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Alles, nur nicht langweilig

Wolfgang Kubicki Alles, nur nicht langweilig

Ganz persönlich: Unter diesem Motto stellen wir Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein vor. Im letzten Teil: Wolfgang Kubicki

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Er wohnt, wo andere Urlaub machen: Wolfgang Kubicki ist in Strande zu Hause und findet, dass sich die Ostseegemeinde durchaus mit Sylt und Scharbeutz messen kann.

Quelle: Ulf Dahl

Strande. Wolfgang Kubicki kommt zu Fuß. Gerade ist der Strafverteidiger von einem Mandantenbesuch aus Paris zurückgekehrt. Sein Flieger hatte Verspätung, aber dann blieb doch noch Zeit, um den Koffer zu Hause abzustellen und nach einem kurzen Spaziergang absolut entspannt zu wirken. „Ich hasse Unpünktlichkeit“, sagt der 65-Jährige. „Und ich hasse Unprofessionalität.“

Als Treffpunkt hat sein Büro das österreichische Lokal „Das Kaiser“ in Strande reserviert, wo man nicht nur einen herrlichen Blick auf die Bucht bietet, sondern auch ein gutes Wiener Schnitzel serviert. Kubicki und Strande, das ist mittlerweile fast ein Klischee. Oh, man hätte mit ihm auch ins Kieler Edelrestaurant „September“ gehen können, sagt Kubicki. „Aber Strande kann sich mit Sylt und Scharbeutz durchaus messen. Finden Sie nicht?“

Fraktionschef der FDP im Landtag, Spitzenkandidat zur Landtagswahl und als Vize-Bundesvorsitzender auf dem Sprung nach Berlin: Wäre Kubicki nicht in der Politik, könnte man ihn mit Sicherheit häufiger im Gerichtssaal antreffen. Derzeit verbringe er gerade mal 30 Prozent seiner Zeit als Anwalt. „Was mich nervt, weil ich damit mein Geld verdiene“, sagt er.

Kubicki gilt als Meister des Bonmots. Über den Spruch „Wer Albig hört, lernt Stegner schätzen“ habe er herzlich lachen können, sagt er, wird beim SPD-Spitzenkandidaten Albig aber schnell bissig. „60 Minuten zu reden und von sich so ergriffen zu sein, ist eine Kunst.“ Stegner dagegen sei ein intellektueller Typ, „der bedauerlicherweise zu wenig daraus macht“.

Albig? Nicht Kubickis Ministerpräsident

Mangelt es dem FDP-Mann an Respekt vor unserem Ministerpräsidenten? „Unser Ministerpräsident?“, fragt er spöttisch zurück. „Meiner ist es nicht. Albig wäre nie Ministerpräsident geworden, hätte er nicht gegen Stegner kandidiert.“ Und aktuell hätte der SPD-Mann aus seiner Sicht auch gegen den 43-jährigen CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther keine Chance – wäre dieser nur fünf Jahre älter.

Günther jedenfalls sei schon heute ein guter Politiker und das Beste, was die Union gerade habe. „Das meine ich nicht abwertend.“ Ein guter Politiker habe Visionen und eine politische Botschaft. Er müsse zuhören und auf die Menschen zugehen können, sie begeistern oder abschrecken. „Das unterscheidet ihn vom Populisten, der den Leuten nach dem Mund redet.“

Kubicki: Bitte kräftig am Stuhl sägen

Seine Fraktionskollegen spornt Wolfgang Kubicki immer wieder an, doch bitte kräftig an seinem Stuhl zu sägen. Wer ihn als erster zu Fall bringt, habe die Nachfolge verdient. Klingt nach einem Faible für kühl kalkulierte Strategiespiele. Tatsächlich hat der hochgradig rationale Wolfgang Kubicki vor guten Schachspielern Respekt. „Politik ist nichts anderes als Lebensschach.“ Wer gewinnen will, müsse zunächst die viel schlagkräftigere Dame angreifen und erst dann den König. Ob im Kieler Spiel Torsten Albig der König sei? Kubicki winkt ab. „König wäre hier Stegner und die Dame wahrscheinlich Robert Habeck. Albig wäre nur ein Turm. Wenn der rausfliegt, ist es zu verschmerzen.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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