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Rennfahrer sein für ein paar Runden

Nordseering Büsum Rennfahrer sein für ein paar Runden

Auf dem Nordseering in Büsum können Kinder und Erwachsene in Karts mal so richtig Gas geben.

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Fahrspaß auf dem Nordseering: Die Kinderkarts sind bis zu 25 Stundenkilometer schnell, die Karts für Erwachsene schaffen Tempo 70.

Quelle: khe

Büsum. Wenn ich gewusst hätte, wie cool Kartfahren ist, hätte ich es wahrscheinlich schon viel früher ausprobiert. In Büsum kann man auf dem Nordseering wie ein Rennfahrer um die Kurven sausen, dabei ganz schön ins Schwitzen kommen und sich danach gleich um die Ecke am Strand beim Baden abkühlen. Das ist eine prima Kombination.

Auf dem Nordseering ist alles wie auf einer echten Rennstrecke: quietschende Reifen, knatternde Motoren und Zuschauer am Streckenrand. Eine Boxengasse gibt es auch und eine große Anzeigetafel, auf der alle Rundenzeiten zu sehen sind.

Kinder fahren in Büsum eigentlich auf einer Extrabahn, die 200 Meter lang ist. Aber wenn es noch früh am Tag ist oder nicht so viel Betrieb, dürfen wir auch auf der Strecke der Großen fahren. Die ist 700 Meter lang, hat ziemlich viele Kurven und zwei Geraden. Am besten ist die längere Gerade. Dort kann man ordentlich Gas geben und schnell fahren. „Das Streckenlayout ist durch bewusst große Kurven nicht so anstrengend. Schließlich steht bei uns der Fahrspaß im Vordergrund“, erklärt uns Jörg Martin, der die Büsumer Outdoor-Kartbahn schon seit 18 Jahren betreibt.

Seine Kinderkarts haben fünfeinhalb PS und fahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Die Motoren der Karts für Jugendliche und Erwachsene dagegen sind neun PS stark und erreichen Geschwindigkeiten bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Das ist deutlich schneller, aber in den Kinderkarts kann man genauso viel Spaß haben. Mit einem kleinen Kart die Älteren zu überholen, ist allerdings schwer. Aber einmal hätte es trotzdem fast geklappt. Alle Kinder, die mindestens 1,25 Meter groß sind, dürfen auf dem Nordseering alleine Kart fahren. Wer kleiner ist, kann mit einem Erwachsenen im Zweisitzer Runden drehen.
Bevor es in die Karts geht, erklärt uns ein Mitarbeiter der Anlage, was beim Fahren zu beachten ist. Ganz wichtig: Mit dem rechten Fuß wird Gas gegeben, mit dem linken gebremst. Die Pedale dürfen nie gleichzeitig getreten werden, sonst leidet der Motor und der Fahrer wird verwarnt. Außerdem darf nicht gedrängelt werden, denn Sicherheit geht auf dem Nordseering vor. Wer trotzdem unsportlich fährt, bekommt die schwarz-weiße Fahne als Verwarnung gezeigt oder gar die schwarze, die den Abbruch der Fahrt bedeutet.

Es kann losgehen: Ich ziehe die Sturmhaube über den Kopf, setze den Motorradhelm auf und nehme im Kart Platz. Irgendwie ist mir ein wenig mulmig, weil ich nicht genau weiß, was mich erwartet. Ein Mitarbeiter des Nordseerings startet den Motor meines Karts. Das sieht ein bisschen aus wie bei einem Rasenmäher. Der Mann zieht ein paarmal an der Schnur. Dann knattert der Motor. Das Fahrzeug vibriert. Ganz langsam rolle ich mit dem Kart aus der Boxengasse auf die Bahn, rauf auf die erste Gerade.

Ich trete vorsichtig das rechte Pedal nach unten. Ein kurzer Ruck, dann beschleunigt das Kart und düst über den Asphalt. Das Lenkrad vibriert in meinen Händen. Das macht das Steuern und Lenkradfesthalten ein bisschen anstrengend. Schließlich haben die Karts keine Servolenkung. Langsam fahre ich in die erste Kurve hinein und direkt danach auf die lange Gerade. Gas geben ist angesagt. Das Kart rauscht los. Das fühlt sich super an.

Dann wieder in die nächste Kurve und am Deich entlang, auf dem Schafe in einer langen Reihe hintereinander herlaufen. Die fragen sich wahrscheinlich: Wieso fahren die Menschen bloß da unten bei schönstem Sommerwetter den ganzen Tag auf dem heißen Asphalt im Kreis herum? Ganz einfach: Weil es riesig Spaß macht. Und der Strand kann noch ein paar Runden warten.

Zehn Minuten dauert eine Fahrt auf dem Nordseering. Wie viele Runden man in der Zeit schafft, hängt vom Fahrtempo ab. Von Runde zu Runde läuft es besser. Ich werde mutiger. Das Bremspedal benutze ich immer weniger. Meist reicht es, vor der Kurve den Fuß vom Gas zu nehmen, um sicher darum herum zu kommen. Nach fünf Runden springt die Ampel an der ersten Geraden auf Rot. Das bedeutet: Die letzte Runde bricht an. Also noch einmal das Fahren so richtig genießen. Am Ende der Runde schwenkt ein Mitarbeiter des Nordseerings die rote Fahne. Schade – ich muss zurück in die Boxengasse. Von mir aus könnte eine Kartfahrt ruhig viel länger als zehn Minuten dauern.

Langsam rollt mein Kart zwischen den geparkten Fahrzeugen aus. Am liebsten würde ich direkt wieder auf die Bahn hinausfahren und noch ein paar Runden drehen, jetzt, wo ich weiß, wie man die Kurven nimmt, ohne viel Tempo zu verlieren.

Im Gebäude der Kartbahn drucke ich mein Ergebnis aus. Alle Rundenzeiten sind aufgelistet. Eine Minute und 38 Sekunden habe ich für die schnellste Runde gebraucht. Mit den großen Karts schaffen manche Fahrer sogar eine Rundenzeit unter einer Minute, sagt Jörg Martin. Ob ich das auch irgendwann einmal hinbekomme? Mit ein bisschen mehr Übung vielleicht in ein paar Jahren im Erwachsenenkart. Vorerst geht es mit der Rennlizenz des Nordseerings in der Tasche an den Büsumer Strand. Eine Abkühlung im Meer ist genau das Richtige nach dem Kartrennen. von khe

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