo die Tiere in Ruhe ihren Nachwuchs zur Welt bringen können.

 Bis dahin bleibt Zeit, den kräftigen Burenziegen „bei der Arbeit“ zuzuschauen. Erst 1977 haben Züchter diese aus Südafrika stammende Ziegenrasse in Deutschland heimisch gemacht. Die weißen Tiere mit braunem Kopf eignen sich hervorragend als Landschaftspfleger, weil sie nicht gemolken werden müssen und auf den Hinterbeinen stehend meterhohe Gewächse „klein kriegen“. In der Nordoer Heide kümmern sich überwiegend die weiblichen Ziegen um die Landschaftspflege. Doch auch eine Handvoll Böcke ergänzt die Herde – und deren Körperkraft ist nicht zu unterschätzen: Die kastrierten Männchen können bis zu 140 Kilo schwer werden. Spannend wird es wieder beim Herdenauftrieb im März nächsten Jahres. Dann nimmt die größte freilaufende Burenziegenherde Deutschlands erneut die Nordoer Heide in Beschlag.

Gut zu wissen

Nordoer Heide: Naturschutzgebiet Binnendünen Nordoe, erreichbar mit dem Auto über die A23, Abf. Itzehoe-Süd, Richtung Dägeling, Krebsstr., bis zum Ende durchfahren, kostenloser Parkplatz und Eingang NSG; weitere Zugänge in Kremperheide, Park-and-Ride-Parkplatz am Bahnhof sowie in Breitenburg, Op de Geest. Die Wege sind barrierefrei, die Ausschilderung auf dem Gelände ist mangelhaft. Fünf Rundwege sind möglich: großer Rundweg (Fußwegdauer ca. zwei Stunden), Waldroute, Heideroute, Dünenroute und Seenroute (je eine Stunde). Karten und Infos im Internet: www.kremperheide.de/gemeinde/karte.html  und www.kremperheide.de/freizeit-kultur/naherholung/nordoer-binnenduenen.html 

Am Wegesrand

Planet Alsen: ein Gebäudekomplex am Rande einer ehemaligen Itzehoer Zementfabrik, das dem Zerfall überlassen ist,, von der Natur zurückerobert wird. Das Gelände wird heute außerdem als Begegnungsstätte und Raum für eine subkulturelle Szene genutzt. Ausstellungen, Konzerte, der Architektursommer, das Kurzfilmfestival geben Gelegenheit für einen Besuch auf Planet Alsen. Kontakt: Otto-F.-Alsen-Straße, Itzehoe, Tel. 04821 8191, www.planet-alsen.de

Klappbrücke und Brückenwärterhaus Heiligenstedten: Das Bauensemble gehört zu den Kulturdenkmälern der Gemeinde. Die Störbrücke existiert seit 1442, 1777 baute man sie zur Klappbrücke um. Der Brückenwärter öffnete die Brücke für Schiffe und kassierte Brückenzoll von jedem, der sie überquerte. Der Neubau von 1967 ermöglicht kurze Wege in der Gemeinde. An der St. Marienkirche, Hauptstraße, Heiligenstedten.

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