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MiSch Ein Europameister zum Anfassen
MiSch Ein Europameister zum Anfassen
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19:56 29.02.2016
Von Tamo Schwarz
Auf einmal sitzt da ein frischgebackener Europameister vor den vierten Klassen: Tamo Schwarz (li.), Sportredakteur der Kieler Nachrichten, brachte Christian Dissinger, Rückraumspieler des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, im Rahmen des Projektes „Medien in der Schule“ (MiSch) mit in die Grundschule Suchsdorf. Quelle: Sascha Klahn
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Kiel

Auf einmal sitzt da ein frischgebackener Europameister vor den Suchsdorfer Klassen 4a, 4b und 4c mit ihren Klassenlehrerinnen Meike Jessen, Sabine Borchers und Britta Mielke.

 Zum Aufwärmen stellt sich der Sportredakteur erst einmal allein den Fragen. Ob er schon berühmte Sportler interviewt habe (Lisa, 9), ob das Reisen zu den vielen Spielen anstrengend sei (Gloria, 10) und ob es sehr aufregend gewesen sei, zum ersten Mal einen eigenen Artikel in der Zeitung und auf KN-online zu sehen (Jönna, 10). Dann legt Mathis (9) den Finger in die Wunde und fragt, wie lange es denn eigentlich dauere, einen dieser Artikel, die die Schüler seit Beginn des MiSch-Projektes ausgeschnitten und zu einer kleinen Mini-Ausstellung verarbeitet haben, zu schreiben. Jetzt dreht der Redakteur – nicht eben der schnellste Schreiber – den Spieß um: „Wer von euch spielt Handball oder interessiert sich für Handball?“ Fast alle Hände schnellen in die Höhe, der eine oder andere Ball gleich mit. Da sind so einige durch die Mini- und Maxi-Schule des Suchsdorfer SV gegangen. In der ersten Reihe wird sogar ein THW-Trikot gesichtet. „Und wen interessiert Handball nicht die Bohne?“ Eine Handvoll Kinder meldet sich. Stark! Mutig! Selbstbewusst! So muss es sein.

Trotzdem wird Christian Dissinger dann mit ausnahmslos staunenden Gesichtern empfangen. 2,02 Meter ist der Kieler Rückraumspieler groß – im Theaterraum der Grundschule müssen die Viertklässler dann doch ganz schön weit nach oben blicken. Der Nationalspieler hat sogar seine EM-Goldmedaille dabei, aber die geht im (geordneten und sehr gut vorbereiteten) Fragengewitter irgendwie unter. Ein Europameister zum Anfassen: Die Zeit muss sinnvoll genutzt werden.

 „Wie lange spielst Du schon Handball?“, fragt Enya (10). Dissinger erzählt von seinen Eltern, die ihn schon mit zwei Jahren mit in die Halle nahmen. „Mit fünf habe ich dann angefangen, selbst Handball zu spielen.“ Dass es als Handballer nicht so einfach sei, Millionär zu werden, wie als Fußballer, erklärt das Zebra auch. Ragnar (10) interessiert brennend, ob der Handball-Star auch einen Jeep fahre wie so viele seiner Mitspieler (nein, es ist ein BMW X1). Verena (10) fragt nach sportlichen Vorbildern („Ich möchte mir von den Besten etwas abschauen, aber was zum Beispiel Dirk Nowitzki geleistet hat, ist bewundernswert“). Und Bjarne (10) beweist, dass er sich intensiv mit Dissingers Geschichte beschäftigt hat: „Gab es einen Zeitpunkt, wo Du aufhören wolltest?“ Den gab es 2013 nach Dissingers zweitem Kreuzbandriss: „Ich war verletzt, vereinslos, überlegte, mich aufs Studium zu konzentrieren.“

 Dann gibt es kein Halten mehr. Das THW-Ass soll nicht nur auf wunderbar kreativ gebastelten Autogrammkarten unterschreiben, sondern sich auch auf Bällen, Trikots, Zeitungsartikeln, Hausschuhen und so manchem Mädchen- und Jungen-Arm verewigen. Das Vormittags-Training rückt näher (Dissinger bereitet sich nach einer bei der Europameisterschaft erlittenen Verletzung auf sein Comeback vor), doch der 24-Jährige schreibt und schreibt und schreibt. Ganz am Ende gibt es sogar Autogrammwünsche an den Sportredakteur. So ein Interview erlebt der auch nicht alle Tage.

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