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Rungholtplatz: Klein, aber oho!

Wochenmärkte in Kiel Rungholtplatz: Klein, aber oho!

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Heute: der Markt auf dem Rungholtplatz in Suchsdorf.

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Sie kommen gern auf den Wochenmarkt nach Suchsdorf (von links): Uwe Fensch (Bäcker Jess), Johann Holm (Bauer Holm), Angela Bretscher (Fleischerei Untiedt), Reimer Reimers (Käse Reimers), Anke Holm und Manfred Faber (Pflanzen und Schnittblumen)

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Der vielleicht wichtigste Wochenmarkt in Kiel ist sicher der Markt auf dem Rungholtplatz in Suchsdorf. Seit einigen Jahren gibt es in dem Stadtteil der Landeshauptstadt keinen Einzelhändler mehr. Die älteren Menschen ohne Auto sind auf den Markt dringend angewiesen.

 Doch der kleine Markt – es gibt einen Obst- und Gemüsehändler, eine Fleischerei, Blumen, Käse und Backwaren – ist weit mehr als ein Nahversorgungszentrum. „Dieser Markt ist sehr wichtig für uns. Neben den Lebensmitteln gibt es immer einen Klönschnack, weil sich die Menschen kennen. Der soziale Aspekt ist wirklich enorm“, fasst Lothar Mint zusammen. Der 80-jährige ehemalige Marathonläufer lebt seit mehr als vier Jahrzehnten mit seiner Frau Margret in Suchdorf. Er müsse schon sehr krank oder verreist sein, um den Wochenmarkt zu verpassen, versichert er und genießt es, mit Reimer Reimers von Käse Reimers zu scherzen.

 Das Angebot auf dem kleinen Markt ist zwar übersichtlich, aber die Kunden bekommen alles, was sie brauchen, und das ist regionale Frische. „Wir haben unser Sortiment so ausgerichtet, dass die Kunden hier das bekommen, was es im Supermarkt nicht gibt“, erklärt Reimers. Auch die Beratung sei wichtig. Wer Käsehändler mit Leib und Seele ist, der gibt seine Produkte nicht ohne Erklärung aus der Hand. „Hier in Suchsdorf muss man als Händler ein wenig Geduld haben. Als wir hier vor elf Jahren das erste Mal standen, da sind wir abends mit 18 Euro nach Hause gefahren“, weiß er zu berichten. Inzwischen stehen die Kunden manchmal schon Schlange, wenn er seinen Wagen aufbaut.

 In den vier Stunden, in denen der Markt geöffnet ist, strömen zwar keine Menschenmassen heran, aber ein beständiger Menschenstrom trudelt von Stand zu Stand. Die Kinder, die mit ihren Rollern vorbeikommen, balancieren in der Hand ein Würstchen von der Schlachterei und bekommen bei Bauer Holm noch einen Apfelschnitz. Die Leute gehen auf den Rungholtmarkt, um zu kaufen, drehen ihre Runde und wanken schwer bepackt wieder nach Hause. Ist die Ware zu schwer, ist es für die Marktkaufleute eine Selbstverständlichkeit, beim Tragen zu helfen.

 Bauer Johann Holm verkauft das, was er auf seinem Hof anbaut. Die Ware ist gut, Holm kann zu den Produkten viel erzählen und die Kunden freuen sich über den ersten Spargel und den ersten Rhabarber. Notfalls wechselt der Direktvermarkter für die ältere Kundschaft auch ins Plattdeutsche und erntet ein Lächeln hier und einen Schnack da.

 Für Holm und seine Kollegen ist das die beste Belohnung. „Die Mittagszeit ist donnerstags der blanke Horror“, stöhnt er. Wenn er in Suchsdorf ankommt, dann ist er schon lange auf den Beinen. Morgens um 4.30 Uhr aufgestanden, hat er den Morgen auf dem Blücherplatz verbracht, um dort um 13 Uhr in Windeseile die Zelte abzubrechen, alles Obst und Gemüse wieder rutschfest zu verpacken und mit dem beladenen Hänger auf den Rungholtplatz zu fahren, wo schon die ersten Käufer warten. „Aber die Kunden hier in Suchsdorf machen das wieder wett. Die sind so nett und dankbar. Das ist astrein“, lobt Holm, und seine Kollegen können ihm nur zustimmen. Auch Marktaufseher Florian Kriening kommt auf dem Platz vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und bei den Händlern die Standmiete – 40 Cent pro Quadratmeter – zu kassieren. „Hier fehlen jetzt noch ein paar Spezialitätenhändler“, überlegt er laut. Wer weiß, vielleicht können die Marktkaufleute noch den einen oder anderen Anbieter überreden, mit in den kleinen Stadtteil am Rande der Stadt zu kommen. Die Suchsdorfer würden sich freuen.

Preis-Check

Für unsere Serie haben wir einen Warenkorb gepackt und zusammengerechnet: Auf der Liste stehen ein Bund Möhren, zwei Kohlrabi, zwei kg Kartoffeln, 200 g Salat, zwei kg Äpfel, fünf Orangen, 300 g alter Gouda, 200 g Mettwurst, 200 g Kochschinken, 500 g Hüftsteak, 400 g Dorschfilet, 500 g Goldbutt, zehn Eier, ein Mischbrot, fünf Brötchen und zwei Blümchen zur Zierde. Auf dem Rungholtplatz in Suchsdorf hat uns dieser Einkauf 63,20 Euro gekostet. Die einzelnen Preise sowie weitere Informationen zu den Kieler Wochenmärkten lesen Sie auf www.kn-online.de/marktforschung.

Suchsdorfs Markt in Zahlen

Der Wochenmarkt auf dem Rungholtplatz in Suchsdorf findet donnerstags von 14 bis 18 Uhr statt. Seit dem 4. Mai 2000 gibt es diesen Markt. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern verteilen sich sieben Händler. Sie bieten Fleisch, Käse, Oliven, Honig, Blumen, Bio-Backwaren und Gemüse an.

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Wer auf einem der Wochenmärkte in Kiel Waren anbieten will, muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. mehrKostenpflichtiger Inhalt

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