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Landtagswahl 2012 Schüler und Spitzenkandidaten im Rededuell
Landtagswahl 2012 Schüler und Spitzenkandidaten im Rededuell
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17:13 23.04.2012
Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 06. Mai, Torsten Albig, debattiert am Montag im Plenarsaal des Kieler Landtages mit Jugendlichen. Quelle: dpa

FDP-Politiker Kubicki war beeindruckt.

 Kiel (dpa/lno) — Schlagende Argumente, scharf formulierte Sätze, spitze Bemerkungen: Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 6. Mai in Schleswig-Holstein haben sich im Kieler Landtag am Montag starke Wortgefechte mit besonderen Gegnern geliefert: mit Jugendlichen, den Siegern der Landeswettbewerbe von „Jugend debattiert“ aus den Jahren 2010 und 2011 in Schleswig-Holstein. Die Schüler traten mit Vertretern von CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW) jeweils in ein zwölfminütiges Rededuell zu einer aktuellen Frage der Landespolitik - und zeigten sich den Profi-Rednern dabei mindestens gewachsen.

 „Darf ich jetzt antworten?“, fragte etwa der als selbstbewusster Rhetoriker bekannte FDP-Spitzenkandidat, Wolfgang Kubicki, in dem zeitlich genau getakteten Wortgefecht mit der 19-jährigen Victoria Kurczinski, nachdem sie mehrere verbale Treffer gegen ihn gelandet hatte. Kubickis Argumente für eine Finanztransaktionssteuer nahm die Schülerin nicht nur mit blumigen Worten wie „Kapital ist ein scheues Reh“ und die Steuer sei eine „stumpfe und falsche Waffe“ gegen erneute Finanzkrisen auseinander. Selbst beim Sprechtempo konnte der geübte Talkshow-Redner der Jugendlichen nichts vormachen. „Mein Counterpart war absolut ebenbürtig“, zeigte sich Kubicki dann auch nach dem Wettstreit beeindruckt.

 Der Spitzenkandidat der Grünen, Robert Habeck, hatte zwar kräftig gegen seine Kontrahentin, die 19-jährige Fenja Stratil, ausgeteilt: „Ich mache jedenfalls Vorschläge und stelle nicht nur Fragen.“ Nach dem Rededuell, in dem er eine Änderung des Urheberrechts für das Internet gefordert hatte, lobte er aber: „Ich habe bei diesem Thema noch nie so scharfe und gute Argumente gehört.“ Auch wenn sich Habeck bei dem anschließenden Votum unter den rund 250 geladenen Schülern mit seiner Position klar durchsetzen konnte, warnte er noch auf dem Flur seinen Nachfolgeredner, den CDU-Spitzenkandidaten Jost de Jager: „Das ist ganz schön hart.“

 Auch de Jager kam als Redner zur Einhaltung der Schuldenbremse gut beim Publikum an, ebenso wie SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig. Er hatte gefordert, dass mit sinkenden Schülerzahlen nicht im gleichen Maße Lehrerstellen abgebaut werden sollten. Die Spitzenkandidatin der Linken, Antje Jansen, stand mit ihrer Forderung nach einer Frauenquote für Führungspositionen dagegen eher auf verlorenem Posten. Und SSW-Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk, die sich gegen Bildung als Bundesangelegenheit ausgesprochen hatte, musste sich von Zuhörern Kritik gefallen lassen: „Ich finde, Sie haben die Frage nicht beantwortet.“ Die jugendlichen Redner konnten sich nicht aussuchen, welche Meinung sie vertreten, sondern übernahmen stets die Gegenposition.

 „Ich denke, wir haben den einen oder anderen Politiker ziemlich ins Schwitzen gebracht“, sagte der 20 Jahre alte Moderator Lennart Feix abschließend. „Die jungen Leute sind kernig reingegangen, so dass die Politiker nicht nur hohle Wahlkampfphrasen dreschen konnten.“ Der 20 Jahre alte Maximilian Schröder meinte allerdings, die Politiker hätten den angestrebten Stil der Debattier-Wettbewerbe nicht immer eingehalten. „Hart aber fair, gilt da eigentlich“, meinte der Abiturient. Manche seien jedoch persönlich geworden. Feix lobte aber: „Die Spitzenkandidaten haben uns wirklich ernst genommen.“ Eine Veranstaltung wie diese ermutige junge Leute, ihr Wahlrecht wahrzunehmen.

 Der Wettstreit im Kieler Landtag war Auftakt für die Juniorwahl im Norden. Daran wollen sich nach Angaben der Veranstalter, dem Verein Kumulus, im Vorfeld der eigentlichen Landtagswahl bis zum 4. Mai landesweit rund 15 000 Jugendliche an mehr als hundert Schulen beteiligen. Ziel ist vor allem, die politische Bildung voranzutreiben und junge Leute zum Wählen zu motivieren. 2009 hatten bei der Juniorwahl in Schleswig-Holstein knapp 2 000 Schüler ihre Stimme abgegeben. Sieger wurden die Grünen mit 24,8 Prozent der Stimmen, gefolgt von der SPD (18,4), CDU (17,2), Piraten (14), FDP (10,8) und den Linken (6,1).

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