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Meine gute Nachricht des Jahres 2015 Spätes Liebesglück im Pflegeheim
Meine gute Nachricht des Jahres 2015 Spätes Liebesglück im Pflegeheim
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07:47 26.11.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Zu zweit ist das Leben viel schöner: Heinz Westphal lernte seine Marianne im Pflegeheim kennen. Quelle: std

Es ist nicht leicht, mit 81 Jahren noch einmal von vorn anzufangen. Alles war neu für mich: die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Pflegebedürftigen und den Behinderten, die hier auch leben. Aber es ging nicht mehr anders. Vorher hatte ich eine sehr schöne Wohnung in Stralsund. Aber ich wurde flusig, ließ vieles liegen und bekam immer mehr Probleme mit dem Laufen. Auch mein Arzt hat gesagt, dass es nicht mehr geht. Es war immer die Angst da, dass etwas passiert. Dass ich stürze, verletzt in der Wohnung liege und niemand da ist. Schließlich hat meine Tochter mich im Pflegeheim angemeldet.

 Es ist nicht meine Art, mich abzuschotten. Wahrscheinlich deshalb habe ich im Heim schnell neue Freunde gefunden. Ich wurde sogar in die Bewohner-Vertretung gewählt, obwohl ich da erst ein paar Monate hier wohnte. Die Heimleitung hat eine kleine Ausstellung mit meinen Aquarell-Bildern organisiert, die jetzt im Erdgeschoss des Heims zu sehen sind. Ich habe schon immer gerne gemalt. Heimatmotive mag ich am liebsten. Außerdem schreibe ich.

 Dann ist mir aber etwas passiert, was mir im Traum nicht eingefallen wäre. Ich habe eine neue Liebe gefunden. Sie lebt auch hier im Heim. Ihr Name ist Marianne, sie ist 79 Jahre alt und sehr, sehr nett. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Sie schreibt auch, Gedichte, und sie mag meine Bilder. Wir haben uns immer viel zu erzählen. Gleich nachdem wir uns kennengelernt hatten, waren wir ständig zusammen und und haben geredet. Aber es blieb immer beim ,Sie’. Ich war der Herr Westphal, sie die Frau Hartwig. Schließlich habe ich mir ein Herz gefasst und ihr im Gemeinschaftsraum bei einem Glas Sekt das Du angeboten. Dazu gehört natürlich auch ein Kuss. Seitdem sind wir ein Paar.

 Meine Frau starb 2012. Dass ich mich noch einmal verliebe, hätte ich nie für möglich gehalten. Seitdem ist das Leben viel schöner geworden. Wir machen zusammen Ausflüge mit dem Rollator in das Einkaufszentrum. Auch den Tierpark mögen wir beide sehr. Wir können stundenlang den Vögeln zusehen. Unser Lieblingsvogel ist der Lachende Hans. Wenn er schreit, klingt das wie das Lachen eines Menschen. Wir lachen selbst viel, wahrscheinlich mögen wir ihn deshalb so sehr.

 Abends sitzen wir oft zusammen und erzählen uns etwas. Ich interessiere mich für alles, was in der Welt vor sich geht. Das erzähle ich ihr dann. Sie sagt, ich hätte Köpfchen. Manchmal rede ich bisschen zu viel, das ist vielleicht ein Fehler von mir. Aber wir sind glücklich. Ich könnte mir nicht vorstellen, allein imZimmer zu sitzen und Trübsal zu blasen.

 Ein bisschen Angst hatte ich davor, meiner Tochter von meiner neuen Liebe zu erzählen. Ich wusste nicht, wie sie reagieren würde. Sie hat gesagt: „Papa, das ist das Wunderbarste, was du mir sagen konntest.“ Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Nicht alle haben so reagiert. Unter den Mitbewohnern im Pflegeheim sind manche neidisch. Jemand sagte sogar: „Das bleibt nicht so.“ Marianne hat sich darüber geärgert. „Lass sie doch reden, wir wissen es besser“, habe ich daraufhin zu ihr gesagt. Nicht alle sind so. „So einen Freund wie den Herrn Westphal möchte ich auch haben“, hat eine andere Mitbewohnerin gesagt.

 Wir sind seit ein paar Wochen ein Paar. Die Liebe wird immer stärker. Jeden Morgen, wenn ich in ihr Zimmer komme, begrüße ich sie mit einem Küsschen, wir halten Händchen und wir kuscheln. Aber sonst soll alles bleiben, wie es ist. Eine gemeinsame Wohnung kommt nicht in Frage. Wenn wir in getrennten Zimmern leben, bleibt unsere Liebe jung.

 Ich bin glücklich, besser als jetzt kann es nicht werden. Hoffentlich bleibt das noch lange so. Ich fühle mich jedenfalls nicht alt. Ich freue mich auf die nächsten Jahre.

 Von Heinz Westphal, aufgezeichnet von Gerald Kleine Wördemann

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