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Alles andere als pure Akrobatik

Andy McKee Alles andere als pure Akrobatik

 „He, Mann, das ist kein Workshop, das ist ein Konzert!“ Andy McKee wirkte bei seinem Auftritt in der Pumpe in Kiel amüsiert, aber auch ein wenig ungehalten.

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Andy McKee live in der Pumpe

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Gerade hat ihn ein Mann aus den vollbesetzten Reihen im teilbestuhlten Saal der Pumpe um das „Tuning“, die Gitarrenstimmung beim just gespielten Instrumental gebeten. Aber dann lässt McKee sich doch in die Karten schauen und zählt die Noten auf. „Nicht vergessen, später gibt’s ein Quiz“, schickt er noch launig hinterher und erntet Lacher.

Der Fragesteller dürfte nicht der einzige Gitarrist im Raum gewesen sein, in dem zeitweise eine fast kirchliche Atmosphäre herrscht, so konzentriert und fasziniert verfolgt das Auditorium das Dargebotene. Kein Wunder, schließlich agiert hier einer der besten Fingerstyle-Gitarristen auf diesem Planeten. Der aus Topeka, Kansas stammende, 37-jährige Andy McKee hat es auf den Stahlsaiten zu eine Könnerschaft entwickelt, die stellenweise sprachlos macht.

Es ist weit mehr als profanes Zupfen, Picken oder Schlagen der Saiten, was der Virtuose zu bieten hat. Er spielt manchmal mit beiden Händen gleichzeitig auf dem Griffbrett, lässt atemberaubend schnell dieTappings tanzen, tupft sie öfter mal als zarte Flageoletts. Manchmal spielt er nur mit den Fingern der linken Hand, während die rechte energisch und zackig einen präzisen Rhythmus  auf den Gitarrenkorpus trommelt. McKees Timing ist fantastisch. Doch ist das hier alles andere als eine Zirkusshow, keine schiere Akrobatik: Hier dient hier jeder Griff, jede Note dem Stück, seinem Ausdruck.

Die meisten seiner exquisiten Komposition fließen ruhig dahin, gefühlvoll, besinnlich, aber alles andere als betulich. Wohldosiert setzt McKee kleine Eruptionen, forciert auch mal das Tempo mit kräftigen Schlägen auf die Saiten, spielt meist mit geschlossenen Augen und mit der Andeutung eines Lächelns. Seine Instrumentals sind mit Noten geschriebene Geschichten, eloquent, lyrisch. Erzählen von schönen („Into The Ocean“) und von harten Zeiten („Heather’s Song“). Einige hat er Menschen gewidmet, die ihm wichtig sind: seiner Frau („She“), seinen beiden Söhnen („The Reason“), eines der Tochter eines Freundes, die mit vier Jahren starb („Rylynn“). Ein paar Cover hat McKee auch im Programm, einige aus der Feder eines anderen Fingerstyle-Genies, das ihn nachhaltig inspiriert hat: dem laut McKee viel zu wenig beachteten Michael Hedges. Im von Fleetwood-Mac-Gitarrist Lindsey Buckingham inspirierten „Ouray“ ,seinem ersten je geschriebenen Song für Akustik-Gitarre, zitiert McKee Fleetwood Macs „Never Going Back Again“. Bei Totos Hit „Africa“ ersetzt er gleich die ganze Band.

Als McKee von der Bariton-Akustik-Gitarre zur imposanten, 100 Jahre alten Harfengitarre wechselt, tönt ein anerkennender Pfiff aus dem Rund. Auf diesem formschönen Instrument kann er seine ganze Meisterschaft zeigen. Ein Erlebnis, wie das ganze umjubelte Konzert.

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Ein Artikel von
Thomas Bunjes
Kulturredaktion

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