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Piraten werden auf See gemacht

Sylt Piraten werden auf See gemacht

Piraten sind laut und gefährlich. Sie entern andere Schiffe und gehen auf Schatzsuche. So ist es auch bei den Piratenfahrten auf der „Gret Palucca“, die von List auf Sylt aus starten. Von Katrin Heidemann

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Mit lautem Gebrüll kehren die kleinen Piraten von ihrer Kaperfahrt zurück in den Hafen.

Quelle: Katrin Heidemann

Sylt. Als Hilfspiraten lernen wir unterwegs vom Piratenkapitän alles, was man als Seeräuber können muss.

 „Ihr seid jetzt Piraten. Also müsst Ihr laut sein“, ruft unser Kapitän. „Aye, aye, Käpt'n. Verstanden“, antworten wir laut. Unser Piratenanführer hat dunkle Augenringe, trägt eine schwarze Pluderhose, ein weißes Hemd, Stiefel, eine Weste und ein Piratentuch. Holger, so heißt unser Käpt’n, sieht aus wie ein echter Seeräuber, ein wenig furchteinflößend. Er wird auch aus uns „richtige“ Piraten machen.

 Als erstes verpasst er uns das entsprechende Outfit: ein rot-weiß-gestreiftes T-Shirt, ein schwarzes Kopftuch mit weißen Totenköpfen, einen Strick als Gürtel sowie eine Pistole und einen Säbel aus Kunststoff. Die erwachsenen Mitfahrer, die „Verwachsenen“, wie Holger sie nennt, tragen rot-weiße Matrosenmützen. Lustig sehen sie damit aus, aber längst nicht so cool wie wir Piraten.

 An Bord der „Gret Palucca“ warten schon Steuermann Marcus und Bootsmann Jens auf uns. Treffpunkt für alle Piratenanwärter ist die Kanone am Bug. Unsere Eltern müssen mittschiffs Platz nehmen. Zwischen uns und ihnen hängt „Horst“ in einem Käfig, ein Skelett im Piratenoutfit – natürlich kein echtes. Damit uns die Erwachsenen nicht ärgern, überfallen und fesseln wir sie. Fesseln gehört schließlich zu unserer Grundausbildung an Bord. In unserem Piratenpatent wird später eine Note dafür stehen, nämlich eine 1+.

 Mit Bootsmann Jens hissen wir die Totenkopfflagge. „Jolly Roger“ heißt die, erklärt uns Holger. Dann halten wir am Bug Ausschau nach Schiffen zum Entern. Als erstes kommt die Dänemark-Fähre, die zwischen Sylt und Röm hin- und herfährt, in Sicht. „Die ist zu groß zum Überfallen. Die fahren einfach über uns drüber, wenn wir sie angreifen“, winkt Holger ab, „wir brauchen ein kleines Boot das gerade aus Dänemark zurückkommt.“

 Solange kein Schiff zu sehen ist, erzählt unser Oberpirat von einer Schatzkarte, die er beim Würfelspiel gewonnen hat. Aber wo ist sie geblieben? Er weiß es nicht mehr. Gemeinsam suchen wir das ganze Schiff gründlich von hinten nach vorne ab. Irgendwo muss sie sein. Wer uns beim Suchen im Weg steht, wird durchgekitzelt. Endlich finden wir die Karte. Wo, wird nicht verraten. Zerfleddert ist sie und bräunlich. Der Königshafen und das Ostfeuer am Sylter Ellenbogen sind darauf eingezeichnet. Der Schatz muss also ganz in der Nähe sein.

 Wo genau, beschreibt ein Rätsel: „Die Karte allein genügt nicht, Du Wicht. Nur die Zahl der Toten spricht.“ Aber was soll das bedeuten? Und was heißen die Zahlen „acht tote Matrosen und vier tote Piraten“? Mit Holgers Hilfe finden wir es nach und nach heraus und entdecken, dass der Schatz im verbotenen Gebiet liegt. Kein Problem – Piraten dürfen überall hin.

 Auf der Brücke der „Gret Palucca“ zeigen wir Steuermann Marcus die Schatzkarte, aber der ist ein Angsthase und will uns nicht ins verbotene Gebiet fahren. Erst als wir ihn mit einem Becher „Piraten-Brumm-Brumm“, ein Piratenschluck, den eigentlich nur Seeräuber bekommen, bestechen, macht er es doch. Aber wie kriegen wir die Schatztruhe vom Meeresboden hoch? Kann irgendjemand von uns so tief tauchen? Nein. Also muss ein Netz zum Hochziehen her.

 Während wir noch nach dem Schatz Ausschau halten, nähert sich ein rotes Boot, die „Rosa Palucca“. „Klar zum Entern“, ruft Holger. Wir verstecken uns hinter der Reling und lassen die „Verwachsenen“ winken und so tun, als wären sie harmlose Touristen. Dann greifen wir mit Geschrei und erhobenen Waffen an und erbeuten einen ganzen Haufen Goldmünzen. Lecker, die sind nämlich aus Schokolade.

 Kurz danach geht uns auch der Schatz ins Netz. Mit Hilfe einer Winde hievt unser Piratenkapitän die schwere Holzkiste an Bord. Zusammen entziffern wir die eingeritzte Inschrift auf der Truhe. Dann wird es spannend. Was ist in der Schatztruhe verborgen? Natürlich noch mehr Goldmünzen, allerdings diesmal nicht essbar. Die werden wir später im Hafen gerecht aufteilen.

 Außerdem krabbeln etliche Meeresbewohner über den Boden der Kiste. Bootsmann Jens erklärt sie uns, zum Beispiel den Einsiedlerkrebs im großen Schneckenhaus. „Holländer“ nennt er den, weil die ja auch immer ihr Haus in Form von Wohnwagen mit dabei haben. Nachdem wir alle Seesterne, Austern, Muscheln und Krebse angeschaut haben, entlassen wir sie wieder ins Meer. Nur die Goldmünzen geben wir natürlich nicht aus der Hand.

 Es wird Zeit, von der Kaperfahrt zurückzukehren und wieder List anzulaufen. Mit lautem Gebrüll und erhobenen Waffen geht es in den Hafen zurück. Denn: Piraten sind laut und gefährlich – das haben wir unterwegs gelernt. Am Kai stehen Touristen und gucken neugierig. Nicht mehr als Piratenanwärter, sondern als echte Seeräuber verlassen wir das Schiff. An Land teilen wir die Münzen auf und bekommen unser Piratenpatent. Wir haben bei der Piratenausbildung gut abgeschnitten: in den Fächern „Schiffskunde“, „Fesseln“ und „Fluchen“ haben wir überall eine Eins. Spannend war es als Seeräuber auf der „Gret Palucca“, und nur ungern legen wir das Piraten-Outfit wieder ab.

Gut zu wissen

Piratenfahrt Sylt: Abenteuerfahrt mit Schatzsuche für Kinder im Alter von vier bis acht Jahren.

Termine: bis Ende August täglich Montag bis Freitag, im September Dienstag, Mittwoch und Freitag, im Oktober Freitag sowie am 3. Oktober, jeweils von 16.15 bis 18.15 Uhr. Abfahrt ab Hafen List mit dem Schiff „Gret Palucca“.

Kosten : Erwachsene 22 Euro, Kinder (vier bis 14 Jahre) 17 Euro. Tipp: wegen der großen Nachfrage Tickets online oder vor Ort im Vorverkauf lösen. Verkaufsstellen auf Sylt: Hafen List, Hafen Hörnum, Bahnhofsvorplatz Westerland.

Wichtig: Kinder können nur in Begleitung Erwachsener teilnehmen.

Info: Tel. 01805/123344 (14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, mobil maximal 42 Cent/Minute) und www.adler-schiffe.de

 Am Wegesrand

Erlebniszentrum „Naturgewalten Sylt“: Ausstellung zum Mitmachen und Ausprobieren zu den Themen Klimawandel und Naturgewalten. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr, im August bis 19 Uhr. Eintritt: Erwachsene 14 Euro, Kinder 8,50 Euro. Anfahrt: Hafenstraße 37 in List/Sylt. Info: Tel. 04651/836190 und www.naturgewalten-sylt.de

Kinder-Strandolympiade: Spiel, Spaß und Sport mit Strandanimateuren. Teilnahme kostenlos. Termine: 5., 12., 19. und 26. August jeweils von 15 bis 17 Uhr. Treffpunkt am Oststrand (Strandversorgung Austernperle).

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