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Schnickschnack gibt’s nicht

Wochenmärkte in Kiel: Schilksee Schnickschnack gibt’s nicht

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Heute: der Markt in Schilksee.

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Hier kennt man sich: Soenke Boie, seit 23 Jahren Kartoffelbauer und Marktbeschicker, liebt den direkten Kontakt zu den Kunden und die Gespräche auf dem Wochenmarkt in Schilksee.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Regenwolken hängen über dem Kieler Norden, doch das macht den Marktbesuchern in Kiel-Schilksee nichts aus. Sie kommen immer, aus Überzeugung und manchmal nur für 20 Eier. „Hier bei Edita Brunker gibt es die besten Eier der Welt. Die schmecken so gut, da putzen meine Kinder und Enkelkinder die Eierpfannkuchen nur so weg“, sagt Erhard Zindler und balanciert die Eierkartons in einer Hand. In der anderen hält der ältere Herr seinen Autoschlüssel und wird schon aufmerksam von mehreren Damen und Herren hinterm Lenkrad beobachtet. Freitags ist die Parkplatzfläche vor dem Sky-Supermarkt in der Straße Langenfelde zugunsten des Wochenmarktes am Nachmittag halbiert. Das führt zu gewissen Engpässen und abenteuerlichen Parkmanövern unter den Marktbesuchern. „Meine Frau hat mich extra hergeschickt, nur um genau diese Eier zu besorgen“, ruft Zindler noch und räumt die heiß begehrte Parklücke.

 Früher gehörte die Fläche, auf der jetzt der Sky-Markt steht, der Stadt. Dann kam der Supermarkt, und der Wochenmarkt musste auf einen Teil der Fläche zusammenrücken – aber das kann ja auch gemütlich sein.

 Edita Brunker steht hinter dem Stand mit unzähligen Eiern. Während eine Marktbesucherin noch überlegt, was sie eigentlich will, packt Brunker schon zwei Kartons mit kleinen Eiern ein, als sie eine Stammkundin um die Ecke biegen sieht. „Wir haben viele Kunden, die kaufen immer das gleiche, also kann ich die Eier schon einpacken“, erzählt Brunker und lacht. Ihr Schwiegervater hat 1955 auf dem Markt angefangen, und seitdem ist die ganze Familie auf Wochenmärkten unterwegs. „Das wird nie langweilig, weil in den verschiedenen Stadtteilen so unterschiedliche Menschen leben“, überlegt die 60-jährige laut. Die kleinen Eier stammen übrigens von Junghennen und enthalten viel mehr Eigelb als die großen Eier. „Mein Mann will immer nur die kleinen Eier essen. Die großen darf ich höchstens zum Backen verwenden“, erklärt die Kundin mit den vorsorglich von Edita Brunker zusammengestellten Eiern und verstaut ihre Ware.

 Der Wochenmarkt in Schilksee ist einer von vier Nachmittagswochenmärkten. Die Kunden haben sich auf einen Wochenausklang mit Marktbesuch eingestellt. Es wäre allerdings gelogen, zu behaupten, dass auf dem Markt der Teufel los ist. So ist an allen Ständen Zeit für einen Klönschnack.

 „Wat de Buer nich’ kennt“, seufzt Soenke Boie und lehnt sich auf seine Waage. Er baut Kartoffeln an und verkauft sie ausschließlich auf dem Markt. „Die mehligen Kartoffeln schmecken am besten, weil Stärke wichtig ist für den Geschmack“, erklärt er. Doch meist kommen die Kunden und kaufen Linda. Linda hat es zu einem gewissen Ruhm gebracht, weil sie schon lange durch andere Züchtungen abgelöst sein sollte. Doch die Kunden wollen keine Experimente. Sie wollen das, was sie kennen – eben Linda!

 „Ich habe hier viele Stammkunden, und diesen kleinen Markt in Schilksee liebe ich besonders, weil die Menschen hier sehr entspannt, herzlich und freundlich sind“, fasst Boie zusammen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass schon fast Wochenende ist am Freitagnachmittag. Soenke Boie, seit 23 Jahren Kartoffelbauer und Marktbeschicker, liebt den direkten Kontakt zu den Kunden und die Gespräche. „So macht Arbeiten Spaß; und das Geld hast du sofort“, fasst er zusammen. Die nächste Kundin kauft ein Bund Möhren und drei Stangen Porree. Seit 20 Jahren komme sie schon zu Soenke Boie. Man sei fast zusammen alt geworden. Es werden Komplimente und Scherze ausgetauscht, bevor die Dame ihrem Mann die Einkaufstasche in die Hand drückt und vorbei an zwei älteren Frauen mit Rollator, die sich emsig anschreien, weil sie die Hörgeräte vergessen haben, zum nächsten Stand schlendert.

 In Schilksee gibt es alles, was man von einem Markt erwartet, nämlich Fisch, Fleisch, Käse, Obst, Gemüse, Brot, Eier und Blumen sowie Pflanzen. Unnötiger Schnickschnack kommt bei den Schilkseern nicht gut an. In Kiels Norden wird auf dem Markt gekauft – und den Kaffee trinkt man besser zu Hause.

Preis-Check

 Für unsere Serie haben wir einen Warenkorb gepackt und zusammengerechnet: Auf der Liste stehen ein Bund Möhren, zwei Kohlrabi, zwei kg Kartoffeln, 200 g Salat, zwei kg Äpfel, fünf Orangen, 300 g alter Gouda, 200 g Mettwurst, 200 g Kochschinken, 500 g Hüftsteak, 400 g Dorschfilet, 500 g Goldbutt, zehn Eier, ein Mischbrot, fünf Brötchen und zwei Blümchen zur Zierde. Auf dem Markt in Schilksee hat uns dieser Einkauf 66,83 Euro gekostet. Der in der gestrigen Folge genannte Preis von 63,20 Euro bezog sich selbstverständlich auf den vorgestellten Wochenmarkt in Suchsdorf, nicht auf den Exerzierplatz. Die einzelnen Preise sowie weitere Informationen zu den Kieler Wochenmärkten lesen Sie auf www.kn-online.de/marktforschung.

Schilksees Markt in Zahlen

 Der Wochenmarkt in Schilksee (Langenfelde, Sky-Parkplatz) findet freitags von 14 bis 18 Uhr statt. Den Markt gibt es seit 1980. Auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern verteilen sich 17 Stände. Angebot: Wurstwaren, Fisch, Geflügel, Käse, Obst, Gemüse, Pflanzen und Blumen, Bioobst und -gemüse, Kartoffeln, griechische und italienische Spezialitäten, Eier, Biobackwaren.

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Wer auf einem der Wochenmärkte in Kiel Waren anbieten will, muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Überall, wo Menschen siedelten bildeten sich Plätze zum Kaufen und Verkaufen von Waren.Seit Beginn der Städtebildung im 10 Jahrhundert gibt es auch zentral gelegene und historische belegbare Märkte. Zu den ältesten verbrieften Märkten gehören der Markt in Esslingen am Neckar, den Karl der Goße um 800 gründete und der Trierer Hauptmarkt der 958, also vor mehr als 1.000 Jahren als Wochenmarkt angelegt wurde. mehrKostenpflichtiger Inhalt

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Wochenmärkte in Kiel
Foto: Sie kommen gern auf den Wochenmarkt nach Suchsdorf (von links): Uwe Fensch (Bäcker Jess), Johann Holm (Bauer Holm), Angela Bretscher (Fleischerei Untiedt), Reimer Reimers (Käse Reimers), Anke Holm und Manfred Faber (Pflanzen und Schnittblumen)

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Heute: der Markt auf dem Rungholtplatz in Suchsdorf.

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