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Markt-Forschung Geschichte der Wochenmärkte
Markt-Forschung Geschichte der Wochenmärkte
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16:25 17.04.2015
Von Sonja Paar
Frische, regionale Ware: Dafür schätzen die Kunden die Wochenmärkte. Quelle: Uwe Paesler

Anfangs war es insbesondere Bischöfen und Klöstern vorbehalten Wochenmärkte abzuhalten. Die Märkte waren für die Bevölkerung primärer Anlaufpunkt, um sich mit Waren und Produkten einzudecken, die man nicht alleine herstellen konnte. Es gab den sogenannten Marktfrieden, der die Freiheit des Handelsverkehrs und den Marktbesucher freien, sicheren Zugang unabhängig ihres sozialen Standes garantierte.

Ab dem 12. Jahrhundert förderten Feudalherren die Entwicklung von Märkten auf ihren Ländereien. Diese entstanden dort, wo viele Menschen lebten oder sich Handelswege kreuzten. Von den Händlern verlangten die Feudalherren einen Marktzoll. Aus Marktrecht wurde im laufe der Zeit Stadtrecht.

Die Zahl der Städte wuchs und mit ihr die Zahl der Hauptmärkte als Zentrum der Siedlungen. Die Feudalherren verkauften, um ihren wachsenden Geldbedarf zu decken, die Marktrechte und die Gerichtsbarkeit. Die Stadtbevölkerung erlangte ein neues Bewusstsein. Es entstanden Stadträte, Gilden und Zünfte, die mit dem Bau von Rathäusern begannen. Rund um die Märkte entstanden Herbergen, Gasthöfe und Kirchen. Der Markt war Handelsraum und zentraler Versammlungsort in einem.  Selbst als im 15 Jahrhundert soziale Spannungen zunahmen und viele Städte ihre Souveränität verloren, blieb die ökonomische Lage des Handels auf den Märkten konstant. Die neuen Territorialherren, wie auch die Bürger der Städte hatten das gleiche Interesse an gut funktionierenden Märkten.

An der Intensität des Markttreibens war immer die ökonomische Lage einer Stadt ablesbar.

Die Landesherren /Fürsten griffen nach dem dreißigjährigen Krieg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in die Handelszentren ein. Sie untergruben die Souveränität der Ratsherren mit neuen Marktordnungen und Besetzten die Ämter neu, aus denen später bezahlte Beamtenstellen wurden.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderten sich auch Struktur und Größe der Städte. Die Zahl der „Großstädte“ wuchs. Doch die großen Orte wie Hamburg und Berlin waren meist eine Zusammenlegung mehrerer kleiner Ortschaften, die ihre eigenen Wochenmärkte behielten. Diese spielten in den Stadtteilen weiterhin eine zentrale Rolle. Sie waren Nahversorgungs- und Versammlungszentrum auf denen auch immer Politik stattfand.

Auf dem Berliner Gendarmenmarkt griffen zum Beispiel wütende Bürger kurz vor der Bürgerlichen Revolution mitte des 19. Jahrhunderts im sogenannten „Berliner Kartoffelkrieg“ die Händler an, die aus spekulativen Aspekten ihre Preise stark angehoben hatten.

Im 19. und 20. Jahrhundert gerieten die Märkte oft wegen verschmutzter Pflaster, Geruchsbelästigung und Verkehrsbehinderungen in die Kritik. In den Großstädten baute man am Rande der Stadt lieber Markthallen. 

Doch bis heute sind Marktplätze immer auch infrastrukturelle Zentren und soziale Orte. Viele alte Marktplätze sind als historische Stadtzentren erhalten. In Zeiten von Supermärkten und Einkaufszentren spielt die Versorgung mit Nahrungsmitteln vom Wochenmarkt kaum noch eine Rolle. Beliebt sind sie trotzdem, die Wochenmärkte, denn dort bekommt man das, was aus der näheren ländlichen Umgebung stammt und manch neues Produkt aus der direkten Umgebung.

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