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Dascha gediegn - düsse Pries

Agathe-Lasch-Pries över Missingsch an Dr. Viola Wilcken Dascha gediegn - düsse Pries

Missingsch – dat is „halbes Platt“ hett de berühmte Schrieversmann Kurt Tucholsky mol seggt,. In sien Roman „Gripsholm“ hett he bavento noch een wunnerbores Bild för düsse Spraakvarietät moolt: „Missingsch ist das, was herauskommt, wenn ein Plattdeutscher hochdeutsch sprechen will. Er krabbelt auf der glatt gebohnerten Treppe der deutschen Grammatik empor und rutscht alle Nasen lang wieder in sein geliebtes Platt zurück.“ Dr. Viola Wilcken vun’t germanistische Seminar an’e Uni Kiel hett sik in ehr Dokterarbeit nipp un nau mit düsse „Sprachenvarietät“ uteenannersett: „Historische Umgangssprachen zwischen Sprachwirklichkeit und literarischer Gestaltung. Formen, Funktionen und Entwicklungslinien des Missingsch“ heet ehr Thema.

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Klingt nich blots vigelliensch – is ok vigelliensch. Denn richtiges Missingsch schnackt hüüttodaags kuum noch een. Keen Wunner. Denn kuum een liert hüüt noch Platt as Modderspraak. Un wo keen Platt is, dor kann sik ok nix mit Hochdüütsch vermengeleern. Also hett sik Spraakwetenschaplerin Viola Wilcken an „schriftliche Quellen“ holln. De wetenschapli Mitarbeiterin an’t Germanistische Seminar in Kiel hett sik also dörch Texte ut verscheden nedderdüütsche Regionen un ut verscheden Tieden wöhlt.  

Egens wull se jo wat ganz anners maken in ehr Dokterarbeit, smuustert de Sprakenexpertin, de ok in Kiel studeert hett: „Ich suchte nach einem passenden Thema. Und da habe ich im Fernsehen zufällig „Dittsche“ gesehen“. Dat is een Comedy-Serie bi’n NDR. Olli Dietrich steiht dor jümmers in‘ Baadmantel an‘ Imbisswaag in Hamborg un lamenteert över Gott un de Welt. Dat hett de Expertin op en Idee bröcht: „Der sprach so ein inszeniertes Norddeutsch. Ich habe viel über seine Sprache gelacht.“ Norddüütsch in de Medien – dat wull se geern maken. Man  Dokter-Vadder Perfesser Michael Elmentaler hett ehr toschnackt, doch noch wieder in’e Spraakgeschicht intodüükern. „Und da kam ich auf Missingsch. Da gab es noch keine wirklich umfassenden Untersuchungen dazu.“

Se hett in Opsätze nakeken, hett wetenschapli Warke studeert un denn keem en Barg Fleiß-Arbeit op ehr to: „Dann wurde es wirklich schwierig. Ich habe viele alte Bücher in der Bibliothek durchgeblättert und reingeguckt, habe sozusagen mit den Augen gescannt, ob da Missingsch vorkommt und habe alle Stellen, die größer als 500 Wörter waren, herausgeschrieben“, vertellt de Sprakenexpertin. „Manchmal hatte ich auch einfach viel Glück“, gifft se to.  Lang hett dat duert, bit Viola Wilcken dat Materiol tosamenklamüüstert harr. Denn müssen de verscheeden Merkmole in een besünner Programm noteert warrn un optletzt hett se all de Infos utwertet.

Reuter, Risch, Steffen, Sieg – dat sünd blots een poor Schrieverslüüd, de Missingsch in’e Literatur rinbröcht hebbt. „Oder die Klein-Erna-Geschichten Ende der Dreiziger Jahre. Die waren superbeliebt.“ Kloor, seggt se, dat weer jo ok lustig, wenn „ein vermeintlich ungebildeter Sprecher Hochdeutsch schnacken will, es aber nicht richtig schafft.“ Düsse Mischen ut Hoch un Platt schull in’e Literatur wiesen, woans de Lüüd würkli schnackt hebbt blangen Hoch un Platt. Denn reines Plattdüütsch, dat is jümmers weniger wurrn mit’e Johrteinte.

Dorför sünd aver jümmers mehr plattdüütsche Wöör in’e Hochdüütsche Spraak ringlippt. „Missingsch gehört zwar ganz klar zu Hochdeutsch, aber es ist am allernächsten am Niederdeutschen dran“, verkloort Viola Wilcken.  Düsse plattdüütschen Merkmole sünd aver so peu à peu jümmers wieder verloorn gahn. Dat, wat dorbi rutsuert is, nöömt sik nu „Norddeutsche Umgangssprache“: Sie sprechen kein Standard-Hochdeutsch“, smuustert de Wetenschaplerin un kiekt mi wiss an, „ich spreche auch kein Standard-Hochdeutsch. Ich komme ja auch von hier. Wir sprechen die Norddeutsche Umgangssprache. Das ist sozusagen der Nachfolger vom Missingsch.“ 

Wat vun de Sprachvarietät Missingsch hüüttodaags noch dor is, dat is tomeist „inszeniert“, meent de Sprakenexpertin. För allen Dingen, wat dat Fernsehen angeiht. Wenn Werner un Meister Röhricht in’e „Werner“-Filme tosamen fabuleert oder wenn „Dittsche“ in‘ Imbiss rümlamenteert. Ok bi „Büttenwarder“ kann een noch so`n Aart Missingsch höörn. Oder bi’t „Großstadtrevier“ un natürlich bi de Ohnsorg-Opführen. „Mit dem sehr stark Niederdeutsch geprägten Hochdeutsch verbinden die Leute Heimat, Gemütlichkeit und Zuhause“, so de Wetenschaplerin, „sie freuen sich über das Niederdeutsche am Hochdeutschen.“

Över düt „Medien-Missingsch“ will se nu ok noch en lütt Arbeit schrieven. Forschen, dat is eben ehr Ding. Dat schall ok in Tokunft so blieven. Un wieldatt se dat so goot kann un ehr Dokterarbeit nich blots goot is, sünnern „das Potential eines Standardwerkes zum Thema Missingsch besitzt“, hett de Kieler Sprakenexpertin nu den Agathe-Lasch-Pries för „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprachforschung“ in Hamborg kregen. Bi den olen Hamborger Schrieversmann un „Missingsch-Perfesser“ Dirks Paulun würr sik sien Loffreed op Viola Wilcken so anhöörn: „Zu ein taallose Aabeit, da sahng wi nich gedieng zu, da saach man in Hambuich gaakein besonnere Worte zu. Höchssens kann sein, wi sahng da „feinn Keerl“ zu ode „in Ohtnunk!“ (1948/Hamborger Avendblatt)

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