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Mettenhof: Sehr treue Kunden

Wochenmärkte in Kiel Mettenhof: Sehr treue Kunden

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Heute: Mettenhof.

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Der Wochenmarkt in Kiel-Mettenhof bietet einige Besonderheiten: Mahmood Asif verkauft kleine Elektroartikel und Kleinteile wie Handytaschen und Riesenseifenblasen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Jeder Markt is’ anners. Hier haste halt mehr Plünn“, stellt ein Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt in Mettenhof fest. Plünn, ja davon gibt es einige Stände. Jacken, vorwiegend neonfarben, Hosen, Hemden, Nachthemden und Schuhe: Der Wochenmarkt in Mettenhof erinnert ein wenig an einen südländischen Basar. Mit von der Partie ist auch Mahmood Asif. Er arbeitet bei der Post, und wenn die Sonne scheint, dann verkauft er an seinem freien Tag auf dem Mettenhofer Wochenmarkt kleine Elektroartikel und diverse Kleinteile, die von der Handytasche bis zu Riesenseifenblasen reichen. „Bei mir kommen viele Kinder oder die Eltern“, erzählt Asif.

 Ein wenig ungewöhnlich ist sein Angebot schon. § 67 der Gewerbeordnung regelt, was auf einem Wochenmarkt angeboten werden darf. Das sind Waren des täglichen Bedarfs, also Lebensmittel mit Ausnahme alkoholischer Getränke, Produkte des Obst- und Gartenbaus an sich, der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei. Die Stadt Kiel erlaubt außerdem den Verkauf von Haushalts-, Keramik- und Korbwaren von Putzmitteln, Kurz- und Toilettenwaren, Blumenarrangements, Modeschmuck, Neuheiten, Textilien, Schuhe, Kleinspielwaren, Geschenkartikel, Eigenerzeugnissen sowie Weinen und Likören in Flaschen, die aber nicht vor Ort verzehrt werden dürfen.

 Wer auf dem Markt etwas verkaufen will, der braucht eine Gewerbeanmeldung und muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin von Kiel schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. „Wir wollen ja nicht zehn Käseanbieter auf einem kleinen Markt haben, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. Dabei mischt Hamann die traditionellen Anbieter auch gerne mit jungen Start-up-Unternehmen. Der Markt ist für solche neuen Ideen ideal, denn die Kosten sind pro Stand denkbar gering. „Wir müssen kostendeckend arbeiten und dürfen keinen Gewinn machen“, berichtet die Marktmeisterin. Momentan kostet ein Quadratmeter Verkaufsfläche pro Tag 30 Cent für Abbucher und 40 Cent für Barzahler. Ein zehn Quadratmeter großer Stand kostet also für einen Markttag übersichtliche vier Euro Standgebühr. Wasser und Strom gibt es zum Selbstkostenpreis.

 In Mettenhof gibt es neben den „Ausnahmen“ auch bei den Waren des täglichen Bedarfes eine erstaunliche Auswahl. Drei Obst- und Gemüsehändler, drei Fleischer, drei Pflanzenhändler, ein Bäcker und ein Fischhändler stehen auf dem kleinen Platz am Bergenring. „Hier in Mettenhof haben wir eine besonders nette und treue Kundschaft. Da merkt man, dass die Leute auch kommen, um ein bisschen miteinander zu reden“, erzählt Christian Senff vom Laboer Fischwagen. Seinen Fisch bezieht er von seinem Vater, der Nebenerwerbsfischer ist und kauft den Rest der Ware morgens direkt vom Kutter in Laboe zu. „Nur wenn uns dann noch was fehlt, gehen wir auf den Seefischmarkt“, so Senff. Lagerhaltung kennt er nicht. „Bei Fisch darf man sich nicht viel Zeit lassen, sonst fängt er an zu stinken“, weiß der Fischfachmann und macht sich daran, für eine Kundin Heringe einzulegen. Der Service, die fachkundige Beratung und eben die kleinen Gespräche am Rande, die locken auch Hanspeter und Gertrud Orthmann zweimal in der Woche auf den Markt. „Wir sind vor fast 50 Jahren hierher gezogen, und das mit dem Wochenmarkt ist ganz wunderbar. Da gibt es die Sachen vom Land, und die schmecken viel besser“, findet Gertrud Orthmann und widmet sich gleich darauf ihrer Brotbestellung für die kommenden Tage.

 Die Kundschaft ist alles in allem gemischt. Mütter mit einer ganzen Kinderschar tummeln sich am Schuhstand, Damen mittleren Alters kaufen Blumen für den Garten, ein älterer Herr im großen BMW trägt stabile Holzkisten mit Äpfeln vom Stand zum Auto. Am Laboer Fischwagen gibt es fangfrischen Dorsch im Angebot – und ein kleines Gespräch gratis dazu.

Preis-Check

Für unsere Serie haben wir einen Warenkorb gepackt und zusammengerechnet: Auf der Liste stehen ein Bund Möhren, zwei Kohlrabi, zwei kg Kartoffeln, 200 g Salat, zwei kg Äpfel, fünf Orangen, 300 g alter Gouda, 200 g Mettwurst, 200 g Kochschinken, 500 g Hüftsteak, 400 g Dorschfilet, 500 g Goldbutt, zehn Eier, ein Mischbrot, fünf Brötchen und zwei Blümchen zur Zierde. Auf dem Markt in Mettenhof hat uns dieser Einkauf 55,10 Euro gekostet. Die einzelnen Preise sowie weitere Informationen zu den Kieler Wochenmärkten lesen Sie auf www.kn-online.de/marktforschung.

Mettenhofer Markt in Zahlen

Der Wochenmarkt in Mettenhof am Ende des Bergenrings ist dienstags und freitags von 8 bis 13 Uhr. Am 19. August 1969 gab es den ersten Wochenmarkt in Mettenhof. Heute hat er eine Fläche von 1600 Quadratmetern. Freitags 18 Händler, dienstags weniger. Im Angebot finden sich Gemüse, Obst, manchmal Käse, Fisch, Geflügel, Eier, Schuhe, Textilien.

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Wer auf einem der Wochenmärkte in Kiel Waren anbieten will, muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Überall, wo Menschen siedelten bildeten sich Plätze zum Kaufen und Verkaufen von Waren.Seit Beginn der Städtebildung im 10 Jahrhundert gibt es auch zentral gelegene und historische belegbare Märkte. Zu den ältesten verbrieften Märkten gehören der Markt in Esslingen am Neckar, den Karl der Goße um 800 gründete und der Trierer Hauptmarkt der 958, also vor mehr als 1.000 Jahren als Wochenmarkt angelegt wurde. mehrKostenpflichtiger Inhalt

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Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Zum Start blicken wir auf den Blücherplatz.

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