19 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Das Wahl-Duell zum Mitmachen

Debat-O-Meter Das Wahl-Duell zum Mitmachen

Direkter geht’s nicht: Wissenschaftler der Uni Freiburg haben ein Instrument entwickelt, mit dem Zuschauer das Duell der beiden Spitzenkandidaten von SPD und CDU zur Landtagswahl unmittelbar bewerten können. Das Ergebnis wertet ein Team um Politik-Professor Uwe Wagschal für KN-Online aus.

Voriger Artikel
Günther präsentiert Schattenkabinett
Nächster Artikel
„Mir geht es gerade ziemlich gut“

Per Debat-O-Meter sollen die Zuschauer des TV-Duells zwischen den Spitzenkandidaten Torsten Albig (SPD) und Daniel Günther (CDU) begleiten können.

Quelle: Fotolia

Prof. Wagschal, am 25. April treffen im NDR-Fernsehen ab 21 Uhr die beiden Spitzenkandidaten zur Landtagswahl aufeinander: Torsten Abig (SPD) und Daniel Günther (CDU). Welche Bedeutung hat ein solches Duell auf den Ausgang von Wahlen?

Wir wissen aus der Vergangenheit, dass der Kandidat immer wichtiger wird. Gerade, wenn es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinausläuft und der Abstand zwischen zwei Parteien relativ gering ist, kann eine solche Debatte den Ausschlag geben.

Die aktuelle Umfrage von infratest dimap aus dieser Woche belegt, dass die Ausgangssituation in Schleswig-Holstein extrem eng ist.

Eine solche Debatte kann vor allem unbekannteren Kandidaten nützen, also auch Daniel Günther. Genau die mangelnde Bekanntheit ist ja sein Problem.

Das heißt, der Herausforderer profitiert von einem Duell stärker als der Amtsinhaber?

In der Regel ja. Der Amtsinhaber kann, weil er einen Amtsbonus hat, fast nur verlieren – es sei denn, er liegt stark zurück, was in Schleswig-Holstein typischerweise in den vergangenen Jahren nicht der Fall war.

Spitzenpolitiker bereiten sich auf ein Fernsehduell akribisch vor und lassen sich trainieren. Was bewerten Zuschauer positiv?

Wir merken mit unserem Auswertungstool, dass emotionale Argumentationen sehr gut ankommen – jedenfalls deutlich besser, als wenn jemand nur Fakten herunterleiert. Der Zuschauer von heute will Emotionen und Engagement sehen. Das bloße Herunterbeten von Leistungen und reinen Zahlen kommt eher schlecht an.

Was wiegt am Ende mehr: sympathisches Auftreten oder Kompetenz und Schlagfertigkeit?

Schlagfertigkeit kommt immer gut an – ein gutes, witziges Gegenargument. Eine beißende Aggressivität dagegen nicht so.

Nun mal ehrlich: Ist das Votum der Zuschauer am Ende nicht rein zufällig?

Nein. Man sieht schon: Wer die Debatte gewinnt, hat in der Regel auch eine größere Chance, aus der Wahl als Sieger herauszugehen. Gerade bei den Unentschiedenen zeigt sich, dass sie am Ende einer Fernsehdebatte einem Lager stärker zuneigen als dem anderen. Die Frage ist, ob dieser Effekt bis zur Wahl vorhält oder bis dahin nicht andere, kurzfristige Dinge passieren, so dass die langfristige Parteineigung wieder hervorkommt.

Wie verhindern Sie, dass sich Parteianhänger tarnen, um bei Ihnen teilnehmen zu dürfen?

Jeder muss sich persönlich in das System einloggen, so dass wir damit Computer-Bots ausschließen. Er muss vorher eine kleine Umfrage ausfüllen, damit wir seine jeweilige Parteineigung einschätzen können. Wenn einer permanent seiner Partei zustimmt, ist das im Übrigen gar nicht so schlimm, weil wir viel stärker an den Nicht-Entschiedenen interessiert sind. Der Parteisoldat wählt seinen Kandidaten ja sowieso, der wird sich nicht umentscheiden. Für die Parteistrategen ist wichtiger zu sehen: Worauf reagieren die Unentschiedenen?

Wie lange wirken die Eindrücke auf den Zuschauer nach einem Duell noch nach?

Der Zuschauer macht sich während der Diskussion ein Bild. Die Medien berichten anschließend darüber und erklären, wer der Sieger und wer der Verlierer ist. Das wiederum hat einen Effekt auf die Menschen, die die Debatte nicht gesehen haben. In der Vergangenheit wurden Gewinner und Verlierer stets von Experten verkündet. Wir sind jetzt in der Lage, belastbare Daten vorzulegen und damit zu sagen, warum jemand gewonnen hat.

Das heißt, Sie machen Mechanismen und Strategien transparent und objektivierbar?

Genau das ist unser Ziel. Unsere wissenschaftliche Analyse braucht Zeit. Aber in Schleswig-Holstein legen wir den Kieler Nachrichten, der Segeberger Zeitung und den Lübecker Nachrichten noch am selben Abend eine schnelle Analyse vor: Hat Albig oder Günther das Duell gewonnen, wo haben die meisten Zuschauer die Seiten gewechselt, was waren die wichtigsten Themen?

 Wie viele Teilnehmer benötigen Sie für ein aussagekräftiges Debat-O-Meter?

Je mehr, desto besser. Mit 400 bis 500 Teilnehmern wären wir schon zufrieden. Damit hätten wir bereits eine gute Aussagefähigkeit erreicht.

Welche Voraussetzungen muss ich als Teilnehmer mitbringen?

Sie brauchen einfach nur ein Smartphone, ein Tablet oder einen Personal Computer und eine Internetverbindung. Sie müssen nichts herunterladen, sondern brauchen sich einfach nur kurz vor Sendebeginn am Abend einzuloggen, vier bis fünf Vorfragen zu beantworten – und dann geht’s los.

Muss ich mich bewerben?

Nein. Jeder darf mitmachen, auch Menschen außerhalb Schleswig-Holsteins. Und es ist vollkommen anonym. Wir fragen aber ab, ob sie in Schleswig-Holstein wahlberechtigt sind. Jeder, der Interesse hat, kann teilnehmen.

Interview: Christian Hiersemenzel

Foto: Uwe Wagschal (51) ist Professor für Politikwissenschaften in Freiburg und einer der Väter des Debat-O-Meters.

Uwe Wagschal (51) ist Professor für Politikwissenschaften in Freiburg und einer der Väter des Debat-O-Meters.

Quelle:

Der Debat-O-Meter

Mit dem Debat-O-Meter können Zuschauer während der Fernsehdebatte zwischen Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seinem Herausforderer Daniel Günther (CDU) am 25. April in Echtzeit sofort mit Plus und Minus ihre Zustimmung oder Ablehnung zu einem Argument ausdrücken. Ein Team aus Computer- und Politikwissenschaftlern der Uni Freiburg wertet die Ergebnisse aus und stellt am Ende fest, wer gewonnen hat. Die Fachleute bewerten, in welchen Themen die Kandidaten besonders gut oder schlecht waren. Wer am Debat-O-Meter teilnimmt, hat den Eindruck, stärker bei der Diskussion dabei zu sein und durch sein Votum sogar Einfluss zu nehmen. Das Freiburger Team analysierte bereits Debatten zu Landtagswahlen im Saarland und in Baden-Württemberg sowie zur Präsidentschaftswahl in Frankreich. Nähere Infos unter www.debatometer.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Ergebnisse der Landstagswahl 2017 in Schleswig-Holstein

Alle Ergebnisse zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2017 auf einen Blick: prozentuale Stimmverteilung, Sitzverteilung, Gewinne und Verluste einzelner Parteien, Koalitionsrechner und Wahlkreis-Ergebnisse. mehr

Wahlkreis-Ergebnisse der Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein

Erststimme, Zweitstimme, Direktmandat: Wie die einzelnen Wahlkreise abgestimmt haben, zeigen wir Ihnen in einer interaktiven Grafik. Klicken Sie hier für die Ergebnisse. mehr

Mehr zum Artikel
Debat-O-Meter
Foto: Im TV-Duell treten gegeneinander an: Spitzenkandidat Daniel Günther (CDU, li.) und Ministerpräsident Torsten Albig (SPD).

Am Dienstag, 25. April 2017, treffen Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und sein Herausforderer Daniel Günther (CDU) beim TV-Duell zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Fernsehen aufeinander – und die Zuschauer können ihnen in Echtzeit Noten geben.

mehr
Mehr aus Landtagswahl 2017 Schleswig-Holstein 2/3