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Meine gute Nachricht des Jahres 2015 Zurück im richtigen Takt
Meine gute Nachricht des Jahres 2015 Zurück im richtigen Takt
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09:12 27.11.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Herzpatient Dennis Pfaff mit Prof. Stephan Willems (links), Direktor der Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie am Universitären Herzzentrum des Universitätsklinikums Eppendorf, Dr. Nils Gosau einer seiner Oberärzte. Quelle: Michael Rauhe
Hamburg

Achtmal war der Schrittmacher bereits gewechselt worden. Im April dieses Jahres ging es dem Jungen sehr schlecht. Er lag fast nur noch im Bett. Schon bei den kleinsten Anstrengungen wurde ihm schwindelig, und er war immer sehr müde. In diesem Zustand kam er zu uns in das Universitäre Herzzentrum in Eppendorf. Seine Herzfrequenz lag bei 20 Schlägen pro Minute. Normal sind etwa 70 bis 80 Schläge pro Minute. Wir haben noch versucht, das Gerät wieder zu aktivieren. Aber das hat nicht funktioniert. Danach war klar: Der Junge braucht einen neuen Herzschrittmacher.

 Jetzt war guter Rat teuer. Denn ein herkömmlicher Herzschrittmacher, der am Brustkorb unter der Haut eingepflanzt und mit einer Sonde verbunden wird, die in das Herz hineinführt, kam bei dem Jungen aufgrund von Veränderungen in den Blutgefäßen durch die vielen Voroperationen nicht infrage. Es war wegen der Vernarbungen am Herzen auch nicht mehr möglich, die Sonde, wie in den vergangenen zehn Jahren, von außen auf den Herzmuskel aufzunähen. Weil es also keine Möglichkeit mehr gab, den Jungen mit einem neuen Herzschrittmacher zu versorgen, zogen die Ärzte des Kinderherzprogramms unter Leitung von Privatdozent Dr. Rainer Kozlik-Feldmann, bei denen Dennis in Behandlung war, bereits eine Herztransplantation in Erwägung. Das ist ein schwerer Eingriff, nicht nur die Operation selbst, sondern auch die Behandlung danach. Denn diese Patienten müssen lebenslang Medikamente einnehmen, die eine Abstoßungsreaktion ihres Körpers auf das fremde Organ unterdrücken.

 Wir wussten aber zu dem Zeitpunkt, dass demnächst ein neuer Herzschrittmacher auf den Markt kommen sollte, der ganz ohne Sonden funktioniert und per Katheter in das Herz eingesetzt wird. Wir nahmen Kontakt zum Hersteller auf und sagten ihm, dass wir dieses System unbedingt brauchen, um den Jungen zu retten. Aufgrund der Dringlichkeit erhielten wir von der Hamburger Ethikkommission eine Ausnahmegenehmigung, den neuen Herzschrittmacher bei Dennis einzusetzen. Es wurde die erste Implantation in Deutschland – noch vor der Markteinführung des neuen Gerätes im Juni.

 Weil es dem Jungen so schlecht ging, machten wir ziemlichen Druck auf alle Instanzen, um ihm möglichst schnell den neuen Herzschrittmacher einsetzen zu können. Am längsten dauerte es, das Gerät zu beschaffen. Die Entscheidung der Ethik-Kommission verlängerte die Wartezeit nicht entscheidend. Insgesamt dauerte es 14 Tage von der ersten Anfrage bis zu dem Eingriff. Während dieser Zeit betreuten wir Dennis auf der Intensivstation, weil das Risiko bestand, dass er einen Herzstillstand erleidet. Zum Glück ist alles gut gegangen, und er hat diese Zeit ohne Komplikationen überstanden.

 Wir waren sehr froh, als es Ende April endlich soweit war, dass wir den Herzschrittmacher einsetzen konnten. Das ist eine winzige Kapsel, die etwa zwei Zentimeter lang ist und einen Durchmesser von fünf Millimetern hat. Darin ist die gesamte Technik untergebracht, die für den Betrieb des Gerätes und die Stimulation des Herzens nötig ist. Diese Kapsel haben wir über einen Katheter von der Leiste aus bis in die Spitze des rechten Herzens vorgeschoben und sie dort platziert. Sie hat sich an der Innenwand der rechten Herzkammer verhakt und kann nicht mehr verrutschen.

 Der Schrittmacher wurde dann auf eine Herzfrequenz von 70 Schlägen pro Minute eingestellt, und wir konnten beobachten, wie sich die Herzfrequenz des Jungen wieder in den Normalbereich bewegte. Das war schon ein schönes Erlebnis, und wir haben uns sehr darüber gefreut, dass wir Dennis damit eine Herztransplantation ersparen konnten. Und wir sind sehr glücklich darüber, dass es ihm jetzt, ein halbes Jahr später, so gut geht. Er treibt regelmäßig Sport und hat auch eine Ausbildung in Husum angefangen, wo er fünf Tage die Woche verbringt. An den Wochenenden ist er zu Hause bei seinen Eltern und seinem Bruder – und bei seinen Freunden, mit denen er gerne Billard spielen geht.

 Es kommt durchaus häufiger vor, dass Patienten mit angeborenen Herzfehlern nach mehreren Operationen schon in jungen Jahren einen Herzschrittmacher brauchen, aber solch einen Fall hatten wir hier noch nicht.

 Von Stephan Willems und Nils Gosau

 Aufgezeichnet von Cornelia Werner

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