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Inselfeeling auf dem Festland

Naturschutzgebiet Schleimündung Inselfeeling auf dem Festland

„Zutritt verboten“ heißt es an der hölzernen Pforte am Zaun auf der Lotseninsel. Für Unbefugte ist der Weg dort zu Ende. Mit einer Ausnahme: Wenn ein Ausflugsschiff die Halbinsel anläuft, öffnet sich das Tor ins Naturschutzgebiet Schleimündung für die Länge einer vogelkundlichen Führung für jedermann." Von Katrin Heidemann

Exhöft-Seeberg 1, Maasholm 54.69677 10.01568
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Kribbelndes Erlebnis im Wald

Wolfgang Zierau betreut das Areal.

Quelle: Katrin Heidemann

Kappeln/Maasholm. "Kaum hat das Fahrgastschiff aus Kappeln am Anleger der Lotseninsel festgemacht, werden schon die Passagiere von einem Vogelwart des Vereins Jordsand ausdrücklich zum Eintreten in das Naturschutzgebiet eingeladen – was ausschließlich in seiner Begleitung möglich ist. Denn: Die vielfältige Strandwall-Landschaft mit Dünen, Trockenrasen, Salzwiesen und Lagune auf engstem Raum hat durch ihre einzigartige Vielfältigkeit als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für die Vogelwelt internationale Bedeutung. Aus diesem Grund zählt es heute zu den wenigen Strandabschnitten an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, die nicht betreten werden dürfen – außer eben gemeinsam mit dem zuständigen Vogelwart."
"Bereits seit 1922 ist der Verein Jordsand in dem Naturschutzgebiet an der Schleimündung aktiv, das 1927 als Vogelfreistätte Oehe-Schleimünde gegründet und 2011 um den Nordhaken Olpenitz erweitert wurde. Insgesamt umfasst das Gebiet rund 691 Hektar, wovon 127 Hektar Landfläche sind. Neben ehrenamtlichen zweibeinigen Vogelschützern kommen im an die Lotseninsel angrenzenden Gebiet auch vierbeinige zum Einsatz. Als kleine dunkle Punkte sind sie von der Aussichtsplattform am Schutzgebiet in der Ferne zu sehen: „Das sind Galloway-Rinder, die die Heckenrosen und hohes Gras in Schach halten, damit die Bodenbrüter freie Sicht haben und nicht in andere Brutgebiete abwandern“, erklärt Wolfgang Zierau, der das Naturschutzgebiet an der Schleimündung für den Verein Jordsand betreut."
"Bevor er mit den Ausflüglern das Naturschutzgebiet betritt, informiert er über die Besonderheiten der Lotseninsel, wie beispielsweise über die „Giftbude“. „Dort gibt es kein Gift, sondern der Name leitet sich von ’Gabe’ ab. Wer dort früher hinkam, dem wurde etwas gegeben. Als Schleimünde noch ein Nothafen war, hielten die Lotsen Unterkunft und Verpflegung für Seeleute bereit. Später wurde die ’Giftbude’ zum regulären Ausschank“, so Zierau über das kleine Häuschen am Anleger, das heutzutage eine beliebte Einkehrmöglichkeit für Wassersportler und Tagesgäste ist, derzeit allerdings noch für die anstehende Saison vorbereitet wird."
"Auch woher die Lotseninsel ihren Namen hat, erklärt Zierau auf dem Weg ins Naturschutzgebiet: „Einst lag die Schleimündung rund zweieinhalb Kilometer weiter nordöstlich. Es gab Probleme mit der Versandung der Einfahrt, und so wurde 1796 die neue, bis heute bestehende Schleimündung eröffnet. Die Lotseninsel wurde fortan von Lotsen bewirtschaftet, die im Lotsenhaus, heute ein Seminarhaus, lebten. Seit 1980 sind dort keine Lotsen mehr stationiert.“"
"Der Vogelwart öffnet das Tor ins Naturschutzgebiet für die Besucher und stellt auf dem Weg zur Aussichtsplattform eine Quizfrage: „Die Pappelgruppe am Horizont steht nicht nur unter Natur-, sondern auch Denkmalschutz. Warum wohl?“ Bevor er die Antwort gibt, widmet sich Zierau der Vogelwelt und erläutert anhand von Bildern, welche Vogelarten in dem Naturschutzgebiet an der Schleimündung vorkommen. Wie groß die Gefahr ist, beim Spaziergang am Steinstrand eine Brutstätte zu übersehen und hineinzutreten, zeigt er am Beispiel eines „toten“ Nestes aus dem Vorjahr am Strand. Bevor sich das Tor des Gebietes wieder hinter den Tagesgästen schließt, verrät Zierau noch die Antwort auf seine anfängliche Frage: „Die Pappelgruppe ist ein altes Seezeichen und steht deshalb auch unter Denkmalschutz. Auch heute nutzen viele Segler die Bäume noch als Orientierungspunkt.“"
"Dann tutet der Ausflugsdampfer und ruft zur Abfahrt. Der kurze Landgang hat ein Ende, zumindest laut regulärem Fahrplan. Wer länger bleiben will, sagt dem Kapitän Bescheid und geht erst an Bord, wenn das Schiff zum zweiten Mal am Tag die Lotseninsel anläuft. Hat das Schiff abgelegt, kehrt auf der Halbinsel Ruhe ein. Vogelwart, Wassersportler, Lotseninselbeschäftigte, Seminarhausbesucher und wenige übriggebliebene Tagesgäste sind unter sich. Plötzlich fühlt sich die Insel, die eigentlich eine Halbinsel ist, tatsächlich an wie ein Eiland."
"Der Bohlensteg am Strand ist wieder menschenleer. Die Ostsee plätschert an den Steinstrand. Möwen krächzen. Segelboote gleiten am Horizont wie in Zeitlupe vorbei. In Grün und Weiß leuchtet der kleine Leuchtturm an der Einfahrt zur Schlei vor der blauen See. Im Inselgarten vor dem Lotsenhaus laden Strandkörbe zwischen Strandhafer zum Verweilen ein. Für zwei Euro pro Exemplar liegen in einer Kiste vor dem Hafenmeisterbüro gebrauchte Bücher als Lektüre bereit. Weitere Sitzmöglichkeiten, bis das nächste Fahrgastschiff am Horizont erscheint: Die Picknicktische am kleinen Segelhafen, der Sandstrand oder die Terrasse der „Giftbude“. Wer nicht direkt mit dem Ausflugsboot zurückfährt, lernt die idyllische Seite der Lotseninsel kennen. Davon, dass es am Naturschutzgebiet „Zutritt verboten“ heißt, profitieren neben Flora und Fauna auch die Menschen. Denn: So wird die Halbinsel zur ruhigen „Insel“.

Am Wegesrand

Naturerlebniszentrum Maasholm-Oehe-Schleimünde: Auf dem Gelände einer ehemaligen Raketenstation an der Ostsee können Besucher Spannendes über die Schlei und Ostsee erfahren. Die Ausstellung ist bis Ende Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, das Außengelände rund ums Jahr. Eintritt frei, Spende erbeten. Anfahrt: Exhöft-Seeberg 1, Maasholm. Am Wanderparkplatz in Maasholm-Exhöft beginnt ein zwei Kilometer langer Lehrpfad zum Zentrum. Kostenlose Leihfahrräder stehen bereit. Infos: Tel. 04354/809587 und www.naturerlebniszentrum.de

Angelner Dampfeisenbahn: Die Museumseisenbahn mit skandinavischen  Fahrzeugen verkehrt zwischen Kappeln und Süderbrarup. Fahrplan: von Mai bis September mittwochs und sonntags. Fahrpreis: Rückfahrkarte18 Euro/Kinder 9 Euro.

Abfahrtsorte: Bahnhof Süderbrarup und Bahnhofsweg in Kappeln. Infos Tel. 04631/2095 und www.angelnerdampfeisenbahn.de Arnis an der Schlei: Die kleinste Stadt Deutschlands bietet einen Rundwanderweg, eine historische Schifferkirche, Kunsthandwerksbetriebe und Einkehrmöglichkeiten mit Schleiblick.

Gut zu wissen

Lotseninsel: Die Halbinsel ist nur auf dem Wasserweg erreichbar. Von April bis Oktober wird sie mehrmals täglich von Ausflugsschiffen ab Kappeln und Maasholm angefahren. Landgang rund 30 Minuten. Infos: www.lotseninsel.de

  Anreise: Reisedienst Gerda Müller, Tel. 04642/6532, www.schleiraddampfer.de. Fahrpreis: Hin- und Rückfahrt 14 Euro/einfache Fahrt 10 Euro/Kinder von fünf bis 15 Jahren zahlen die Hälfte/Familienrundticket 21 Euro.

Weitere Schiffsverbindungen ab Kappeln: www.schleischifffahrt.de  und www.schlei-ausflugsfahrten.de

Naturkundliche Führungen: täglich außer montags ab dem Anleger der Lotseninsel direkt nach Ankunft der Fahrgastschiffe. Dauer rund 20 Minuten. Info Tel. 04642/ 6817 und www.jordsand.de. Längere Führungen starten täglich außer montags an der Vogelwärterhütte am nördlichen Rand des Schutzgebietes bei Maasholm; Infos unter Tel. 04642/6117.

Wichtig: Die Halbinsel Oehe-Schleimünde darf nur in Begleitung eines Vogelwartes des Vereins Jordsand

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