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Landtagswahl 2012 Er muss mal kurz die Welt retten
Landtagswahl 2012 Er muss mal kurz die Welt retten
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17:41 17.04.2012
Wolfgang Kubicki will die FDP wieder in den Landtag führen. Quelle: pae
Kiel

Man kennt sich. Hier in Strande, wo die Welt noch in Ordnung ist. Auch für die Liberalen und vor allem für Wolfgang Kubicki. Seit zwei Jahrzehnten lebt er in dem kleinen Ostseebad, genießt im Sommer die Abende auf seinem Motorboot bei einem Glas Wein oder besucht das Strandhotel, das für den rastlosen Freidemokraten so etwas wie ein zweites Zuhause geworden ist. Ein Schutzraum, wie er sagt, in dem er immer freundlich aufgenommen wird, wo Hände geschüttelt werden und wo die anderen Gäste dem Wahlkämpfer ein ehrlich gemeintes „Mast- und Schotbruch“ und „Toi, toi, toi“ mit auf den Weg geben. Ach, könnte es doch überall so sein wie in Strande.

 Ist es aber nicht. Die Welt der Liberalen ist schwer angeschlagen. Und Wolfgang Kubicki mit einem gefühlten Bekanntheitsgrad von 99 Prozent hat die Mission, sie zu retten. Es ist eine schwierige Mission. Manche sagen, sie sei kaum zu bewältigen. Aber Kubicki schreckt das nicht. Je größer die Aufgabe, desto besser. Dann kann er zeigen, was er kann. Kubicki weiß schließlich vieles besser und kann vieles besser. Sagt er.

 Natürlich muss auch er jetzt mächtig kämpfen. Als Anwalt und Strafverteidiger ist Kubicki das aber gewohnt. Er hat die Affäre um die Mülldeponie Schönberg überstanden und durchgestanden – so lange, bis von den Vorwürfen nichts übrig blieb. Er hat große Prozesse geführt. „Lucona“, Volkswagen. Er hat es zu Wohlstand gebracht, ist wirtschaftlich unabhängig. Darauf ist er stolz. Angeben muss er gar nicht. Er kann sich einfach eine Menge leisten – zum Beispiel zu sagen, was andere nur denken.

 In Schleswig-Holstein ist ihm das bisher gut bekommen. Hier ist er die unangefochtene Nummer 1. Seit mehr als 40 Jahren in der FDP, seit mehr als 16 Jahren Vorsitzender der Landtagsfraktion, zum fünften Mal in Folge Spitzenkandidat – es gibt Leute, die sagen: Die FDP in Schleswig-Holstein, das ist Wolfgang Kubicki. Und damit liegen sie nicht mal falsch. Im Bund dagegen treibt er die Liberalen immer wieder zur Verzweiflung, wenn er sich mal wieder die eigenen Leute vorknöpft oder den Zustand seiner Partei mit der „Spätphase der DDR“ vergleicht. Damit macht man sich keine Freunde. Aber das weiß er selbst.

 Es muss ihn jetzt auch nicht sorgen. Denn aus Berlin ist kein böses Wort mehr über den Querdenker zu hören. Gebannt schauen sie auf seinen Wahlkampf. Schafft es Kubicki, die FDP wieder in den Landtag zu bringen, wäre das eine Meisterleistung und genau der richtige Rückenwind für Nordrhein-Westfalen, wo eine Woche später gewählt wird. Gelingt in beiden Bundesländern der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde, könnten die Liberalen im Bund tatsächlich aufatmen. Es wäre die Trendwende. Und Kubicki wäre der Größte. Gelingt es nicht, „können sie abschließen“.

 Damit das nicht passiert, zieht der Medienprofi gerade alle Register. Seine Fernseh-Präsenz hat schon fast Seriencharakter. Von Jauch bis Lanz – fast täglich grüßt der Spitzenkandidat, um für sich und die liberale Sache bundesweit zu werben. Eingeladen wird er gern. Kubicki ist unterhaltsam und lässt keine gute Pointe aus. Das kommt an. Die Resonanz sei positiv, berichtet der Spitzenkandidat, der erkannt hat, dass diese Wahl auf den Marktplätzen des Landes allein nicht zu gewinnen ist. „Wenn wir auf Bundesebene keinen Boden unter die Füße bekommen, kann ich mich hier abstrampeln, so viel wie ich will.“ Es muss also am ganz großen Rad gedreht werden. Wer kann das besser als Kubicki?

 Der glänzende Rhetoriker, der gern austeilt, aber nicht ganz so gern einsteckt, zeigt dabei auch eine neue Seite. Der „eitle Selbstdarsteller“ (Kubicki über Kubicki), der einmal feststellte, er habe „die Ausstrahlung eines Kühlschranks“, bekennt sich nun auch schon mal zu der Freude, Großvater zu sein, schwärmt in einem Interview über das erste Lächeln des Enkelkindes und spricht stolz über seine erwachsenen Zwillingstöchter. Ist das ein neuer, ein nachdenklicher Kubicki? Nein, nachdenklich sei er schon immer gewesen, sagt er. Man habe es ihm nur nicht abgenommen, weil er schon immer schnell geredet und schnell gehandelt habe. Dass er jetzt anders wahrgenommen werde, müsse wohl am Alter liegen.

 Auch das ist ein Thema für Wolfgang Kubicki, der erst vor wenigen Wochen seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Leidgeprüfte Parteifreunde wie Guido Westerwelle und Philipp Rösler waren übrigens auch dabei und überschütteten den frechen Freidemokraten mit Lob. Der fand das amüsant: „Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, über wen die da eigentlich reden.“ Typisch Kubicki.

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