15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Krabben und Schuhe in Gaarden

Wochenmärkte in Kiel Krabben und Schuhe in Gaarden

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Nun der letzte Teil: der Markt auf dem Vinetaplatz.

Voriger Artikel
Schnickschnack gibt’s nicht

Seit zwölf Jahren ist Zeynep Kücükaras (45) auf dem Vinetaplatz mit dabei. Auf ihren Tischen türmen sich Schuhe, Kleider, Unterwäsche und Jacken – und das alles zu Schnäppchenpreisen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Bereits der Weg zum Wochenmarkt auf dem Vinetaplatz ist mit fliegenden Händlern und Menschen, die Flohmarktartikel anbieten, gepflastert. Dienstags und sonnabends gibt es auf dem zentral in Gaarden gelegenen Markt eine enorme Auswahl an Waren, die von DVDs über Schuhe bis zu Satellitenschüsseln samt Zubehör reicht.

 „Gaarden ist eben anders“, fasst Thomas Menzel zusammen, der seit mehr als 30 Jahren mit seinem Obst- und Gemüsestand auf dem Vinetaplatz steht. „Hier kannste auch mal ’nen Spruch machen und die Leute nehmen es dir nicht krumm, die wissen was zu entgegnen“, weiß er. „Thomas, was kosten die Limetten“, fragt ein älterer türkischer Herr. Man kennt sich. Menzel hat das Geschäft von seinem Vater übernommen, nachdem er „was Anständiges“ gelernt hatte. Der ältere Herr, Gastarbeiter der ersten Generation, schätzt, er komme schon 45 Jahre an den Stand. Eine Tüte mit sieben Limetten für einen Euro, die packt der Kunde gerne ein. Ab Mai, wenn es wärmer wird, dann kommen auch wieder die vielen Frauen, die in Gaarden einen Schrebergarten besitzen und das verkaufen, was sie ernten und sammeln. Dann wächst der Markt um gut 40 kleine Stände, an denen es vom Löwenzahn und Bärlauch bis zu Kartoffeln das gibt, was gerade reif ist. Ein echter Geheimtipp!

 Eine Zeile des Platzes ist für die Lebensmittelbranche vorgesehen. Auf dem oberen Teil tummeln sich Händler mit Kurzwaren. Seit zwölf Jahren ist auch Zeynep Kücükaras (45) mit dabei. Auf ihren Tischen türmen sich Schuhe, Kleider, Unterwäsche und Jacken. „Das sind alles Retourartikel von einem Versandhaus“, verrät sie. Um diese einzukaufen, fährt sie alle drei Wochen nach Hamburg. Will man ihren Stand beschreiben, trifft das Wort „Grabbeltisch“ wohl am ehesten das Arrangement. „Ich hab’ alles, von Kinderschuhen bis Größe 48, und alles für fünf bis zwölf Euro“, ruft sie. Kenner wissen, in dem bunten Durcheinander finden sich auch schon mal waschechte original Designerschuhe von Prada oder ähnlich exklusiven Marken. „Wer einmal bei mir gekauft hat, bringt das nächste Mal seine Nachbarn mit“, freut sich Zeynep Kücükaras, weiß aber auch, dass die Kunden immer wenig Geld haben. Manche lassen selbst die zehn Euro für das Paar Schuhe anschreiben.

 Eine weitere Besonderheit auf dem sonnabendlichen Vinetamarkt sind Uwe und Thomas Herpel aus Husum mit ihren frischen Krabben. „1968 hat mir ein Großhändler aus Kiel erzählt, dass hier in Gaarden niemand Krabben verkauft. Also haben wir uns um einen Platz beworben. Damals war es hier so voll, dass wir nur einen Stand von 1,30 Meter bekamen“, erinnert sich Uwe Herpel. Eigentlich steht er jeden Tag in seiner Räucherei in Husum. Nur einmal in der Woche, da fährt er raus, und zwar auf den Gaardener Wochenmarkt. Damit zollt er auch seiner alten Verbundenheit zu den Kunden Tribut. „Wir haben hier gut verkauft, und so soll es auch bleiben“, sagt er überzeugt. Früher wären es allerdings am Vormittag vier Zentner Krabben gewesen, heute seien sie froh, wenn sie vier Kilo verkaufen.

 Den alten Zeiten trauern auch Louis Uhlmann und Uwe Kraft ein wenig nach . Der Wochenmarktbesuch ist für die Ur-Gaardener obligatorisch. „Hier ist unser Treffpunkt. Wir trinken Kaffee, schnacken und kaufen ein bisschen ein“, erzählt Louis Uhlmann. „Der Fisch ist gut, das Obst ist günstig. Nur traurig, dass der Markt immer kleiner wird“, ergänzt Uwe Kraft.

Preis-Check:

Für unsere Serie haben wir einen Warenkorb gepackt und zusammengerechnet: Auf der Liste stehen ein Bund Möhren, zwei Kohlrabi, zwei kg Kartoffeln, 200 g Salat, zwei kg Äpfel, fünf Orangen, 300 g alter Gouda, 200 g Mettwurst, 200 g Kochschinken, 500 g Hüftsteak, 400 g Dorschfilet, 500 g Goldbutt, zehn Eier, ein Mischbrot, fünf Brötchen und zwei Blümchen zur Zierde. Auf dem Vinetaplatz hat uns dieser Einkauf 52,56 Euro gekostet.

Gaardens Markt in Zahlen:

Auf dem Vinetaplatz in Gaarden ist dienstags und sonnabends von 8 bis 13 Uhr Wochenmarkt. Ein Markt mit großer Tradition: Seit Juli 1907 gibt es ihn schon. Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern gibt es ein auf den Stadtteil zugeschnittenes, ausgewogenes Warenangebot, viele türkische Händler und andere Nationalitäten. Im Sommer kommt ein reichhaltiges Angebot von selbst angebautem Gemüse und Obst hinzu.

Voriger Artikel

Wer auf einem der Wochenmärkte in Kiel Waren anbieten will, muss sich bei Ingrid Hamann schriftlich bewerben. Die Marktmeisterin schaut dann, ob das neue Angebot auf den Markt passt. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Überall, wo Menschen siedelten bildeten sich Plätze zum Kaufen und Verkaufen von Waren.Seit Beginn der Städtebildung im 10 Jahrhundert gibt es auch zentral gelegene und historische belegbare Märkte. Zu den ältesten verbrieften Märkten gehören der Markt in Esslingen am Neckar, den Karl der Goße um 800 gründete und der Trierer Hauptmarkt der 958, also vor mehr als 1.000 Jahren als Wochenmarkt angelegt wurde. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Mehr zum Artikel
Wochenmärkte in Kiel: Schilksee
Foto: Hier kennt man sich: Soenke Boie, seit 23 Jahren Kartoffelbauer und Marktbeschicker, liebt den direkten Kontakt zu den Kunden und die Gespräche auf dem Wochenmarkt in Schilksee.

Bummeln, schauen, schnacken und nebenbei den heimischen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen. Die Kieler können sich an jedem Tag der Woche auf einem anderen Markt versorgen. Für unsere Serie haben wir uns auf den Kieler Märkten umgesehen. Heute: der Markt in Schilksee.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr