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„Ich arbeite nicht gerne unter Chefs“

Monika Heinold „Ich arbeite nicht gerne unter Chefs“

Der Generalintendant schnellt von seinem Platz hoch, als Monika Heinold das Bistro betritt und sich am Tresen Espresso und ein Glas Wasser bestellt.

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Sie hat ein Faible für das Theater, trinkt morgens Zitronensaft und springt Trampolin: Finanzministerin Monika Heinold (Grüne).

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Drei- bis viermal im Jahr besucht sie mit ihrem Mann und zwei befreundeten Paaren Vorstellungen im Kieler Schauspielhaus – nicht zu Premieren mit Freikarten, Prosecco und Chichi, sondern an zufällig ausgewählten Abenden, weil sich der Theaterbesuch nach dem Terminkalender der Freunde richten muss und nicht umgekehrt. Ginge es nach Heinold, dann würde sie stets irgendwo in der Mitte sitzen und so gut wie nie auf den teuersten Plätzen. Diese Frau ist sparsam. Zuletzt gab es Sartres brisantes Stück „Die schmutzigen Hände“, in dem es um die Verstrickung von Politik und Moral geht.

Spitzenkandidatin der Grünen und Finanzministerin: Natürlich liegen bei Heinolds Ortswahl zum persönlichen Interview Vergleiche zum Welttheater nah. Worüber die Politikerin auf der Landtagsbühne herzlich lachen kann? „Ich mag feinen Humor“, sagt sie. „Im Parlament gibt es quer durch die Bank verdammt gute Redner. Leider auch Langweiler.“ SPD-Bildungsmann Martin Habersaat fällt ihr als begabter Humorist ein und die schlagfertige Kieler Parteifreundin Anke Erdmann, die im Plenum gerade ihre Abschiedsvorstellung gegeben hat.

Man könnte die Parallelen zum darstellenden Spiel endlos fortsetzen. Dass die 58-Jährige im Wahlkampf selbst eine Hauptrolle spielt; dass noch keiner weiß, wie das Stück am 7. Mai ausgeht; und dass Heinold 2012 das Kunststück geglückt ist, neben Publikumsliebling Robert Habeck nicht zur bloßen Stichwortgeberin zu verblassen. Und eines ist klar: Sprechfähig muss Heinold zu jeder Tages- und Nachtzeit sein. Ein Monat ohne Handy wäre denn auch „privat schön, aber politisch nicht darstellbar. Als Ministerin mit Verantwortung für Haushalt und HSH Nordbank muss und möchte ich immer erreichbar sein“, sagt sie. „Das gibt mir Sicherheit.“

Dass Heinold in der Öko-Partei rasch aufstieg, habe sie zunächst der harten Frauenquote zu verdanken gehabt, sagt sie. „Ursprünglich hatte ich politisch null Ambitionen.“ Dann landete die Erzieherin im Segeberger Kreistag und zog 1996 als Nachrückerin in den Kieler Landtag. Dass sie trotz der hohen Belastung als Ministerin vollkommen ausgeglichen wirkt, könnte an ihrem täglichen Fitnessprogramm liegen. Daheim nahe der Kieler Forstbaumschule trinkt die Spitzenpolitikerin allmorgendlich einen großen Becher lauwarmes Wasser mit Zitronensaft, liest dabei die Kieler Nachrichten („Mal ist das eine saurer als das andere“), schaltet sich Musik ein und springt dann zu vier Titeln der Neuen Deutschen Welle Trampolin. „Herz ist Trumpf“ hat sie vom Morgen noch gut im Ohr.

Heinold wuchs in Hamburg-Langenhorn auf. Loki Schmidt, die Frau von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, war kurzzeitig ihre Grundschullehrerin, „bei ihr habe ich mich gut aufgehoben gefühlt“. Als sie neun Jahre alt war, verließ die Familie die Stadtwohnung und zog nach Hardebek in eine alte Dorfschule. Der Vater hatte einen kleinen Verlag. Mit der älteren Schwester und dem jüngeren Bruder habe sie sämtliche Vorzüge des Landlebens genossen. Es gab ein Pferd, Ziegen, Katzen, Zwerghühner und einen Hund. Freiheitsliebe habe sie von Kindheit an mitbekommen, sagt Heinold. „Ich arbeite nicht gern unter Chefs.“

Nachfolgerin und nicht Nachfolger? Jetzt schmunzelt die Politikerin. Ihre Provokation ist aufgegangen. „Es ist gut, wenn Frauen ein Finanzministerium leiten“, sagt sie. „Frauen haben einen anderen Blick auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft.“ Auch ihre Ressortkollegen in Baden-Württemberg, Bremen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sind Frauen. „In einem von Männern dominierten Bereich entsteht automatisch Solidarität.“ Primadonnen-Gehabe liegt Monika Heinold einfach nicht.

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Ein Artikel von
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