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Tschechische Träumereien

Kieler Philharmoniker Tschechische Träumereien

Der deutsche Cello-Star Julian Steckel macht sich im Schloss mit den Kieler Philharmonikern für Bohuslav Martinus Erstes Cellokonzert stark. Eingebunden ist es in ein reizvolles Programm mit tschechischen Komponisten. Am Pult überzeugt der Gastdirigent Christoph König.

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Der Cellist Julian Steckel, im Mozart-Konzert der Musikfreunde Kiel im Jahr 2004 erstmals Solist der Philharmoniker, glänzte als Anwalt von Martinus Konzert.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Schon in der Barockzeit und allemal seit Mozarts Tagen sind Prag, Böhmen und Mähren sprudelnde Quellen der Musikgeschichte. Bei Smetana, Dvorák, Gustav Mahler und noch im fortschreitenden 20. Jahrhundert bei Martinu und Janácek hört man, dass hier Melodie, Tanzrhythmus und Klangeffekte zu Hause sind. Bohuslav Martinus Erstes Violoncellokonzert vergewissert sich noch in der Orchesterfassung von 1956 ständig dieses großen Erbes. Ähnlich wie Sol Gabetta legt sich der vielfach preisgekrönte Cellist Julian Steckel für das Werk ins Zeug. Dem 1982 geborenen Pfälzer liegt dieses Engagement für das unter Wert Geschätzte – mit ähnlich überzeugendem Ernst hat er sich schon für Raritäten von Toch, Goldschmidt, Bloch oder Korngold stark gemacht.

Technisch absolut souverän packt er die virtuosen Zumutungen durch den Streicherkollegen Martinu an, verwandelt sie mit in allen Registern ausgeglichen noblem Ton in Energie und Ausdruck. Ganz besonders schön, weil innig, aber nie triefend sentimental, gelingen ihm der verträumte langsame Mittelsatz und dessen sinnierendes Echo im Finale. Das begeisterte Publikum im gut besuchten Schloss erhält vom sympathisch auftretenden Künstler eine frei schweifende, fast impressionistisch verunklarte Version von Bachs C-Dur-Präludium aus den Solo-Suiten als Zugaben-Dank.

Den Kieler Philharmoniker, die mit Steckel in gelungenen Soli an ihn anschmiegen, fehlt es unter der Leitung des Gastdirigenten Christoph König allenfalls hier und da an letzter Trennschärfe. Aber so ist das eben, wenn man sich erstmal auf tschechische (Alp-)Träumereien wie Antonin Dvoráks Schauerballade Der Wassermann eingelassen hat. Der Chefdirigent der Solistes Européens Luxemburg trifft hier mit den Philharmonikern sehr sinnlich den verschleiert unwirklichen Tonfall eines Reifewerks, das hörbar der mondsüchtigen Oper Rusalka nahe steht.

Verdrängt man die allzu nationalistisch geprägte Haudegen-Attitüde von Leos Janáceks blutrünstiger Rhapsodie Taras Bulba, bleibt das große Staunen: Die drei knappen Sätze von 1921 erweisen sich als weitergedachter Dvorák, sind fantasievoll instrumentiert und überrumpeln den Hörer mit lauter skurrilen, bezaubernden, prachtvollen und innigen Momenten: ein Fiebertraum auf tschechische Art.

König und die Philharmoniker fächern das glanzvoll gleißend auf, drängeln sich etwa mit dem unablässig präsenten Rhythmusmodell des zweiten Satzes in die Aufmerksamkeit der Besucher. Für die Bravo-Rufer und den großen Applaus haben sie diesmal eine Zugabe parat: Smetanas Komödianten-Tanz aus der Verkauften Braut. Böhmen und Mähren? Ein furioser Traum!

Das Konzert wird am Montag, 21. März, um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt. Einführung um 19.15 Uhr. Karten: 0431 / 901 901. www.musikfreunde-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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