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Majestätische See-Perspektiven

Westensee Majestätische See-Perspektiven

Die Badestelle am Westensee neben dem historischen Ortskern der gleichnamigen Gemeinde gehört zu den Lieblingszielen ausflugsfreudiger Kieler. Was viele nicht wissen: Hier gibt’s was zu erklettern – den Tüteberg. Ein Wanderwegenetz erschließt das Herz des Naturparks Westensee mit sanften Hügeln und Tälern, Wiesen, Wäldern und Mooren. Das hört sich ja nicht gerade nach viel an: 88 Meter und 30 Zentimeter!

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Inselfeeling auf dem Festland

 Schleswig-Holstein von seiner schönsten Seite: Vom 88 Meter hohen Tüteberg reicht der Blick über das Rapsfeld bis nach Kiel.

Quelle: Joachim Welding

Westensee. Die fünfthöchste Erhebung im Kreis Rendsburg-Eckernförde müsste sich doch eigentlich mit links erklimmen lassen. Naturführerin Gudrun Aschenbach warnt schon mal vor: „Viele Urlauber sind erstaunt, dass es in dieser Gegend so hügelig ist. Daher rührt auch der alte Name Eiderschweiz.“ Klar ist also: Die fünf Kilometer lange Tour führt über unbefestigte, aber gut ausgeschilderte Wanderwege, die abschnittsweise ziemlich steil bergauf führen. Wanderschuhe und Regenjacke, vielleicht auch eine Mütze, können nicht schaden – denn ganz oben kann der Wind ungehindert durch den Naturpark pusten. Barrierefrei ist es hier auf jeden Fall nicht. Die Tour startet ohne Natur, dafür mit der ganzen Schönheit des 1500- Einwohner-Dorfes Westensee: Die Catharinenkirche aus dem 13. Jahrhundert besticht mit ihrer gotischen Architektur aus Feld- und Backsteinen und gilt als Wahrzeichen der Gemeinde.

Die eindrucksvolle Dorfkirche bildet zusammen mit Pastorat, Alter Schule und dem ehemaligen Gasthof Beckmann den historischen Ortskern – verbunden ganz stilecht mit einer Kopfsteinpflasterstraße. Auf der führt die Tour Richtung Ortsausgang in „zweiter Reihe“ am Westensee entlang, denn die Grundstücke direkt am Ufer sind in Privatbesitz. „Eigentlich sollte die Kirche nicht hier stehen, sondern oben am Tüteberg“, erklärt Gudrun Aschenbach. „Der Sage nach hatten die Mönche mehrfach versucht, an ihrem favorisierten Standort ein Fundament zu legen. Doch am nächsten Morgen waren die Steine verschwunden und lagen an der Stelle, an der heute die Catharinenkriche steht.“ Der Teufel persönlich soll seine Finger im Spiel gehabt haben, vermuteten die Westenseer.

Der habe die Steine immer wieder vom Tüteberg heruntergeschafft, der als heidnische Kultstätte galt. Die Mönche fügten sich und bauten schlussendlich eine Etage tiefer. Ein Schild „Tüteberg“ weist an einem alten Haus mit bewachsenem Giebel zur Rechten auf einen schmalen Wanderweg. Der Aufstieg kann beginnen! Es geht vorbei an Streuobstwiesen, bis ein besonderer Pfad quert – der Hochzeitsweg führt von der Kirche ins Grüne und Gelbe. So leuchtet in diesen Tagen der Raps am Fuß des Tütebergs, der in seiner ganzen Pracht vor dem Auge aufragt. Zwischen den Feldern klettert die Route zwischen den sanft nach Honig duftenden Ölpflanzen ziemlich steil bergauf. Je höher sie führt, desto eindrucksvoller weitet sich das Panorama über die Seenlandschaft des Naturparks. „Schauen Sie mal dort drüben – das müsste der sogenannte Weiße Riese in Kiel-Mettenhof sein“, meint die Exkursionsleiterin. Die Erkenntnis, dass man ein schnödes Hochhaus gesichtet hat, gleicht einem Kulturschock in schönster Natur. Zugegeben, es ist nur ein kleiner Fleck, der die landschaftliche Schönheit nicht mindern kann.

Immer wieder entlang des Weges laden Holzbänke zum Verweilen ein – über 50 sollen es in Westensee sein. Vorbeikommende Spaziergänger grüßen freundlich, das Naturerlebnis im Obergeschoss lässt ihnen offenbar das Herz aufgehen. Auf zur letzten Etappe, die die Waden reizt! Durch ein Gatter und über eine Schafweide geht es hoch zu einer großen Wiese mit einem markanten Punkt: Ein Ahornbäumchen markiert den höchsten Aussichtspunkt, umgeben von Bänken. Wanderer mit Ferngläsern genießen die freie Sicht, selbst Mütter mit Kinderwagen haben sich heraufgetraut. Pferde tummeln sich unterhalb auf der Weide. „Über lange Zeit stand hier oben eine knorrige, recht gebeugte Eiche“, erzählt Gudrun Aschenbach.

Auch dazu kennt sie eine alte Geschichte: „Zwei Holzdiebe, die der Förster auf frischer Tat ertappt hatte, flüchteten, und der eine stieß noch einen Wunsch aus, bevor er gestellt wurde: Ich wünschte, ich wär ein Baum!“ So geschah es. Und der erboste Förster legte Hand an und drückte die Eiche herunter. Windschief präsentiert sich heute auch schon der junge Ahorn. Der eigentliche Gipfel von 88,3 Metern Höhe liegt übrigens in einem Wäldchen nebenan und ist nicht zugänglich.

Zurück ins Dorf führt ein Rundweg vorbei an einer Plantage mit Kirschbäumen, die ihre Blütenblätter bereits abgeworfen haben und die nun den Weg farbig sprenkeln. Hier geht die Natur- mit der Kulturlandschaft Hand in Hand, denn rund um Westensee hat eine Reihe von Großgrundbesitzern die Entwicklung der Region über Jahrhunderte bestimmt. Davon zeugen die Herrenhäuser Schierensee, Deutsch-Nienhof und Emkendorf mit ihren gepflegten Parkanlagen. Noch mehr Einfluss hatten vor langer Zeit die Gletscher, die – aus Skandinavien heranrutschend – die Bergund Tallandschaft geformt haben. Gudrun Aschenbach demonstriert zurück an der Badestelle des Westensees, wie das damals gelaufen ist: Sie nimmt ein weißes Tuch, formt es eisbergmäßig mit der Hand und schiebt den Strandsand zu einem Hügel („dem Tüteberg“) auf. Davor hinterlässt sie eine tiefe Mulde und erklärt diese kurzerhand zum Westensee. Wie dieses Wunder gelang? Das ist eine ganz andere Geschichte. Schleswig-Holstein von seiner schönsten Seite: Vom 88 Meter hohen Tüteberg reicht der Blick über das Rapsfeld bis nach Kiel.

Gut zu wissen

Start- und Zielpunkt der Wanderung: Parkplatz am See, Am See 1, Westensee.

Karten: Wander- und Freizeitkarte Nr. 6, Rendsburg – Neumünster, 1:50.000

Herausgeber: Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein Naturpark Westensee Nortorfer Land mit Ausflugszielen, Einkehr- & Freizeittipps, 1:30.000, Public Press – Die Karten mit der Sonne 551

Infos über die Gemeinde: www.gemeinde-westensee.de

Exkursionen: Mit Natur- und Landschaftsführerin Gudrun Aschenbach geht’s zum „Panoramablick vom Tüteberg über den Westensee“. Termine am 6./7. Juni mit Anmeldung, jeweils 14-16 Uhr. Andere Termine nach Absprache. 5
Euro pro Person. „Botanische Wanderung in Westensee“, Termine im Juni und Juli nach Absprache, 14-17 Uhr, 7.50 Euro pro Person;

Familienführung Walderlebnistag: Besuch bei den Baumkindern“, Pfingstsonntag und -montag, 14-17 Uhr. Treffpunkt Seeweg, Wrohe, Badestelle/Campingplatz. Kosten 7,50 Euro. Kontakt Tel. 04347/ 9545, E-Mail jugasch@web.de

Am Wegesrand

Catharinenkirche Westensee: Die mächtig wirkende Dorfkirche entstand im 13. Jahrhundert und war als Wallfahrtsort bekannt. Das aus Feld- und Ziegelsteinen erbaute Gotteshaus verfügt über einen kleinen, viereckigen Turm und eine Reihe von angebauten Kapellen, in denen Verstorbene der regionalen Adelsfamilien beigesetzt wurden. Teile des spätgotischen Schnitzaltars sind erhalten. Die Kirche ist im Frühjahr und Sommer auch werktags geöffnet. www.kirchengemeindewestensee.de
Gut Emkendorf: Das nahe des Westensees gelegene Gut zählt zu den größten adligen Besitztümern Schleswig-Holsteins. Im 18 Jahrhundert entwickelte sich das Anwesen unter Detlef Graf Reventlow zu einem wichtigen Treffpunkt von Denkern und Künstlern, darunter Friedrich Gottlieb Klopstock und Matthias Claudius. Die jetzige Besitzerfamilie Heinrich öffnet das Herrenhaus für Konzerte, Besichtigungen, Feste und Gästeübernachtungen. Herrenhausverwaltung, Gutshof 3, Emkendorf; Tel. 04330 / 994690, www.herrenhaus-emkendorf.de

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