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Ein Pirat auf Stimmenfang

Torge Schmidt ist der jüngste Spitzenkandidat Ein Pirat auf Stimmenfang

Der Kurs ist klar: Am 6. Mai wollen die Piraten das Landeshaus entern. Die jüngsten Umfragen sehen die Partei bei satten zehn Prozent. Das hätte selbst Spitzenkandidat Torge Schmidt nicht für möglich gehalten.

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ARCHIV - Torge Schmidt, Spitzenkandidat der Piratenpartei in Schleswig-Holstein, spricht am 19.03.2012 auf einer Pressekonferenz in Neumünster. Schleswig-Holstein wählt am 6. Mai 2012 einen neuen Landtag. Foto: Christian Charisius dpa/lno (zu dpa-Themenpa

Quelle: Christian Charisius

Kiel. Die Kaperbriefe, so nennen die Piraten ihre Wahlkampfzeitung, werden ihm derzeit regelrecht aus der Hand gerissen. „Und das Tollste ist. Die Leute lesen sie auch“, sagt Torge Schmidt. „Das Interesse ist echt cool.“

 Seit gerade mal drei Jahren ist der Groß- und Außenhandelskaufmann bei den Piraten. In der jungen Partei gehört er damit aber schon fast zum Urgestein. Wie so viele andere trat er der Partei aus Protest gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung ein, kümmerte sich dann vor allem um Fragen der Netzpolitik und wurde mit 23 Jahren quasi über Nacht zum jüngsten Spitzenkandidaten, der jemals bei einer Landtagswahl angetreten ist. Erst am Abend vor dem Parteitag hatte er sich für die Bewerbung entschieden und wurde dann – zu seiner eigenen Überraschung – auch prompt gewählt.

 Der eher ruhige Schmidt befindet sich deshalb in einer für ihn ungewohnten Situation. Plötzlich ist er eine Art Vorzeige-Pirat und muss viele Fragen beantworten – nicht nur nach Transparenz, Bürgerbeteiligung und Urheberrecht, sondern auch nach seiner Familie.

 Der Erfolg der Piraten könnte nämlich zu einer kuriosen und sehr familiären Zusammensetzung der Landtagsfraktion führen. Der Grund: Hans-Heinrich Piepgras, Landeschef der Piraten, ist der Stiefvater des Spitzenkandidaten und kandidiert auf Platz sieben. Birgitt Piepgras, die Mutter von Torge Schmidt, folgt auf Platz neun. Ziehen die Piraten also mit neun Kandidaten in den Landtag ein, würde allein die Familie ein Drittel der Fraktion stellen.

 Ob es wirklich so kommt, ist ungewiss und für die Piraten offenbar kein Problem. „Das war in der Partei nie ein Geheimnis“, betont Schmidt, der schon seit 2007 nicht mehr zu Hause wohnt. „Jeder von uns hat eigenständig kandidiert.“ Hinzu kommt: Als die Liste im vergangenen Jahr aufgestellt wurde, habe noch niemand daran gedacht, dass so viele Piraten den Sprung ins Parlament schaffen könnten.

 Mehr zu schaffen macht Schmidt derzeit die Debatte um vereinzelte rechtsextremistische Äußerungen aus den Reihen der Piraten. „Ich muss mich immer wieder dazu äußern, obwohl ich dazu wirklich keinen Bock habe“, sagt er und fordert: „Wir müssen uns klar abgrenzen gegen rechts.“ Der Parteiausschluss eines ehemaligen NPD-Mannes in Mecklenburg-Vorpommern habe ihn deshalb „tierisch gefreut“.

 Doch auch in seinem Landesverband gärt es. Nach einer umstrittenen Äußerung über den Zentralrat der Juden droht dem Lübecker Direktkandidaten Manfred Vandersee nun ein Parteiausschlussverfahren. Ein entsprechender Antrag ist gestellt. Und was sagt Schmidt zu Vandersee? „Die Äußerung war selten dämlich. Als Rechtsextremisten kann man ihn aber nicht bezeichnen.“

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Ein Artikel von
Bodo Stade
Stellvertretender Chefredakteur