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Hier darf ich Biobauer sein

Schulbauernhof Helle in Thumby Hier darf ich Biobauer sein

Pony, Huhn und Schaf ganz nah kommen, aber auch ein Stück Verantwortung für die Tiere übernehmen. Was für das Mittagessen zubereitet wird, vorher mit eigenen Händen ernten: Kinder können auf dem Schulbauernhof Helle in Thumby bäuerliche Landwirtschaft im Einklang mit der Natur verstehen und spüren.

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Den Dinos ganz nah

Oh, wie lecker! Der Esel Milka genießt das Futter aus der Hand von Aisha und David.

Quelle: Joachim Welding

Thumby. Aus dem Stall ertönt ein herzhaftes „Iiaaaah“. Das ist für Aisha und David das Signal: Die neunjährigen Schüler der Grundschule Rotenhof in Rendsburg greifen sich die Mohrrüben. Im Stall dürfen sie den Eseln Momo und Milka ganz nah aufs Fell rücken, denn die lieben die herzhafte Mahlzeit aus Menschenhand. Die sympathischen Tiere reißen ungeduldig Stücke aus dem Gemüse und zaubern ein Lächeln in die Kindergesichter. Unterdessen bereitet Hofmitarbeiter Sören mit Eigentümer Heino von Rantzau draußen auf dem Hof die Saftpressmaschine vor: „Wir wollen unsere letzten geernteten Äpfel gemeinsam mit den Kindern in Saft verwandeln“, erklärt der Mitgründer des außergewöhnlichen Bauernhofes.
Die Grundschulklassen, Kindergärten und Urlauberfamilien, die aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg kommen, erleben Landwirtschaft ganz ursprünglich – so wie sie vor 100 Jahren üblich war: traditionell, in Bio-Bewirtschaftung, überschaubar, ganzheitlich. Auf nur zwölf Hektar Land steht der Bioland-Betrieb mit einem alten Bauernhaus und Nebengebäuden, umgeben von Feldern, Knicks und einem Bach, geschützt am Ende einer Sackgasse. Esel und Ponys, Schafe und Schweine, Hühner und Gänse bekommen Getreide aus dem eigenen Ackerbau. Füttern macht den Kinder Spaß. Aber selbst das Ausmisten des Hühnerstalls in einer munteren Gruppe erledigen sie – erstaunlicherweise – ohne Murren.
Auf der Streuobstweise grasen Schafe, die Haupterntezeit an den Obstbäumen ist inzwischen abgeschlossen. Eine Schubkarre mit Quitten wartet gerade auf die Zubereitung vor der Küche. „Wir haben außerdem einen großen Bauerngarten, den unsere kleinen Besucher mit Begeisterung bearbeiten – so haben wir immer eine vielfältige Auswahl an Gemüse, Früchten und Kräutern für unser Mittagessen zur Verfügung“, erzählt Heino von Rantzau, der den Hof 1999 mit seiner Frau Monika gekauft hat, um daraus ein pädagogisches Projekt zu machen. Längst ist der Schulbauernhof vom Land Schleswig-Holstein als „Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit“ zertifiziert. Pro Jahr kommen rund 1000 Besucher, die meist eine knappe Woche bleiben. Schlafen und essen können zwei Schulklassen gleichzeitig in einem Seminargebäude und in einer umgebauten Scheune.
Dabei sehen einige Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben Bauernhof-Tiere. „Einmal fragte uns ein Schüler, warum wir die Aldi-Eier in das Nest vom Huhn gelegt hätten“, berichtet von Rantzau. Immer seltener komme der Nachwuchs in den Genuss des „Traditionswissens“, das früher oft die Großeltern an ihre Enkel weitergegeben haben. Wie backt man Plätzchen? Was wächst draußen in welcher Jahreszeit? Wie verarbeite ich Möhren und Beeren? „Diese Lücke soll der Schulbauernhof schließen. Weil die Kinder hier die Dinge und Abläufe mit eigenen Händen ‚begreifen‘, prägen sie die Erlebnisse auf unserem Hof für lange Zeit ein.“ Der intensive Umgang mit Tieren und Pflanzen berührt emotional, was das Lernen nachhaltig beeinflusst. „Wie positiv unser Schulbauernhof wirkt, sehen wir daran, dass es bei den Schulfreizeiten so gut wie nie zu Aggressionen unter den Kindern kommt“, berichtet Heino von Rantzau.
Die hydraulische Apfelpresse steht bereit, alle 20 Kinder der Rendsburger Schule greifen sich die Früchte und werfen sie in den Trichter. Die Druckplatten schieben sie zusammen. Während aus dem Schlauch duftender Saft in einen Bottich läuft, bleiben die festen Reste als „Trester“ in einem Tuch hängen – die können die Kinder später an die Tiere verfüttern. Nach getaner Arbeit darf gekostet werden. „Ob die wohl besser schmecken als aus dem Supermarkt?“, fragt Sören. Jedes Kind bekommt zunächst ein halbes Glas Saft, und die Reaktionen sind eindeutig: „Ich will noch eins! Schmeckt ganz toll süß-säuerlich!“
Es ist also ganz einfach: So werden Kinder zu Machern statt nur zu Konsumenten. Mit dem Gemüse funktioniert das pädagogische Konzept noch eindringlicher: An einem Tag arbeitet eine Gruppe im Schulgarten, um Kürbisse und Kräuter zu ernten. Am nächsten Tag verarbeiten sie das Geerntete mit der Köchin zu einer Suppe. „Und das Rezept bekommt jedes Kind mit nach Hause“, sagt Heino von Rantzau. „Für unsere Schüler ist es wichtig zu lernen, wie Lebensmittel entstehen und wie sie zubereitet werden“, ergänzt Klassenlehrerin Anke Sieh. Und: „Die Klasse kann eine ganze Woche auf dem Bauernhof bleiben, ohne dass es langweilig wird. Der Zusammenhalt wird gestärkt.“ Die Schüler versorgen morgens die Tiere und den Garten, und nachmittags können sie ohne Gefahr frei spielen – auf der Spielwiese, in den Knicks oder am Bach. Gruppen, die mehr erleben möchten, wandern zur nahe gelegenen Schlei oder zum hofeigenen Hochmoor.

Gut zu wissen

Schulbauernhof: Angebote für Schulklassen (Klassenfahrten Mo-Fr) und Kindergärten sowie interessierte Privatleute und Urlauber; Besichtigungen und Kurse auf Anfrage. Hofladen mit eigenen Produkten (Öffnungszeiten telefonisch erfragen). Unterkünfte für Schulklassen und Ferienwohnungen auf dem Hofgelände. Hof Helle bietet Plätze für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), für Berufs und Wirtschaftspraktikanten sowie für Studienpraktikanten (Studenten der Pädagogik und Sozialpädagogik, sozialen Landwirtschaft und Ökotrophologie). Infos: Helle 2, 24351 Thumby/Kreis Rendsburg-Eckernförde. Kostenlose Parkplätze vor dem Eingang. Tel. 04352/911666, www.schulbauernhof-helle.de

Am Wegesrand

Naturerlebniszentrum Ehemalige Ziegelei Borgwedel: Bis 1956 befand sich in Borgwedel eine der zahlreichen Ziegeleien der Region. Im Naturerlebnisraum Ziegelei können Besucher direkt am Schleiufer die Spuren der industriellen Nutzung entdecken: Die Gruben des Tonabbaus
sind ebenso sichtbar wie die Fundamente der Trockenschuppen, alte Ziegel und Fehlbrände am Schleiufer. Ausführliche Informationstafeln an
einem Rundweg mit schönem Schleiblick ergänzen diese Zeugnisse. Ganzjährig geöffnet, Eintritt frei, Führungen nach telefonischer Anmeldung. Infos: Achterwisch, 24857 Borgwedel, Tel. 04351/735155 oder 0170/7769857 (Dietmar Ulbrich).

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