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Kubicki rockt die FDP

Jubel bei den Liberalen Kubicki rockt die FDP

Kubicki Superstar: Der von Parteifreunden gern als „Quartalsirrer“ verhöhnte 60-Jährige zieht die FDP in Schleswig-Holstein ganz allein aus dem Dreck. Das gibt Auftrieb für NRW. Aber Parteichef Rösler bleibt in der Schusslinie.

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Freut sich mit seiner Partei: Wolfgang Kubicki.

Quelle: Foto: Reuters

Kiel. Hurra, wir leben noch: Nach fortgeschrittenen Hochrechnungen holte die FDP rund 8 Prozent in Schleswig-Holstein. Jubelnd lagen sich die Liberalen im Thomas-Dehler-Haus in den Armen. „Kubicki vor“, brüllte ein junger Mann. Sieben Mal war die FDP seit 2011 in den Ländern gedemütigt worden.

Wolfgang Kubicki, der „Ego-Shooter“ der Liberalen, hat nun geliefert: „Sensationell“, meinte er selbst. Monatelang hatte die Partei gezittert und gehofft, dass er über 5 Prozent kommt. Und jetzt dieses Ergebnis. Im Bund wollen die Liberalen in der Koalition mit der Union wieder selbstbewusster auftreten.

Neun Minuten nach den Prognosen kam Generalsekretär Patrick Döring auf die Bühne. Er blieb cool, ließ sich nicht zu triumphalen Gesten hinreißen: „Wolfgang Kubicki hat mit seiner Mannschaft einen überzeugenden Wahlkampf geführt.“ Kiel habe gezeigt, dass die FDP mit Themen wie Wachstum, Haushalt und Schule das Vertrauen der Bürger wieder gewinnen könne. Nun könne die Partei „ruhig, geschlossen und entschlossen“ die kommende Woche bis zur NRW-Wahl gestalten.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl an jene Liberale, die am Wochenende mit Putschgerüchten gegen Parteichef Philipp Rösler Unruhe stifteten. Als Döring von der Bühne ging, stimmten die Anwesenden „Happy Birthday“ an. Der Niedersachse feierte am Sonntag seinen 39. Geburtstag.

Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle schwärmte über Kubickis Ergebnis: „Das ist die Trendumkehr für die FDP!“ Jedem in der Zentrale war aber klar, der Star des Abends hieß Kubicki. Der schillernde Strafverteidiger mit dem eisgrauen Haar hat die FDP an der Förde im Alleingang gerettet. Sein Einfluss in der Bundespartei wächst enorm. Offen ist, ob Kubicki in eine Kieler Ampel-Koalition kommt. Am liebsten würde er Finanzminister werden.

„Wenn wir vor den Piraten liegen, was ja noch möglich ist, trinken wir, bis der Arzt kommt“, meinte Kubicki am Abend in Kiel. Auch wenn die Piraten knapp vorne liegen, der FDP-Altmeister weiß, wie man die Puppen tanzen lässt. Er werde mehr als ein Glas seines Lieblingsweins Amarone trinken, erzählte er im dpa-Gespräch.

Deshalb hat er auch keine Lust, am Montagmorgen den üblichen Blumenstrauß in Berlin bei Rösler abzuholen. Kubicki stellte aber gleich klar, dass an den Umsturz-Gerüchten im „Spiegel“ nichts dran sei. Rösler sei als Parteichef nicht nur bei Niederlagen, sondern auch bei Erfolgen dabei.

Dennoch steht Rösler jetzt ganz im Schatten von Kubicki, Brüderle und Christian Lindner. Letzterer gilt als Versprechen auf eine bessere FDP-Zukunft, findet nicht nur Altmeister Hans-Dietrich Genscher. Der Kubicki-Triumph soll jetzt Lindner in Düsseldorf vielleicht in eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen katapultieren. Dort könnte der 33-Jährige gestalten — bis seine Zeit gekommen ist, um in Berlin die ganze FDP zu übernehmen.

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Der FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, spricht in Essen.

Putschgerüchte gegen Parteichef Philipp Rösler haben die FDP in Aufregung versetzt. Nach dem Erfolg der Liberalen in Schleswig-Holstein stärkte jedoch auch Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki dem Bundesvorsitzenden den Rücken.

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