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Buntes auf dem Exerzierplatz

Wochenmärkte in Kiel Buntes auf dem Exerzierplatz

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. An dieser Stelle: der Exerzierplatz.

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Stephanie Abel vom Törtchenmobil sorgt für die süße Note auf dem Exerzierplatz. Bei ihrem exklusiven Gebäck greifen die Kunden gerne zu.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Wenn der Exer um 8 Uhr morgens seine Tore für die Kunden öffnet, geht es noch geruhsam zu. In der engen Zeile zwischen den Bäcker- und Fleischständen unterhalten sich die Verkäuferinnen von Stand zu Stand. Kai-Uwe Schmidt und Johann Bottar fahren Rollwagen beladen mit Pflanzen auf die Rampe ihres großen Lkw. Schmidt ist Pflanzengroßhändler und der Kunde am Morgen einer der Marktbeschicker. „Stefan Dressler war der erste Kunde, den ich vor 35 Jahren hatte“, ruft Schmidt und lacht. Stefan Dressler und sein Sohn Philip suchen sich ihre Ware gezielt aus, und für einen kurzen Plausch mit dem Großhändler ist auch noch Zeit. Dann müssen auch die Dresslers an ihren Stand eilen und die Ware aufbauen. Das beobachtet Herbert Schauer aus sicherer Entfernung. Er sitzt windgeschützt auf dem Anhänger von Pflanzen-Willi und trinkt einen Kaffee. Der Rentner hat in eine Gärtnerei eingeheiratet und unterstützt seine Frau seit einigen Jahren auf den Märkten. „Ich bin hier in der Nähe geboren und kenne den Markt noch aus anderen Zeiten. Da sind wir aus der Disko über den Wochenmarkt gebummelt, haben Fisch gegessen und sind dann im ,Angler’ gelandet. Doch heute ist vieles anders“, überlegt er laut, obwohl der Markt als solches ja schön sei.

 Dass der Markt sich gerade deutlich verändert, das bestätigt auch Stefan Wegener. Er steht selbst mit seinen Bordesholmer Wurstspezialitäten auf dem Exer und engagiert sich als Präsident des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute in Schleswig-Holstein. „Der Markt ist in einer Umbruchphase. Laut vom Wagen zu verkaufen, billig und in Masse, das gibt es nur noch selten“, berichtet er. Vieles ganz billig, das bieten eben schon die Supermärkte. Der Wochenmarkt werde statt des Bedarfes künftig eben Bedürfnisse decken.

 Die Damen vom Demeterhof Wittschap aus Kiel stehen am Rand des Marktes. Die große Rote Bete leuchtet in der Sonne, die Möhren aus der (Erd-)Miete trocknen, so dass der Sand langsam von den orangenen Stangen abbröselt. Das, was die Auszubildende Muna Darwich verkauft, stammt aus dem Eigenanbau. Sie kann zu den Produkten eine Menge erzählen – sei es zu den Bruderhahneiern, zum Topinambur oder zu dem Pflücksalat, den sie mit Maß „eine Hand voll“ verkauft.

 „Eigentlich gehört da der Bezug zum Kilopreis dran“, murrt Stefan Wegener. Das ambulante Gewerbe, wie er die Marktkaufleute gerne nennt, unterliegt denselben Hygienerichtlinien und Gesetzen wie alle anderen Gewerbetreibenden. Kennzeichnungspflicht, Kühlketten und eben das Auspreisen, es sei alles geregelt, und das koste die Marktbesteller schon viel Zeit und Kraft. „Doch wer erst mal sein erstes Paar Schuhe auf dem Wochenmarkt durchgelaufen hat, der geht nicht mehr weg“, ist sich Wegener sicher, zeigt in die Runde und fordert: „Schauen Sie sich hier doch mal um. Ist das nicht herrlich?“

 Die Menschen, die am Biostand stehen bleiben, sind genauso bunt gemischt wie die Ware auf dem Markt. Junge Mütter, die den Nuckelflaschenhalter am Kinderwagen zu einer Kaffeebecherhalterung umfunktioniert haben, ältere Damen mit Kartoffeln, Porree und bunten Blümchen im Korb, die nach einem Rezept für die Rote Bete fragen. Mittdreißiger, die ihre Mittagspause auf dem Markt verbringen. Einer von ihnen ist Tim Drewing. Der Anwalt wohnt in der Nähe und nutzt die Zeit auf dem Markt. Er gönnt sich einen Tee und ein exklusives Gebäck im Törtchenmobil von Stephanie Abel. „Eigentlich brauche ich nichts, aber wenn ich irgendwas Schönes finde, dann schlage ich hier auch spontan zu. Ich genieße einfach das positive Lebensgefühl auf dem Wochenmarkt.“

Preis-Check

Für unsere Serie haben wir einen Warenkorb gepackt und zusammengerechnet: Auf der Liste stehen ein Bund Möhren, zwei Kohlrabi, zwei kg Kartoffeln, 200 g Salat, zwei kg Äpfel, fünf Orangen, 300 g alter Gouda, 200 g Mettwurst, 200 g Kochschinken, 500 g Hüftsteak, 400 g Dorschfilet, 500 g Goldbutt, zehn Eier, ein Mischbrot, fünf Brötchen und zwei Blümchen zur Zierde. Auf dem Exerzierplatz hat uns dieser Einkauf 66,63 Euro gekostet. Die einzelnen Preise sowie weitere Informationen zu den Kieler Wochenmärkten lesen Sie auf www.kn-online.de/marktforschung.

Kiels ältester Markt in Zahlen

Auf dem Exerzierplatz ist mittwochs und sonnabends von 8 bis 13 Uhr Marktzeit. Der Wochenmarkt ist der älteste der Stadt. Es gibt ihn seit dem 2. August 1902. Fläche: 7700 Quadratmeter. Angebot: mittwochs 60 Stände und sonnabends 90 Stände plus Saisonhändler (Spargel, Lammfelle, Blaubeeren). Besonderheiten: ein Rossschlachter (nur auf dem Exer), Ökohändler, veganes Angebot, Café mit Freisitz, Kaffeefahrrad mit Bohnen aus eigener Röstung. Kundenparkplatz (60 Minuten kostenfrei)

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Wer auf einem der Wochenmärkte in Kiel Waren anbieten will, muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Überall, wo Menschen siedelten bildeten sich Plätze zum Kaufen und Verkaufen von Waren.Seit Beginn der Städtebildung im 10 Jahrhundert gibt es auch zentral gelegene und historische belegbare Märkte. Zu den ältesten verbrieften Märkten gehören der Markt in Esslingen am Neckar, den Karl der Goße um 800 gründete und der Trierer Hauptmarkt der 958, also vor mehr als 1.000 Jahren als Wochenmarkt angelegt wurde. mehrKostenpflichtiger Inhalt

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Wochenmärkte in Kiel
Foto: Muna Darwich vom Demeterhof Wittschap kann auf dem Wochenmarkt auf dem Kieler Exerzierplatz viel über ihre Produkte erzählen.

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