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Jurassic Park zum Anfassen

Museum für Erdgeschichte Brügge Jurassic Park zum Anfassen

Schon am Eingang reckt eine 230 Millionen Jahre alte Echse ihren Hals über den Kassenbereich – zumindest eine Nachbildung des Sauriers. Schließlich soll das Museum „Tor zur Urzeit“ die Besucher auch unterhalten. Hier darf man dem Respekt einflößenden Tyrannosaurus ganz cool über die Nase streicheln.

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Geschichte voller Geschichten

 King Kong lebte wirklich: Der Urzeit-Riesenaffe Gigantopithecus ist im Urzeitmuseum Brügge in Originalgröße nachgebildet.

Quelle: Joachim Welding

Brügge. Ob das gar nicht niedliche T-Rex-Junge den unbedarften Ankömmling mit einem Gähnen oder einem Fauchen begrüßt, ist nicht überliefert. Jedenfalls beeindruckt die erschreckend echt nachgebildete Echse mit ihren blitzenden Zahnreihen, wobei es sich ganz sicher nicht um Milchzähnchen handelt. „Unser Tyrannosaurus rex und die anderen Dinosaurier stehen für die Tierwelt der Urzeit. Die Giganten faszinieren die Menschen und bieten eine gute Basis, um mehr über Urzeit, das Leben der Menschen, über die Geologie, die Klimaveränderungen und anderes mehr zu erzählen“, sagt Dr. Gerald Kopp, der 2014 den Bordesholmer Universitätspreis für seine über 25 Jahre währende geowissenschaftliche Arbeit erhalten hat. Der Geologe leitet das Museum ehrenamtlich, es wird von einem Verein getragen. Auch dank guter Kontakte zu vielen wissenschaftlichen Sammlungen in Deutschland konnten Kopp und seine Mitstreiter wertvolle Ausstellungsstücke nach Brügge holen.
Dazu gehört eine Reihe von Dinosaurier-Nachbildungen in Lebensgröße, die einen nachhaltigen Eindruck davon vermitteln, was Steven Spielberg da in seinen Jurassic-Park-Filmen in Bewegung setzte. Kann sich ein Mensch Zeitspannen von 200000 Jahren (damals entstand der „moderne“ Homo sapiens) oder gar 150 Millionen Jahren (zu Zeiten des Riesenfliegers Archaeopteryx) überhaupt klar machen? Die Vorstellung, welche Giganten damals die Erde beherrschten, wird realer, wenn sie näher her-anrücken: Während von dem Urvogel in Nordbayern versteinerte Skelette gefunden wurden, entdeckten Archäologen in einer Kreidegrube bei Itzehoe Knochen und Zähne des bis zu 15 Meter langen Elasmosaurus – der lebte vor 80 Millionen Jahren in unserer Nachbarschaft.
Vertiefen können sich Besucher in die ganze Welt der Saurier: Ein Film im Museumskino macht’s ebenso möglich wie eine Dino-Suchtafel und eine Lernwerkstatt mit 25 Stationen. Natürlich hat die Urzeit deutlich mehr zu bieten. Schon mit den Funden an unseren Stränden geht es los: Im Steinpuzzle bekommen Basalt, Granit und Flintsteine ihren Auftritt – sie alle sind Zeugen aus den verschiedenen Erdepochen. Etwa, als sich die Gletscher aus Skandinavien über Schleswig-Holstein „stülpten“ und die vielen Findlinge mitbrachten, die unser Land bis heute so steinig machen. Und manchmal sind sogar Lebewesen dabei – wie etwa versteinerte Insekten oder die berühmten Mücken, die im Bernstein eingeschlossen sind. Sie hatten ja einst die kühne Film-Vision eines Jurassic Park angeheizt: Kann man aus dem Blut der prähistorischen Mücken, die irgendwann mal einen Dickhäuter angezapft haben, Dino-Erbgut extrahieren? Daraus hat Regisseur Steven Spielberg T-Rex und Raptor wieder lebendig gemacht – zumindest auf der Leinwand. Forscher hatten diesem gefährlichen Traum übrigens kürzlich eine Absage erteilt: Sie konnten keine brauchbare DNA in konservierten Uralt-Insekten finden.
Dafür haben die schaurigen Monster von King Kong über Drachen und Seeungeheuer bis zum einäugigen Zyklopen tatsächlich einen wahren prähistorischen Hintergrund: Den Riesenaffen beispielsweise gab’s tatsächlich. „Der drei Meter große und muskelbepackte Gigantopithecus lebte vor 500000 bis einer Million Jahre im heutigen China und dürfte den damaligen Menschen tatsächlich über den Weg gelaufen sein“, weiß Kopp. Auch das Seeungeheuer lebt in Brügge auf: Der Urwal Basilosaurus erfährt im Obergeschoss des Museums sein Wiedererwachen als Mischung von Seeschlange und Wal. Das 30 Meter lange Riesentier schwimmt dank eines von der Umweltlotterie Bingo geförderten Projektes durch das Obergeschoss. „Mit dieser Mischung wollen wir Wissenschaft und Mythologie verbinden“, erklärt der wissenschaftliche Leiter. Natürlich konnte auch Schleswig-Holstein mit schwimmenden Urzeit-Tieren aufwarten: In Ostholstein fand man Skelettteile von kleinen Bartenwalen und Delfinen, die vor etwa zehn Millionen Jahren in der Ur-Nordsee schwammen. Doch bis das Mammut wie im Animationsfilm „Ice Age“ durch die Eiszeit stapfte, dauerte es noch ein paar Millionen Jährchen. Der Verwandte des Elefanten, dessen wertvolle Skelettnachbildung im Brügger Museum steht, starb vor erst 4000 Jahren aus. Was bei den Dinos nicht klappte, könnte nun beim Mammut wahr werden: Aus einem gut erhaltenen Exemplar konnten Forscher 2013 eine Probe flüssigen Blutes gewinnen. Damit stehen die Chancen nicht schlecht, dass der geklonte Stoßzahn-Gigant irgendwann tatsächlich durch einen „Ice Age Park“ stapft.

Gut zu wissen

Tor zur Urzeit: Museum für Erdgeschichte, Dorfstraße 4, Brügge. Tel. 04322/752595 oder 0178/5618292 und 0171/4156475, Internet: www.torzururzeit.de Öffnungszeiten: Sa und So 10-17 Uhr, Mo-Fr nach telefonischer Vereinbarung. Eintritt: 5 Euro/Kinder 1 Euro. Führungen Erwachsenengruppe 45 Euro (Dauer 75 Minuten), Kindergruppe 30 Euro (Dauer 60 Minuten). Weitere Infos: Museumsführer erhältlich. Café mit selbstgebackenem Kuchen geöffnet bei Voranmeldung. Zahlreiche pädagogische Angebote für Kinder, Schulklassen und Erwachsene (voll
ausgestatteter Klassenraum im Museum, Museumskino). Trägerverein „Tor zur Urzeit e.V.“: info@torzururzeit.de

Am Wegesrand

Kirche St. Johannis: Die schöne Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert hat die Form einer Feldstein-Saalkirche mit eingezogenem Kastenchor,
wie sie typisch ist für die spätromanischen Dorfkirchen in Holstein. Das bedeutendste Ausstattungsstück ist der ungewöhnliche Baldachin-Altar. Im 16. Jahrhundert entstand der Altaraufsatz in der Werkstatt des Meisters Hans Brüggemann, der den weltberühmten Bordesholmer Altar im Schleswiger Dom schuf. Infos: ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis, Dorfstr. 6-8, Brügge; Tel. 04322/4014, www.st-johannis-bruegge.de; Kirchen-Café im „Kleinen Haus“ am Marktplatz (So 14-17 Uhr).
Heimatmuseum Bordesholm: Im Ostflügel des Klosterstifts am Lindenplatz nahe der 700-jährigen Linde werden wechselnde regionale Ausstellungen gezeigt. Im historischen Gewölbekeller ist die Geschichte des Klosters dokumentiert. Besonderheiten sind Grabungsfunde und Devotionalien aus der Klosterzeit. Infos: Lindenplatz 1, Bordesholm, Tel. 04322/751529; Eintritt frei; geöffnet Sa und So 14-17 Uhr, andere
Termine nach Vereinbarung unter Tel. 04322/9824 oder 04322/3243.

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