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Blücherplatz: Hier macht Einkaufen Spaß

Wochenmärkte in Kiel Blücherplatz: Hier macht Einkaufen Spaß

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Zum Start blicken wir auf den Blücherplatz.

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Mettenhof: Sehr treue Kunden

Schon im Morgengrauen ist Volker Mißfeldt auf dem Blücherplatz im Einsatz und bestückt seinen Stand. Er gehört regelmäßig zu den ersten Marktbeschickern. Wenn die Kunden kommen, liegen Kartoffeln und Co. längst bereit.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Es ist vier Uhr morgens und am Rande des 5400 Quadratmeter großen Areals treffen sich Marktaufseher Florian Kriening und Marcus Langer von der Firma Scheele mit seinem Abschleppwagen. Kriening ist dafür zuständig, dass der Platz für den Wochenmarkt autofrei ist. Er kümmert sich um die Stellplätze der Marktkaufleute und das Kassieren der Standgebühr. Wenn Markt ist, dann müssen die Anwohner ihre Autos irgendwie woanders unterbringen und irgendein Anwohner vergisst das immer. Mehr als 100 Autos schleppt die Stadt Kiel im Monat vom Blücherplatz in die Feldstraße. „Die Leute können dann einfach die 700 Meter gehen und mit ihrem Auto wegfahren“, so Kriening. Allerdings kostet das Abschleppen 145 Euro. Und mit Pech ist auch noch ein Bußgeldbescheid für falsches Parken fällig.

 Die Autos sind kaum vom Blücher entfernt, da biegt mit Volker Mißfeldt schon der erste Marktbeschicker auf den Platz. „Im nächsten Leben werde ich Fischhändler. Kommen, Parken, Klappe auf, fertig“, sagt er lachend. Als Gemüsehändler mit gut 70 Quadratmetern Verkaufsfläche braucht er eine Stunde, um die Tische aufzustellen und weitere zwei Stunden für das Sortieren. Aber Mißfeldt möchte nicht tauschen. „Ich habe den Betrieb vor mehr als 25 Jahren von meinem Vater übernommen und inzwischen ist auch schon mein Sohn Fabian dabei“, erzählt er und kippt die Kartoffeln zum Rhythmus der Musik aus dem kleinen Radio in die einzelnen Fächer der Auslage.

 
 

 Eine Stunde später und ein Stück weiter kommt auch in die anderen Stände Leben. „Ich finde, wir sind so eine Art Marktnomaden. Wir kommen mit unseren Zelten und bauen ein Teil unseres Lebens für die Kunden hier auf“, meint Katharina Mühlich, die gemeinsam mit Ruth Becker, Ralf Schmitt, Maria Weber und drei weitere Kollegen den Stand vom Bioland-Hof Großholz aufbaut. Nebenan geht es ruhiger zu. In gemütlicher Runde hinter der Auslage von Bauer Johann Holm sitzen Reimer Reimers (Käse), Angela Bretscher (Fleisch), Konrad Mehrens (Biogemüse) und Holms Frau Anke. „Wir beginnen unseren Tag immer mit einem gemeinsamen Frühstück. Eigentlich kommt der Grieche auch rüber, aber der ist heute so langsam“, sagt Holm. Gemeint ist George Kalos mit seinen Mittelmeerspezialitäten. Er hat gerade Besuch von Freunden und ist beschäftigt. Neben seinem Stand steht Axel mit seinem legendären Kaffeefahrrad, dem „Loppokaffeeexpress“. „Den haben wir mit seiner Idee erst belächelt, dann gesehen, dass die Leute den Kaffee lieben, und ihn hier zwischen unsere Stände geholt“, erzählt Kalos.

 Axel Datschun mit dem Kaffeefahrrad ist auch für Marike Matthiesen, Kathrin Hoberg und Janine Pettke der erste Anlaufpunkt auf dem Markt. Das Trio mit zwei Kinderwagen steht geduldig Schlange bei dem Kaffeespezialisten. Und sie sind nicht die einzigen. Kinder sind auf dem Blücher-Wochenmarkt offenbar besonders willkommen. Kaum ein Gang, in dem nicht Kinderwagen stehen oder der Nachwuchs durch die Besucher saust.

 Der unverwechselbaren Charakter des Blüchers wird aber auch durch das besondere Warenangebot geprägt. Auffallend ist die reiche Auswahl an Bio-Produkten. Zudem bietet kein anderer Wochenmarkt so viele Möglichkeiten zum Verweilen und so viele Spezialitäten – von Axels Espresso-Mischung über die veganen Kuchen bei Food Today bis zur bezaubernden Patisserie im Törtchenmobil. Es sind diese exklusiven Angebote und die Ideen, die einen Eindruck davon geben, wie der Wochenmarkt der Zukunft auch an anderen Orten einmal aussehen könnte.

Preischeck

Äpfel, Kartoffeln, Möhren, aber auch Aufschnitt, Käse, Fleisch und Fisch, so wie Brot, Eier und ein Blümchen zur Zierde: das sind die Dinge, die die meisten Menschen auf dem Wochenmarkt einkaufen. Wir haben einen Warenkorb zusammengestellt und auf allen besuchten Märkten die gleichen Waren eingekauft, um ihnen einen Preisvergleich zu bieten.

Auf den Blücherplatz hat uns dieser Einkauf 73,02 Euro gekostet.

Blücherplatz in Stichworten

Wochenmarkt auf dem Blücherplatz ist montags und donnerstags von 8 bis 13 Uhr. Im Juli 1907 fand der Markt zum ersten Mal statt. Er hat eine Fläche von 5400 Quadratmeter. Montags 55 Stände, donnerstags 69 Stände plus Saisonhändler. Besonderheiten: gehobenes Angebot, Bio-Produkte, Boulangerie, Törtchenmobil, Kaffeefahrrad, Imbiss.

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Wer auf einem der Wochenmärkte in Kiel Waren anbieten will, muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Überall, wo Menschen siedelten bildeten sich Plätze zum Kaufen und Verkaufen von Waren.Seit Beginn der Städtebildung im 10 Jahrhundert gibt es auch zentral gelegene und historische belegbare Märkte. Zu den ältesten verbrieften Märkten gehören der Markt in Esslingen am Neckar, den Karl der Goße um 800 gründete und der Trierer Hauptmarkt der 958, also vor mehr als 1.000 Jahren als Wochenmarkt angelegt wurde. mehrKostenpflichtiger Inhalt

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Stefan Wegener
Foto: Stefan Wegener ist der Präsident des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute.

„Wenn du dir erst mal das erste paar Schuhe auf dem Markt durchgelaufen hast, dann gehst du nicht mehr weg“, sagt Stefan Wegener. Als Präsident des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute weiß er viel über die Sorgen und Nöte im wie er es nennt „ambulanten Gewerbe“.

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