25 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Deutsches Requiem für Reger

Studentenkantorei Kiel Ein Deutsches Requiem für Reger

Der spätromantische Komponist Max Reger starb vor 100 Jahren als einsames Genie. Zur Eröffnung der umfangreichen Gedenkjahr-Aktivitäten in Kiel gab ihm die Philharmonikerin Marie Yamanaka entsprechend eine Solo-Stimme.

Voriger Artikel
Thalia-Intendant will kein politisch korrektes Theater
Nächster Artikel
„Früchte des Zorns“ eröffneten die Lessing-Tage

Kiel. Was da fesselnd "solo" tönte, war von Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer stimmig eingebunden zwischen die Sätze von Johannes Brahms’ Deutschem Requiem, das so zur Totenmesse für Reger wurde.

Der spätromantische Komponist Max Reger starb vor 100 Jahren als einsames Genie, von Depressionen und Alkoholismus angefressen. Zur Eröffnung der umfangreichen Gedenkjahr-Aktivitäten in Kiel gab ihm die Philharmonikerin Marie Yamanaka entsprechend eine ernste, volltönend warme Solo-Stimme in seinen Suiten-Sätzen für Viola op.131d. Was da mit viel Brahms-Herz und -Harmonie im Geiste Bachs fesselnd tönte, war von Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer an sich stimmig eingebunden zwischen die Sätze von Johannes Brahms’ Deutschem Requiem, das so zur Totenmesse für Reger wurde. Nur fehlte im ansonsten informationsreichen Programmheft ein entsprechender Hinweis. Das letztlich begeisterte Publikum im gut besuchten Schloss durchlebte somit irritiert die Vor- und Nachteile des Konstrukts: Den unterbrochenen Fluss, aber auch die spürbar erholsame Sammlung des Chores – zum Beispiel beim gefürchteten Übergang vom extrem kraftraubenden Toben des sechsten zum himmlisch schwerelosen siebten Teil.

Emmers Studentenkantorei zeigte sich hervorragend in Form, glänzte mit beispielhafter Text- und Ausdrucksdeutlichkeit. Der leuchtkräftig junge Sopran, der farbenreiche Alt und das Bass-Fundament konnten sich hören lassen. Und selbst die hörbar kleinere Formation des Tenors hatte betörend schöne Stellen zu bieten. Emmers Gefühl für den rechten Brahms-Fluss, kanalisiert vom fast überall stabilen und klangschönen Orchesterbett des Collegium Musicum, für „liebliche Wohnungen“, Selig- und Vergänglichkeiten zeitigte eine runde Aufführung. Fehlte in der ersten Fugen-Prüfung („der Gerechten Seelen ...“) noch ein wenig der Mut zum euphorischen Zug, verlief die zweite („Herr, du bist würdig ...“) prächtig. Mit dem beherrschten Oratoriumsbass Thomas Peter und der zunehmend sicher, raumfüllend und anrührend singenden Sopranistin Mechthild Bach waren auch die Solopartien gut besetzt.

Die Überlänge des Konzerts wurde durch das vorgeschaltete Schicksalslied von Brahms ausgelöst. Dennoch hätte man im Nachhinein ungern auf den schön verträumt sehnsüchtig gleitenden Anflug von Hölderlins „seligen Genien“ verzichtet.

Das Konzert wird am 25. und 26. Januar um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt.

www.reger-kiel2016.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie Frau
Marion N.-Neurode

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Aktuelle Nachrichten: Kultur 2/3