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Meine gute Nachricht des Jahres 2015 Ein Taxifahrer als Schutzengel
Meine gute Nachricht des Jahres 2015 Ein Taxifahrer als Schutzengel
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16:45 23.11.2016
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Im Taxi lernte Monika Bösmann ihren persönlichen Schutzengel kennen: Wie der hilfsbereite Fahrer hieß, erfuhr sie nie. Quelle: Hans-Jürgen Wege
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Lüneburg

Ich habe diese Lektion an einem turbulenten Tag am Flughafen gelernt. An einem Tag, an dem viele kleine Katastrophen doch noch zu einem glücklichen Ende fanden. Ich verdanke diesen Satz einem Taxifahrer, von dem ich nicht einmal den Namen weiß – obwohl er ein paar Stunden lang wie ein Schutzengel für mich da war.

Bei unserer Reise hatte es von Anfang an Probleme gegeben. Eigentlich hatten wir im April fliegen wollen. Ich hatte schon immer den Traum gehabt, einmal im Leben Istanbul zu sehen. Doch dann bekam ich eine Endoprothese im Knie; wir mussten den Flug stornieren. Im Herbst wollten wir ihn nachholen. Mein erster Urlaub mit Rollator, im Alter von 72 Jahren.

Am 28. September ging es endlich los. Ich war überglücklich, als wir in unserer Heimatstadt Lüneburg aufbrachen und schließlich am Flughafen in Langenhagen ankamen. Das änderte sich jäh beim Einchecken. Zu meinem Entsetzen bemerkte ich, dass ich nicht den Personalausweis eingesteckt hatte, sondern den Führerschein. Für mich brach eine Welt zusammen. Die Frau am Schalter riet mir, rasch nach Langenhagen zu fahren, ins Bürgeramt, um ein Ersatzdokument zu beschaffen. Also checkte mein Mann ein, und ich suchte mir ein Taxi. Um 9.20 Uhr ging die Fahrt los. Um 11 Uhr sollte der Flieger starten.

Wir gerieten in einen Stau, hatten eine rote Ampel nach der anderen. Ich erzählte dem Fahrer von meinem Problem. Die Zeit raste, und irgendwann gab ich auf. Ich bat ihn, umzukehren. Seine Reaktion: „Wenn sie jetzt umkehren, werden Sie nie erfahren, ob Sie es nicht doch geschafft hätten.“ Also fuhren wir weiter. Schließlich kamen wir am Rathaus an. Er half mir noch die Stufen hoch, dann ging er.

Im Bürgeramt stellte sich heraus, dass ich ein Passbild brauchte. Einen Automaten gab es nicht, ich musste zum Fotografen. In meiner Verzweiflung konnte ich mir den Weg kaum merken, den die Dame mir beschrieb. Als ich gehen wollte, stand plötzlich mein Taxifahrer neben mir! Er half mir die Stufen hinunter, und lief vor, ohne viel zu reden. Ich ging auf gut Glück hinterher, kam an einen großen Platz. Auf der anderen Seite wedelte ein Mann schon wild mit den Armen. Mein Taxifahrer, am Eingang eines Einkaufszentrums. Er hatte den Fotografen schon ausfindig gemacht, dann schob er mich in den Laden.

Die nächste Enttäuschung: Die Entwicklung des Fotos würde 15 Minuten dauern. Mir war klar, dass ich den Flieger so nicht mehr erreichen würde. Da fasste mich der Taxifahrer am Arm: „Fertig? Sie gehen vor zum Rathaus – ich bringe das Bild nach!“ Doch im Bürgeramt war ein dringend nötiges Fax noch nicht da. Der Computer streikte. Erst der dritten Mitarbeiterin gelang es, mir den Ersatzpass auszustellen.

Kaum hatte ich ihn in der Hand, ging die Tür auf – mein Taxifahrer. Im Affenzahn fuhr er mich zum Flughafen, um 10.50 Uhr kamen wir an. Ich zahlte, am liebsten wäre ich ihm vor Dankbarkeit um den Hals gefallen – doch mein Trinkgeld wollte er nicht: „Das war nicht ich, das war mein Herz.“ Zum Reden blieb jetzt keine Zeit mehr. Ich drückte ihm das Geld in die Hand, und als ich hektisch nach dem Schalter suchte, war er wieder an meiner Seite und brachte mich zum Gate.

Er war überhaupt immer da. Die meiste Zeit nahm ich ihn gar nicht wahr, aber immer wenn ich ihn brauchte, tauchte er wie aus dem Nichts auf. Als wäre er mein Schutzengel. Als letzte Passagierin bestieg ich das Flugzeug. Dass mein Traum von Istanbul trotz aller Widrigkeiten wahr wurde, verdanke ich diesem außergewöhnlichen Menschen. Ich denke jeden Tag an ihn. Das einzige, was ich über ihn weiß, ist, dass er Kurde aus dem Irak ist. Und, dass ich meine Begegnung mit ihm nie vergessen werde.

 Von Monika Bösmann, aufgezeichnet von Simon Benne

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