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Landtagswahl 2012 Der lange Weg zum Schulfrieden
Landtagswahl 2012 Der lange Weg zum Schulfrieden
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09:09 18.04.2012
Von Bodo Stade
Zum Lernen braucht man Ruhe: Die gab es in den Schulen allerdings nur selten. Schüler, Eltern und Lehrer beklagten vor allem, dass die Politik mehr über die Strukturen als über die Inhalte von Unterricht diskutiert. Quelle: Foto: dpa
Kiel

Wer einmal das Wort „Schulfrieden“ bei Google eintippt, der wird sich wundern. 419000 Treffer in weniger als einer Sekunde sind das Ergebnis. Wie groß muss die Sehnsucht nach Ruhe und Planbarkeit da wohl erst in den Klassenzimmern und Kollegien sein?

Im Jahre fünf nach der großen Schulreform von CDU und SPD scheint Schleswig-Holstein davon so weit entfernt zu sein wie eh und je. Der Kompromiss, den die beiden großen Parteien mit der Einführung von Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen 2007 gefunden hatten, ist brüchig geworden. Der Abbau von Lehrerstellen hat begonnen. Und im ländlichen Raum wächst die Sorge um die Zukunft der kleinen Schulstandorte.

Wie kann es da Schulfrieden geben? Die CDU, die den Schulen eigentlich schon im Wahlkampf 2009 „konstruktive Ruhe“ versprochen hatte, gibt darauf eine simple Antwort. Keine weiteren Reformen, sagt Spitzenkandidat Jost de Jager, der im Rückblick selbstkritisch einräumt: „Wir haben unterschätzt, dass auch kleine Veränderungen zu großer Unruhe führen können.“ Die Christdemokraten ziehen deshalb mit einem Bekenntnis zu den bestehenden Strukturen in den Wahlkampf. Sie akzeptieren den von der FDP geforderten Weg, an Gymnasien auch in neun Jahren zum Abitur zu kommen (G9). Und auch an den neu geschaffenen Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen will die Union nicht rütteln. Gleichwohl setzt sie darauf, dass beide Schularten über kurz oder lang zusammenwachsen. Die Weichen sind durch die schwarz-gelbe Schulgesetznovelle gestellt.

Ist das der Schulfrieden? Die SPD sagt natürlich Nein. Um Ruhe an die Schulen zu bringen, müssten aus Sicht der Genossen erst einmal eine ganze Reihe von schwarz-gelben Beschlüssen rückgängig gemacht werden. So sollen beispielsweise die Gemeinschaftsschule wieder mehr Differenzierungsstunden erhalten, weil nur so längeres gemeinsames Lernen möglich sei. Andernfalls würden vermutlich noch mehr Kollegien auf die Idee kommen, doch wieder abschlussbezogene Klassen einzurichten. Das ist nicht im Sinne der Sozialdemokraten, die ebenfalls ein zweigliedriges System anstreben. Dafür sollen alle Regionalschulen zu Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. Und: Geht es nach der SPD, wird es künftig keine neuen G9-Angebote mehr an den Gymnasien geben. Grundsätzlich gilt die Formel: G8 an den Gymnasien, G9 an den Gemeinschaftsschulen. Den Vorwurf, die Gymnasien schwächen zu wollen, weisen die Genossen zurück. Ihr langfristiges Ziel ist aber „eine Schule für alle“.

Allein stehen sie mit ihren Überlegungen nicht. Auch der SSW und die Grünen setzen auf die Gemeinschaftsschule. Die Grünen wollen die Regionalschulen aber „nicht auf Knopfdruck“ umwandeln und würden es auch bei den bestehenden G9-Angeboten belassen. Sie werben weiter für einen runden Tisch, an dem sich alle Beteiligten zusammenraufen. Die überparteilich gefundene Lösung sollte dann – so die Vorstellung der Grünen – tatsächlich einmal zehn Jahre lang Bestand haben.

Den schwierigsten Stand in der Schulpolitik haben die Liberalen. Der Ruf von Bildungsminister Ekkehard Klug ist am Ende der Legislatur irreparabel beschädigt. Ihm werden Entscheidungen gegen die Gemeinschaftsschulen und eine rückwärts gewandte Schulpolitik angekreidet. Selbst an den Gymnasien sorgte er mit der neuen Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 monatelang für Ärger. Dennoch möchte die FDP mit diesem Thema punkten. Sie garantiert, dass es auch in Zukunft G9 an den Gymnasien geben wird. Das entspricht dem Wunsch vieler Eltern, die das Turbo-Abi als zu anstrengend ablehnen. Und die jüngsten Zahlen geben den Liberalen recht. Die 15 Gymnasien, die im Land G9 anbieten, freuen sich über wachsenden Zulauf.

Wie gut Schule funktioniert, ist für viele Politiker aber auch eine Frage des Geldes beziehungsweise der Lehrerstellen. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Schüler bis 2020 um rund 60000 sinkt, hat die schwarz-gelbe Landesregierung beschlossen, im selben Zeitraum 3650 Lehrerstellen zu streichen. Ob es bei diesem Plan bleibt, wird sich am 6. Mai zeigen. Inzwischen hält an diesem Beschluss nur noch die CDU eisern fest. Die FDP würde den Kurs gern lockern. Die SPD will nur die Hälfte der rechnerisch frei werdenden Stellen einsparen. Die Grünen versprechen, dass sie bis 2015 am Lehrerbestand gar nichts ändern werden. Wie es danach weitergeht, hänge von der Finanzlage ab. Auch das klingt alles nicht nach Schulfrieden.

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